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11.07.2012 | Großbritannien: Exportbeschränkung für Propofol

Großbritannien beschänkt den Export des Anästhetikums Propofol, dessen Einsatz bei Hinrichtungen in den Vereinigten Staaten bevorsteht.

Der britische Minister für Unternehmen, Innovation und Qualifikationen, Vince Cable, gab heute Exportkontrollen bekannt. Zurückzuführen ist dies auf die Ankündigung der Gefängnisbehörde des Staates Missouri im Mai, dass der Staat auf Hinrichtungen mit Propofol als einziges Hinrichtungsmedikament umstellen werde, dem Anästhetikum, das für den Tod des Sängers Michael Jackson verantwortlich gemacht wird.

Bis vor kurzem verwendeten US-Staaten zu Hinrichtungszwecken Thiopental gemeinsam mit zwei weiteren Medikamenten.

Doch nachdem Firma Hospira, der einzige amerikanische Hersteller des Medikamentes, das Mittel nicht mehr in den USA produzieren konnte, kam es zu einem Engpass bei Hinrichtungen. Hopira wollte zunächst in Italien produzieren, dies konnte aber durch die italienische Regierung verhindert werden. Zukäufe des Medikamentes über andere europäische Kanäle wurden aufgrund von Initiativen einiger Menschenrechtsorganisationen, allen voran der Organisation Reprieve, gestoppt.

England verhängte 2010 ein Exportverbot von Thiopental zu Hinrichtungszwecken, andere europäische Länder baten danach Hersteller in ihren Staaten, sich einer freiwilligen Exportkontrolle zu unterwerfen, später folgte dem ein EU-weites Verbot. 2011 weitete England dies Verbot auf zwei weitere Medikamente aus.

Einige Staaten schwenkten 2011 um auf Hinrichtungen mittels Pentobarbital. Der einzige auf dem amerikanischen Markt für dieses Medikament zugelassene Hersteller, Firma Lundbeck mit Hauptsitz in Dänemark, änderte seine Verkaufsverträge dahingehend, dass hierdurch der Verkauf und Weiterverkauf an Gefängnisbehörden verhindert wurde. Hierdurch kommt es mittlerweile in den USA zu Engpässen bei Lieferungen des Medikamentes, auch bei den (wenigen, da selten eingesetzt) medizinischen Anwendungen.

Im Mai gab Missouri als erster US-Staat bekannt, auf das weit verbreitete Propofol als Hinrichtungsmedikament umstellen zu wollen. Es wird vermutet, dass andere Staaten dem Beispiel Missouris folgen werden.

Laut dem britischen Minister für Unternehmen, Innovation und Qualifikationen sehen englische Hersteller von Propofol die Exportbeschränkung für Propofol würde sich nicht auf die Versorgung des medizinischen Handels auswirken.

Es ist zu erwarten, dass nach der Bekanntgabe der Exportbeschränkung von Propofol durch Vince Cable andere europäische Länder dem Beispiel Englands folgen werden.

(Quellen: The Guardian, The Huffington Post, S. Cardona)