Hinrichtungen 2013: min. 778 plus 'Tausende' in China

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Stephan Volck aus Konstanz

Donnerstag, 10-10-13 09:09

@Pankall Sturings
Frau Uhl hat ja schon sehr zutreffend die zweite Seite der Medaille beleuchtet, es gibt hinsichtlich des von Ihnen geschilderten Szenarios aber auch noch ein weiteres Gegenargument.
Sicherlich könnten sich die meisten Menschen in der von Ihnen beschriebenen Situation diesen Rachegelüsten nicht verschliessen, da nehme ich mich auch nicht aus. Allerdings denke ich, dass uns die Natur so gestrickt hat und dies in so einer extremen Situation ein Automatismus ist, den man niemanden vorwerfen kann (ich bewundere die Leute, die tatsächlich vergeben können und dafür kämpfen, dass der Mörder ihrer Lieben nicht hingerichtet wird).
Das ist aber nur die persönliche Situation des Einzelnen. Es kann doch aber nicht angehen, dass im 21. Jahrhundert der Staat eine seiner fundamentalsten Säulen, nämlich das Rechtssystem, auf dem Racheprinzip aufbaut. Ich weigere mich eine Institution als zivilisiert und human zu bezeichnen respektive anzuerkennen, die sich dieses Prinzip zu eigen gemacht hat - das ist eine zivilisatorische Entwicklungsstufe, die die meisten Gesellschaften schon viele Jahrzehnte hinter sich gelassen haben - aber es gibt natürlich immer ewig gestrige.
Ganz abgesehen davon geben die nachvollziehbaren Rachegelüste des Einzelnen, als auch der ganzen Gesellschaft, noch lange nicht das Recht, sich auf dieselbe Stufe herabzulassen und ebenfalls einen Mord (einem Menschen wird gegen seinen Willen gewaltsam das Leben genommen) zu begehen. Inwiefern unterscheidet man sich denn dann vom Täter?
Ganz abgesehen davon, dass dieser auch Angehörige hat, die dann dieselben Gefühle entwickeln – und wieso dürfen diese sich dann nicht auch rächen?? Weil Auge um Auge ein nie endender Kreislauf ist, an dessen Ende letztlich nur Blinde übrig bleiben.
Und wo bleibt in diesem System die Vorbildfunktion des Staates?
Die perversen Blüten, die dies in den USA treibt sind ja nur allzu bekannt. Wochen vor der Exekution wird der Delinquent überwacht, damit er sich ja nicht selber das Leben nimmt!
Und warum?
Nur damit die Rache ausgelebt, regelrecht zelebriert werden kann!
Es wäre doch letztlich egal, das Urteil lautet TOD und nicht RACHE, d.h. wenn der Täter es selber in die Hand nehmen will, dann bitte schön- das Ziel wäre doch damit genauso erreicht - aber das darf ja keinesfalls passieren und das zeigt die wahrhaftige, hässliche Fratze, das tatsächliche Wesen dieser Strafe: Hier geht es nicht um Schutz der Gesellschaft, um Gerechtigkeit o.ä., sondern schlicht und ergreifend um die Befriedigung eines einfachen, niederen Triebs – was bei vielen Tätern übrigens auch der Antrieb war….

 

Jessica R.

Donnerstag, 10-10-13 07:00

So, nachdem ich mich ein bißchen wegen des Tonfalls in dem Posting abgeregt habe, noch einige kurze Anmerkungen:

Wenn man - aus welchen Gründen auch immer - zu dem Schluß gelangt ist, daß die Todesstrafe falsch ist, muß die Konsequenz aus der Einsicht, daß man selbst auch nicht frei vom Ruf nach Rache wäre, keinesfalls sein, daß man ebenfalls nach der Todesstrafe schreit. (Man darf trotzdem dagegen bleiben, auch wenn das Posting von Pankall Sturings es nur solchen erlaubt, die frei von Rachsucht wären.)
Die Konsequenz muß sein, daß man diejenigen, die anders darüber denken, nicht pauschal verurteilt, eben weil man ihre Reaktion zwar für falsch hält, aber verstehen kann.

Umgekehrt erwarte ich diese Toleranz allerdings auch für solche, die vergeben haben.
Ich erinnere mich daran, wie die Eltern des ermordeten Mirko im Fernsehen gesagt haben, sie hätten aufgrund ihres Glaubens dem Mörder vergeben.
Was danach im Internet zum Teil an Kommentaren zu lesen war, war wirklich nicht mehr feierlich. Als ob das Leute wären, die irgendwie pervers wären und geliebt hätten sie das Kind schon gar nicht.
Wer gibt diesen Kommentatoren das Recht, so zu urteilen? Wer von denen weiß denn wirklich, wie sehr die beiden darum gerungen haben? Leicht wird es ihnen nicht gefallen sein!

Und auf den Homepages der Todesstrafenbefürworter ergibt sich zum Teil ein ähnliches Bild: Es wird immer danach geschrien, man müßte Respekt vor dem Opfer und seinen Familien haben.
Erklären jedoch Opferangehörige ihre Vergebung, dann ist da Schluß mit dem Respekt, dann wird darüber hergezogen. Eigentlich meinen die damit nur, man hat gefälligst für die Todesstrafe zu sein.

Was mich an Pankall Sturings´ Posting auch gestört hat, war dieses automatische Voraussetzen, daß wir hier uns mit der Frage "was wäre wenn" alle nicht auseinandergesetzt hätten.
Das mag für manche, vielleicht sogar viele Leute zutreffen (jetzt allgemein gesprochen), das will ich gar nicht bestreiten. Es trifft jedoch nicht für alle zu, und ich finde es unangemessen, sich ein solches Urteil zu erlauben, ohne die Leute zu kennen und mit ihnen gesprochen zu haben. Schließlich scheint es Pankall Sturings ja auch zu stören, wenn die Todesstrafenbefürworter pauschal als blutrünstige Psychopathen angesehen werden.
Was übrigens ebenfalls keineswegs alle Todesstrafengegner tun.

 

Gabi Uhl

Dienstag, 08-10-13 15:14

Und wieder einmal die Betroffenheitsfrage - wenn nun aber Ihr Kind für einen Mord verantwortlich wäre, Herr Pankall Sturings, wären Sie dann immer noch für die Todesstrafe und dafür, dass Ihr eigenes Kind hingerichtet wird? Wenn ja, haben Sie etwa den natürlichen Instinkt, das eigene Kind in jedem Fall zu schützen, bereits verloren? Wenn Sie jetzt den Eindruck haben, ich hätte den Spieß herumgedreht - genau so ist es. Die Sache hat eben zwei Seiten.

Und es gibt sie übrigens wirklich, die Opferangehörigen, die ebenfalls gegen die Todesstrafe sind - zu finden z.B. in der Journey of Hope (www.journeyofhope.org). Es gibt diejenigen, die als Opferangehörige dafür kämpfen, dass die Täter nicht hingerichtet werden. Die Initiative gegen die Todesstrafe e.V. hat bereits mehrfach mit der Journey of Hope zusammengearbeitet.

 

Jessica R.

Dienstag, 08-10-13 12:13

@Pankall Sturings:

Gut, daß Du das beurteilen kannst, wer wie denken würde, wenn. Vermutlich kennst Du uns persönlich.

Ich für meinen Teil bin mir durchaus bewußt, daß auch ich Rachegelüste hätte, aber als Christin wäre mir auch weiterhin klar, daß ich so nicht denken sollte.
Es ist also meine Aufgabe, darüber hinwegzukommen, und nicht, dem Verlangen nach Rache nachzugeben.

Stimmt, dem Mörder meines Angehörigen selbst würde ich vermutlich auch keine Briefe schreiben.
Und da ich das also auch nicht von den Opferangehörigen meiner Brieffreunde verlangen kann, ist es eben gut, daß es Leute gibt, die diesen Menschen gegenüber emotional nicht persönlich betroffen sind und diese Aufgabe wahrnehmen können.

Daß alle Todesstrafenbefürworter mordlüstene Irre sind, habe zumindest ich übrigens nie behauptet.

 

Pankall Sturings

Sonntag, 06-10-13 17:37

Es soll sich jeder klar machen, dass viele Leute Contra TS das alles durch einen Schleier sehen! Eine unglaubliche Distanz! Was wäre, wenn es nah wäre? Was wenn ein Mörder DEIN Kind f*+#+ und es bestialisch tötet?

Würdest du diesem Menschen vergeben? GEGEN seine Hinrichtung kämpfen? Gehe in dich!

Beantwortest du diese Frage wirklich mit "JA!" dann kannst du gegen die TS sein.

Beantwortest du diese Frage mit "NEIN!", dann reagierst du wie der allergrößte Teil der Menschen! Und wir reden hier nicht von mordlüsternen dummern Menschen sondern von der allergrößten Masse, die sich NICHT gegen ihre Instinkte wehren, die wir durch unsere überzivilisierte Gesellschaft verloren haben! Dieses unendliche Gutmenschentum kotzt mich nur an. Das ist so geheuchelt! Wenn euch das alles betreffen würde, würdet ihr auch "grillt ihn" schreien und nicht Briefchen schreiben. Für mich ist das verblendet.

 
 

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