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12.12.2012 | Florida: Ehemaliger Polizist hingerichtet


Gestern abend wurde Manuel Pardo per Giftinjektion exekutiert. Der frühere Polizist hatte 1986 über einen Zeitraum von 92 Tagen neun Menschen getötet.

Die Anwälte des 56-Jährigen hatten mit Verweis auf dessen psychischen Gesundheitszustand die Hinrichtung verhindern wollen, doch die Bundesgerichte lehnten einen Aufschub ab.

Anwesende Reporter konnten Pardos letzte Worte nicht hören, weil offenbar die Lautsprecheranlage in der Hinrichtungskammer defekt war. Gefängnisbeamten zufolge soll er noch gesagt haben: "Nur noch fliegen. Ich liebe dich, Michi Baby", womit er seine Tochter gemeint habe.

Die Medienvertreter sahen nur das weiße Laken, das bis ans Kinn hochgezogen war und die intravenösen Schläuche, die zu seinem linken Arm führten. Er blinzelte mehrmals, bewegte die Augen und holte ein paarmal tief Luft. In den Minuten danach wich alle Farbe aus seinem Gesicht. 16 Minuten nach Beginn der tödlichen Injektion wurde der Häftling um 19:47 Uhr für tot erklärt.

Wenige Stunden vor seiner Hinrichtung schrieb Pardo eine letzte Erklärung, von der Kopien an die Medien ausgehändigt wurden. Darin behauptete er, niemals eine Frau getötet zu haben, doch er übernehme die volle Verantwortung für den Tod von sechs Männern. "Weder diesen drei Frauen noch sonst einer Frau habe ich je Schaden zugefügt. Ich habe die Schuld auf mich genommen, da ich wusste, dass ich ohnehin todgeweiht war, daher machte es seinerzeit auch keinen Unterschied mehr, ob ich nun sechs oder neun Todesurteile erhielt. Ich möchte diese Sache vom Tisch haben, besonders jetzt, da ich nur noch wenige Minuten zu leben habe, denn mein Kampf richtete sich gegen Männer, die mit Drogen handelten, und niemanden sonst!"

In seinem Schreiben richtete Pardo sich u.a. an seine Familie, die nicht verdient habe, dass er sie da mit hineinzog. Er widmete eine Passage auch drei seiner Lieblingssportarten - Baseball, Fußball und Stierkampf. An die spanische Regierung appellierte er, den Stierkampf nicht abzuschaffen, es sei Teil "unserer Kultur und unseres Erbes". Sollte es dennoch dazu kommen, sei er jedenfalls froh, das dann nicht mehr erleben zu müssen.

Im Prozess 1988 hatte Pardo sich an die Geschworenen gewandt: "Ich bin Soldat, ich habe meine Mission erfüllt und bitte Sie demütig darum, in Ehren dafür zu sterben und nicht den Rest meines Lebens im Staatsgefängnis verbringen zu müssen."

Von den Opferangehörigen waren keine zehn Personen bei der Hinrichtung anwesend. Der Neffe eines Opfers sagte im Anschluss, er danke dem Bundesstaat Florida. Der Schmerz habe bis zu diesem Tag angehalten. Dennoch habe er nicht das Gefühl, der Gerechtigkeit sei ausreichend Genüge getan worden; Pardo sei eine "geistig verwirrte Seele".

Pardo war nach seinem Ausscheiden aus der Navy in den 1970-er Jahren zur Florida Highway Patrol gegangen und schloss seine Ausbildung als einer der Besten seines Jahrgangs ab. Er wurde entlassen, als 1979 herauskam, dass er Strafzettel gefälscht hatte.

Kurz danach kam er bei der Polizei in der kleinen Stadt Sweetwater unter. Im Jahr 1981 gehörte er zu vier Polizeibeamten, denen Brutalität vorgeworfen wurde; die Klage wurde jedoch abgewiesen.

Vier Jahre später wurde er gefeuert, nachdem er auf die Bahamas geflogen war, um im Prozess von einem Kollegen aus Sweetwater auszusagen, der des Drogenschmuggels angeklagt war. Pardo log und bezichtigte das Gericht, internationale Undercoveragenten zu sein.

Anfang 1986 führte er schließlich drei Monate lang eine Reihe von Überfällen durch und tötete sechs Männer und drei Frauen. Von seinen Opfern machte er Fotos und hielt einige Einzelheiten seiner Taten in seinem Tagebuch fest, das man zusammen mit Zeitungsausschnitten über die Morde fand. Man war ihm auf die Spur gekommen, weil er von den Opfern entwendete Kreditkarten verwendet hatte.

Es war die 43. und letzte für 2012 festgesetzte Hinrichtung in den USA.

Quelle: Associated Press