Ein Mann soll hingerichtet werden. In Ohio, USA. Sein Name ist Kenneth Biros und dieser Tage kann man viel über ihn und über das staatlich verordnete Töten im Bundesstaat Ohio lesen (Hinweis: mittlerweile wurde Biros hingerichtet).
Es geht um eine neue Technik beim Vollzug der Todesstrafe. Statt bisher drei verschiedenen Präparaten soll nun eine Injektion des Anästhesie-Mittels Thiopental, bislang für das Einschläfern von Hunden verwendet, ausreichen, um den Delinquenten ins Jenseits zu befördern.
Es gibt natürlich auch Kritiker. Kritisiert wird, dass hier ein „Menschenversuch“ an einem Gefangenen vollzogen werde.
Und wir wissen: Menschenversuche sind „unmenschlich“.
Vielleicht ist es unmenschlich, jemanden mit Thiopental zu töten.
Aber die Frage ist doch: ist diese Unmenschlichkeit das Wesentliche in der Debatte ?
Kann es eine „menschliche“ Hinrichtung geben ?!
Stellen wir uns einmal vor, es wäre möglich, eine schmerz- und leidfreie, „angenehme“, Tötung zu vollziehen.
Wird der Schrecken der Todesstrafe, werden ihre Grausamkeit und Absolutheit, ihre Unmenschlichkeit dadurch geringer ?
Dies ist eine rethorische Frage. Die Antwort lautet: nein!
Das Gebot der Menschlichkeit gebietet Empathie (Mitgefühl) und Gnade.
Eine bestrafende Gesellschaft muss sich durch ihr Handeln vom Handeln des Bestraften unterscheiden, sonst stellt sie sich moralisch mit ihm auf eine Stufe
Eine zivilisierte Rechtsordnung zeichnet sich nicht durch barbarische Härte, sondern durch Sinnhaftigkeit und Verhältnismäßigkeit aus.
Eine „zivilisierte“ Tötung ist insofern ein Widerspruch in sich.
Die aktuelle Debatte ist insofern eine Scheindebatte, als sie sich auf eine Nebensächlichkeit konzentriert.
Man mag dem entgegenhalten, dass sie nichtsdestotrotz notwendig ist.
Dies mag sein.
Aber: die Notwendigkeit diese Debatte überhaupt führen zu müssen zeugt letztendlich von der Tatsache, dass die Debatte um das Wesentliche frustrierend unfruchtbar zu sein scheint.
Nach wie vor ist die Todesstrafe ein für Politiker und Stimmungsmacher beliebtes und positiv [sic!] besetztes Thema.
An ihren Grundfesten zu rütteln ist schwer.
Je „humaner“ die Todesstrafe bzw. ihr Vollzug wird, desto schwerer wird dieser Kampf.
Um Missverständnissen vorzubeugen: ich spreche mich nicht dafür aus, die Todesstrafe noch unmenschlicher zu machen als sie ohnehin – eo ipso- schon ist!
Dies ist ein Apell, sich auf den Kern der Sache zu besinnen und so oft wie möglich und nötig das eigentliche Unrecht zu benennen, um das es geht:
Die Todesstrafe ist ein Akt der Unmenschlichkeit!
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