Hinrichtungen 2013: min. 778 plus 'Tausende' in China

These: Die Todesstrafe ist im Prinzip gut. Sie muss nur gerecht angewendet werden und es muss sichergestellt sein, dass keine Unschuldigen hingerichtet werden.

Zitat aus Zuschriften:

............Ich plädiere dafür, dass sie in Deutschland wieder eingeführt wird (klar, nur wenn der Tatbestand 100% bewiesen ist)!!!!................

Wir sind - wie schon dargelegt - unabhängig von der Frage der Schuld gegen die Todesstrafe, weil wir sie für eine grausame und menschenrechtswidrige Strafe halten.

Aber selbst wenn man der oben stehenden Meinung anhängt und sich die Situation in den USA daraufhin anschaut, sollte man sich für ein sofortiges Hinrichtungsmoratorium aussprechen.

Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 sind in den USA bereits 139 Gefangene (Stand März 2010) aus den Todestrakten entlassen worden, weil ihre Unschuld bewiesen werden konnte. Statistisch bedeutet das, dass mit jeder 7. Hinrichtung ein Unschuldiger freigelassen wurde.

Von Polizei oder Staatsanwaltschaft zurückgehaltenes entlastendes Beweismaterial, gefälschte Beweismittel, Belastungszeugen, die vor Gericht logen oder Meineid leisteten und zum Teil sogar selbst die Täter waren, Falschaussagen von Gerichtsmedizinern oder anderen Experten, rassische Vorurteile oder unfähige, uninteressierte Pflichtverteidiger, die teilweise unter Alkohol- oder Drogeneinfluss beim Gericht erschienen, während der Gerichtsverhandlung einschliefen oder ihre Mandanten gar nicht persönlich kannten, sind nur einige der Gründe, die dazu führten und noch führen, dass immer wieder Unschuldige zum Tode verurteilt wurden bzw. werden.

Zahlreiche Menschen hatten leider nicht mehr die Zeit oder das Glück, ihre Unschuld beweisen zu können, bevor sie hingerichtet wurden.

In einem solchen Rechtssystem kann jeder von uns Opfer nicht nur eines Justizirrtums, sondern eines Justizmordes werden.

Es gibt in den USA keine reichen Todestraktinsassen. 99 % sind arm und auf zugewiesene Pflichtverteidiger angewiesen, die zum Teil mit solchen Fällen völlig überfordert sind.

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Differenz von Anspruch und Wirklichkeit im System Todesstrafe ist Illinois. Der frühere dortige Gouverneur Ryan, durchaus ein Befürworter der Todesstrafe, gelangte zu der Erkenntnis, dass mit dem Todesstrafensystem in seinem Staat irgendetwas nicht stimmen kann. In Illinois waren seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1977 12 Menschen hingerichtet und 13 zum Tode Verurteilte aufgrund gravierender Verfahrensmängel oder dem Auftauchen neuer Beweise aus den Todeszellen entlassen worden. In mehr als 60 Fällen waren Verdächtige durch Schläge der Polizei, Erstickungsversuche, Elektroschocks oder Bedrohung mit Schusswaffen dazu gebracht worden, Taten zu gestehen, die sie nie begangen hatten.

Der Gouverneur stoppte im Jahre 2000 die Hinrichtungen, erklärte ein unbefristetes Moratorium und beauftragte eine Kommission, die die Mängel im 'System Todesstrafe' untersuchen und Vorschläge erarbeiten sollte, wie man die Todesstrafe gerechter machen könne und wie man ausschließen kann, dass Unschuldige zum Tode verurteilt werden.

Am 15.04.02 legte die Kommission ihren Bericht vor: Sie fordert 85 Reformen auf allen Ebenen des Verfahrens und formulierte folgende bemerkenswerte Erkenntnis:

Kein von Menschen gemachtes System kann absolut perfekt arbeiten, so dass es nicht völlig auszuschließen ist, dass ein Unschuldiger zum Tode verurteilt wird.

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