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23.12.2012 | Florida: Zum Tode Verurteilter freigesprochen

Nach 18 Jahren in Haft konnte Seth Penalver sein Glück kaum fassen, weinend kniete er vor seinem Stuhl: Geschworene in Broward County im Bundesstaat Florida sprachen ihn am Freitag von allen Anklagepunkten frei.

Penalver war 1999 zum Tode verurteilt worden, sich am 27. Juli 1994 des bewaffneten Raubüberfalls sowie der Tötung von Casimir "Butch Casey" Sucharski, Sharon Anderson und Marie Rogers schuldig gemacht zu haben.

Auf einem Überwachungsvideo mit wenig scharfen Konturen, das an dem Morgen bei Sucharski aufgezeichnet wurde, waren zwei Männer zu sehen, die den Überfall ausführten. Einer der beiden, Pablo Ibar, soll demnach seine Maskierung abgelegt haben, was in seinem Fall die Schuldfrage leichter klärte. In einem anderen Verfahren wurde er 2000 separat zum Tode verurteilt.

Ob es sich bei dem zweiten Verdächtigen um Penalver handelte, konnte nicht einwandfrei festgestellt werden, dessen Gesicht war durch Sonnenbrille und Hut nicht erkennbar. Der Angeklagte selber hatte von Anfang bestritten, der Täter zu sein.

Zweimal hatte man ihm deswegen den Prozess gemacht, beim ersten Mal entstand unter den Geschworenen eine Pattsituation, beim zweiten Mal erhielt Penalver 1999 die Todesstrafe.

Im Jahr 2006 hatte der Oberste Gerichtshof von Florida den Schuldspruch aufgehoben und ein neues Verfahren angeordnet, das vor fünf Monaten begann und nun mit Freispruch endete. Die Jury hielt die Beweislage für nicht ausreichend, um damit Penalvers Schuld sicher belegen zu können.

Während der letzten Phase, in der die Jury sich zurückzieht, war die Geschworenen isoliert worden und konnten nur unter strenger Kontrolle mit Angehörigen telefonieren.

Die Entscheidungsfindung begann am 12. Dezember und wurde am Montag unterbrochen, als zwei Geschworene partout auf der Schuld beharrten und eine Einigung aussichtslos wurde. Anklage wie Verteidigung waren einverstanden, diese beiden Personen durch zwei der Ersatzgeschworenen zu ersetzen, damit begann am Dienstag der gesamte Entscheidungsprozess von vorne.

In Todesstrafenfällen müssen sich auch Ersatzgeschworene dem Gericht solange zur Verfügung halten, bis entweder der Angeklagte freigesprochen wurde oder die Strafzumessungsphase abgeschlossen ist. An eine vergleichbare Situation konnten sich jedoch weder der Richter noch die Anwälte erinnern.

Penalver hat fast die Hälfte seines Lebens im Gefängnis verbracht und auch sein erst 37-jähriger Verteidiger Hilliard Moldof setzte sich 18 Jahre lang mit diesem Fall auseinander. Dieser Ausgang stelle für ihn einen Meilenstein seiner Karriere dar, sagte er hinterher.

Angehörige der Opfer und Staatsanwalt Chuck Morton halten Seth Penalver weiterhin für schuldig, müssen sich jedoch der Entscheidung der Geschworenen beugen.

Seit 1976 wurden in den USA mit Penalver insgesamt 142 Personen, gegen die die Todesstrafe verhängt worden war, nachträglich freigesprochen. Erst Ende September hatte Louisiana das Todesurteil von Damon Thibodeaux zurückgenommen.

Seit 1979 wieder mit der Vollstreckung von Urteilen begonnen wurde, wurden in Florida 74 Personen exekutiert.

Während insgesamt die Todesstrafe in den USA weniger häufig verhängt wird als noch in den 1990-er Jahren, steigt laut Mark Elliott von der die Todesstrafe ablehnenden Organisation Floridians for Alternatives to the Death Penalty ihre Anwendung in Florida sogar an. Von den 78 dieses Jahr in den USA ergangenen neuen Todesurteilen entfallen allein 21 auf diesen Bundesstaat, mehr als andernorts in den Vereinigten Staaten.

Kein anderer Bundesstaat der USA hat gleichzeitig häufiger ein rechtskräftiges Todesurteil revidieren müssen; Florida führt die Statistik mit 24 nachträglichen Freisprüchen an - vor Illinois mit 20 und Texas mit 12. Derzeit befinden sich 415 Häftlinge im Todestrakt von Florida.

Quellen: Floridians for Alternatives to the Death Penalty, Sun Sentinel, Death Penalty Information Center