Executions in 2013: min. 778 plus 'thousands' in China

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Jessica R.

Monday, 03-03-14 16:21

PS

Sie möchten doch, daß Ihrem Brieffreund eine zweite Chance gegeben wird, obwohl er ein Mörder ist.

Diese zweite Chance sollte man dann aber auch denen geben, die in den eigenen Augen zu Mördern werden, indem sie Hinrichtungen durchführen oder unterstützen.

Den einen Mördern (mit Recht!) die Hand reichen, den anderen aber verweigern - das ist in meinen Augen inkonsequent.

 

Jessica R.

Monday, 03-03-14 15:47

@Melanie R.:

Zunächst einmal möchte ich sagen, daß ich es schön finde, daß Sie einen Kontakt zu einem Häftling aufgebaut haben und daß es zwischen Ihnen beiden offenbar gut "funktioniert". Das ist ja auch nicht selbstverständlich.

Zu Ihrer Frage, mir persönlich fiele da jetzt höchstens ein, dem Gefangenen eine gute Verteidigung zu bezahlen (was aber nicht jede/r kann, weil nicht alle Leute Rockefeller heißen) - denn das kann ja fast nur über den juristischen Weg gehen, daß ein Todesurteil umgewandelt wird oder gar jemand freikommt.
Vielleicht bestünde auch noch eine Möglichkeit, wenn man einen Pro-Bono-Anwalt finden würde, der sich der Angelegenheit annimmt.

Falls Sie sich auf Petitionen u.ä. beziehen, die werden oft - v.a. wenn ein Hinrichtungstermin näher rückt - von diversen Organisationen, z.B. Amnesty International, durchgeführt. Allerdings muß man sich darüber im klaren sein (allein schon um nicht vor Enttäuschung in ein tiefes Loch zu fallen), daß die Amerikaner sich nur sehr marginal für die Meinung von Europäern interessieren - wenn überhaupt.
Die Todesstrafe ist in den USA durchaus auch ein Politikum; wer sich als "zu weich" dem Verbrechen gegenüber entpuppt, hat als Politiker u.ä. seine Chancen, wiedergewählt zu werden, eingebüßt.
Man darf sich da also nicht zu große Hoffnungen machen, daß da was bei rumkommt.

Ihre Äußerung, Sie "halten gar nichts von Menschen, die für die Todesstrafe sind", halte ich jedoch für zu kurz gegriffen und sogar kontraproduktiv und sie wird den Todesstrafenbefürwortern auch nicht gerecht.
Natürlich gibt es da auch welche, die bei Hinrichtungen regelrechte Parties feiern und solche Dinge, aber es gibt auch auf der Seite der Todesstrafengegner durchaus Leute, die man auch für sehr.....sagen wir, ominös halten kann.
Ich habe mal auf einer Pro-Todesstrafen-Seite mitgelesen, um mich mal schlau zu machen, was das für Menschen sind und was sie umtreibt.
Dabei stellte sich heraus, daß viele von diesen Leuten Angehörige von Mordopfern waren.
Nun stimme ich zwar zu, daß Rache nicht wirklich ein angebrachtes Gefühl ist. Aber solange man das nicht selbst mitgemacht hat - woher nimmt man dann das Recht einer moralischen Überlegenheit und zeigt mit dem Finger auf diese Menschen, die mit einem Schmerz fertigwerden müssen, mit dem man eigentlich gar nicht fertig werden kann?
Wie sagte mir mal früher ein alter Pater: Wenn man mit einem Finger auf einen anderen zeigt, zeigen vier auf einen selbst zurück.

Selbst die, die selber keine Angehörigen von Mordopfern sind, würde ich nicht pauschal verurteilen.
Jetzt kürzlich erst stand hier der Bericht über eine Hinrichtung. Das minderjährige Mordopfer hat den Täter, der jetzt exekutiert wurde, um sein Leben angefleht, dennoch ist es ermordet worden.
Wer will den Angehörigen, aber auch anderen Menschen, die sich in deren Lage versetzen, verdenken, daß sie sagen: Warum soll jetzt sein Flehen um Gnade erhört werden?

Um Mißverständnisse zu vermeiden:
Ich selbst bin aus Glaubensgründen gegen die Todesstrafe. Aber ich verstehe die, die dafür sind. Und gerade deshalb bin ich froh, daß es die Todesstrafe hier nicht gibt - weil ich selbst in der Situation wohl nicht die Kraft hätte, mich dagegen auszusprechen. Da ist es gut, daß der Staat mir diese Entscheidung abgenommen hat.
Aber mit Urteilen über die ganze Person wäre ich sehr, sehr vorsichtig.
Man kann eine Ansicht ablehnen, aber nicht deshalb einen ganzen Menschen, dessen Geschichte und Leben man gar nicht kennt.
Wie heißt es so schön: Hasse den Irrtum, aber liebe den Irrenden.

In diesem Sinne, herzliche Grüße nach Österreich!

 

Melanie R. from Salzburg

Monday, 24-02-14 21:07

Hallo,

ich habe seit Monaten regelmäßig Kontakt mit einem Häftling. Inzwischen ist er ein richtig guter Freund geworden dem ich meine Gedanken und Gefühle erzählen kann. Ich habe da jetzt mal eine Frage und zwar: Gibt es wirklich absolut keine Möglichkeit einen Häftling da raus zu helfen?

Ich persönlich halte nichts von Menschen die für die Todesstrafe sind. Meiner Meinung nach hat jeder Mensch eine 2. Chance verdient (außer Kinderschänder). Mein Brieffreund hat mir natürlich auch schon erzählt, warum er zum Tode verurteilt worden ist, er steht auch zu dem Mord den er begangen hat. Er schrieb mir seine damaligen Gedanken und wenn ich ehrlich bin, habe ich ein wenig Verständnis, auch wenn es nicht verzeihlich ist.
Also ich finde diese Seite echt toll und finde es super, dass es so viele Leute gibt die sich auch dafür einsetzen, dass diese abscheuliche Strafe abgesetzt wird.
Und was ich an den Ländern mit der Todesstrafe überhaupt nicht verstehe ist, laut dem Staat darf man keine Menschen töten, aber der Staat tötet ja dann auch, dann sind das ja auch alles Mörder !!!!

Liebe Grüße,

Melanie R.

 

Gabi Uhl

Thursday, 06-02-14 22:32

@ Gerd Schober: Ich persönlich habe keine übertriebenen Hoffnungen, was den Erfolg von Petitionen angeht. Es ist, glaube ich, aber weniger eine Frage, woher der einzelne Unterzeichner kommt, sondern eine Frage der Menge der Unterschriften. In wenigen besonders populären Fällen wurden schon sechsstellige Zahlen erreicht, auch eine fünfstellige Zahl ist schon eindrucksvoll, und in solchen Fällen wurden schon Umwandlungen von Urteilen bewirkt.

Der Großteil der Petitionen kommt allerdings nicht auf so hohe Zahlen von Unterzeichnern, und da setzen viele bestenfalls ein kleines Zeichen, ohne viel zu bewirken. Aber man sagt ja: "Steter Tropfen höhlt den Stein", deshalb unterzeichne ich auch die Petitionen, die weniger vielversprechend sind. Und wenn es nur ein Zeichen für den Gefangenen setzt, dass es einige Menschen gibt, die sich für ihn einsetzen.

Auf unserer Frontseite haben wir in der Regel Petitionen von anerkannten Organisationen wie Amnesty International, die entsprechend seriös sind und einen größeren Adressatenkreis erreichen. Die Ohio-Petition, die im Moment auf unserer Website steht, stammt von der NCADP - National Coalition to Abolish the Death Penalty. Das ist die größte Organisation dieser Art in den USA, und die IgT ist Mitglied dieser Gruppierung. Hier unterschreiben überwiegend US-Amerikaner, aber es dürfen eben auch wir aus Europa Unterstützung anbieten.

Wenn viele US-Amerikaner nicht viel darauf geben, was wir Europäer denken, ganz egal ist es aber doch nicht. US-Botschafter in Europa beobachten genau, was man hier über die USA denkt und berichten das auch in ihre Heimat. Oder anderes Beispiel: Als die USA die Todesstrafe für Minderjährige 2005 abgeschafft haben, wurde in der Begründung darauf verwiesen, wie dies weltweit beurteilt wird - es gibt also schon Fälle, wo die USA darauf schauen, wie sie von anderen Ländern gesehen werden.

Von daher: Auch wenn die Petitionen vermutlich nur in wenigen Einzelfällen in dem Maß etwas bewirken, wie wir es wünschen, ist es nicht verkehrt, sich dennoch auf dem Gebiet zu engagieren, zumal es ja auch so einfach und nur mit wenig Aufwand verbunden ist. An Ihrer Stelle würde ich deshalb damit weitermachen.

 

Jessica R.

Monday, 27-01-14 17:25

@Sanja Tönnese:
Ihre Einstellung kann ich gut verstehen; es ist sicherlich nicht jedermanns Sache, sich näher mit dem Täter zu beschäftigen, und selbst bei denen, die grundsätzlich nicht für die Todesstrafe sind, hat dieses Thema oft nicht gerade oberste Priorität - auch aus den von Ihnen genannten nachvollziehbaren Gründen.

Zu der Frage, ob ein Einsperren über 40, 50 Jahre besser sei...

Mangels eigener Erfahrung (Gott sei Dank) kann ich da jetzt nur Rückschlüsse aus dem Verhalten der meisten Todeskandidaten ziehen, die in der Regel doch versuchen, ihr Todesurteil umgewandelt zu bekommen, auch wenn das Lebenslänglich dann wörtlich zu verstehen ist. Es scheint also so zu sein, daß man sich irgendwie mit dem Gefängnisleben als dem eigenen Umfeld arrangieren KANN.
Mag aber auch sein, daß es einige Leute gibt, die das ganz anders sehen, denn es gibt ja auch Todeskandidaten, die sämtliche Rechtsmittel zurückziehen.

Für ein "Rauskommenlassen" bin ich übrigens in so schwerwiegenden Fällen wie den beiden von Ihnen genannten und bei anderen Serienmördern auch nicht.

 
 

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