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17.06.2013 | Indiana: Paula Cooper soll entlassen werden

Paula Cooper, die seinerzeit mit 16 Jahren jüngste zum Tode verurteilte Gefangene in den USA, soll nach 24 Jahren Haft heute in die Freiheit entlassen werden.

Die inzwischen 43-jährige Paula Cooper erhielt 1986 die Todesstrafe für die Ermordung der 78 Jahre alten Ruth Pelke, die sie und drei andere Mädchen im Mai 1985 für eine Bibelstunde arglos ins Haus gebeten hatte. Die Mädchen erstachen sie auf äußerst brutale Weise mit einem mitgebrachten Fleischermesser und stahlen ihr etwa zehn Dollar und das Auto.

Coopers Mitangeklagte Denise Thomas, Karen Corder und April Beverly haben ihre Haftstrafen mittlerweile verbüßt. Beverly hatte sich als Kronzeugin zur Verfügung gestellt, daher lautete ihre Anklage nur auf Raubüberfall, wofür sie 25 Jahre erhielt - sie wurde 1999 entlassen. Thomas und Corder wurden wegen Mordes zu 35 bzw. 60 Jahren Haft verurteilt. Thomas kam 2003 auf freien Fuß, Corder im Jahr 2008.

Der Fall hatte international Schlagzeilen gemacht. Weltweit wurden Kampagnen durchgeführt, wie z.B. von Amnesty International, um Paula die Todesstrafe zu ersparen. Besonders in Italien fanden sich zahlreiche Unterstützer. Zu denjenigen, die dem Mädchen eine zweite Chance zubilligen wollten, gehörten u.a. Papst Johannes Paul II und Bill Pelke, ein Enkel der Getöteten.

Die Staatsanwaltschaft und das Oberste Gericht Indianas wurden mit Briefen und Unterschriftenlisten überschwemmt. Allein dem Obersten Gerichtshof lagen zwei Millionen Unterschriften vor, die Uno erhielt eine Million.

Der für den Fall damals zuständige Staatsanwalt Jack Crawford ist heute ebenfalls Gegner der Todesstrafe, doch in den 1980ern hätte er sie regulär sogar gegen Zehnjährige verhängen dürfen. Erst 1988 entschied der Oberste Gerichtshof der USA, es sei verfassungswidrig, Personen hinzurichten, die zum Tatzeitpunkt noch keine 16 waren. Im Jahr 2005 schließlich wurde dieses Alter auf mindestens 18 Jahre heraufgesetzt.

Der Oberste Gerichtshof von Indiana wandelte 1989 das Urteil in 60 Jahre Haft um, die teilweise zur Bewährung ausgesetzt werden können.

Cooper hatte sich im Prozess schuldig bekannt, weshalb ihr Verteidigungsanwalt hoffte, dass sie nicht die Höchststrafe erhält. Der Richter James Kimbrough hatte bei der Urteilsverkündung lange darüber gesprochen, warum er ein Gegner der Todesstrafe sei. So kam das Todesurteil am Schluss seiner Ausführungen umso unerwarteter.

In einem Interview 2004 zeigte sich Paula Cooper voller Reue. "Jeder ist verantwortlich dafür, wenn er Recht oder Unrecht tut; wenn man etwas Unrechtes tut, sollte man bestraft werden." Sie sagte weiter: "Die Rehabilitierung kommt von innen heraus. Wenn man nicht bereit dafür ist, findet sie auch nicht statt."

Hinter Gittern machte Cooper ihren Schulabschluss, eignete sich Berufskenntnisse an und erwarb einen akademischen Abschluss. Außerdem half sie, Begleithunde für Behinderte auszubilden und war seit 2011 Betreuerin.

Doch sie hatte durchaus ihre Probleme mit dem Gefängnisleben. 1995 erhielt sie drei Jahre Isolationshaft, da sie jemanden vom Wachpersonal angegriffen hatte. Seit 2005 wurden 23 Regelverstöße festgehalten.

Beim Verlassen des Gefängnisses von Rockville ist Paula Cooper ausgestattet mit mindestens 75 Dollar, neuen Kleidern und einem Bachelor-Abschluss, so der Sprecher der Strafbehörde.

Quelle: USA Today