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18.10.2013 | Iran: Jahresbericht: 537 Hinrichtungen seit Oktober 2012

Die Human Rights Activists News Agency (HRANA) stellte ihren Jahresbericht über die Anwendung der Todesstrafe in Iran vor.

Demzufolge wurden zwischen dem 11. Oktober 2012 und dem 10. Oktober diesen Jahres 537 Häftlinge exekutiert, was einen Anstieg um neun Prozent darstellt. Unter den Straftatbeständen waren Drogenkriminalität (62%), Mord (13%) und Vergewaltigung (11%) am häufigsten vertreten.

Die Angaben stammten hauptsächlich von Auskünften, die die Justizbehörden staatlichen Medien gaben. Weitere Informationen trugen HRANA-Reporter sowie andere 'unabhängige und zuverlässige Quellen' zusammen.

Der Bericht geht unter anderem auf besonders umstrittene oder aufsehenerregende Fälle ein, wie etwa das öffentliche Hängen eines als „Elyas“ identifizierten 23-Jährigen, der um sieben Uhr am Morgen des 16. Januar im Fußballstadion von Sabzevar wegen Vergewaltigung öffentlich gehängt wurde. Es gab keine Altersbegrenzung für die Zuschauer im Stadion. In einem Schreiben an den Leiter des iranischen Fußballverbands protestierte die FIFA hinterher dagegen.

Die meisten Exekutionen an einem einzigen Tag wurden am 22. August gezählt, als 27 Gefangene in Täbris, Hendijan, Ardabil, Urmia, Arak und Maschhad am Galgen starben.

Zwölf Prozent aller Urteilsvollstreckungen fanden öffentlich statt, das bedeutete einen Anstieg um auffällige 14 Prozent. Die höchste Anzahl öffentlicher Hinrichtungen gab es in der Provinz Fars, wo in acht öffentlichen Exekutionen insgesamt 23 Häftlinge gehängt wurden.

Bei den Gefängnishinrichtungen steht das Rajai-Shahr-Gefängnis in Karadsch mit 47 Gehenkten an der Spitze, im Zentralgefängnis von Urmia waren es 40 Personen, in Ghezel Hesar 37.

Die Todesstrafe wurde auch weiter gegen minderjährige Straftäter verhängt. Im Ahwaz Karoun Gefängnis wurde ein Jugendlicher hingerichtet, der als 14 Jahre alter Junge angeklagt worden war, einen Mord begangen zu haben.

Die Abteilung 74 des Strafgerichts von Teheran verurteilte einen zur Tatzeit 17-Jährigen zum Tode.

Des weiteren bestätigte das Oberste Gericht die Todesstrafe für einen seinerzeit 16 Jahre alten Jungen namens Bahaoddin Ghasem Zadeh, der für einen Mord verurteilt war.

Bislang am deutlichsten brachte die dänische Regierung ihren Protest gegen die Todesstrafe im Iran zum Ausdruck. Nachdem mutmaßliche Drogenstraftäter in Massenhinrichtungen starben, kürzte sie ihren finanziellen Beitrag an das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung UNODC. Das Büro ist der Hauptgeldgeber des Iran in Sachen Mittel für die Bekämpfung der Drogenkriminalität - dem Delikt, das dort am häufigsten mit dem Tod geahndet wird.

Lobende Erwähnung fand das Programm “Mahe-E-Asal” vom Sender IRIB 3, in dem Hinterbliebene von Mordopfern ermutigt werden, Straftätern zu vergeben. Das Programm hatte eine Familie eingeladen, die am 30. Juli 2013 dem Mörder ihres Kindes verzieh. Angehörige können nach den Schariagesetzen durch Vergebung das Leben eines Verurteilten verschonen.

In der Kritik stehen nach wie vor die Gerichtsverfahren, die Menschenrechtsorganisationen immer wieder als unfair und mit internationalen Standards als unvereinbar bezeichnen. In etwa 60 Prozent der Fälle wird die Identität der Hingerichteten geheim gehalten.

Rund 40 Prozent der Hinrichtungen (213) fanden im Verborgenen statt und die Behörden erteilten weder über den Fall noch die Urteilsvollstreckung Auskunft.

Quelle: Human Rights Activists News Agency