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28.09.2012 | Louisiana: Todestraktinsasse nach 15 Jahren freigelassen

Heute konnte Damon Thibodeaux, 38, die Angola-Haftanstalt als freier Mann verlassen. Er hatte 15 Jahre im Todestrakt verbracht, nachdem er bei seiner Verhaftung nach vielstündigem Verhör ein falsches Geständnis abgelegt hatte.

Die ganze Nacht wurde Thibodeaux im Büro des Sheriffs von Jefferson Parish verhört, als man ihn am 20. Juli 1996 festnahm und der Vergewaltigung und Erdrosselung einer 14-Jährigen bezichtigte. Nach neun Stunden gab er erschöpft auf und gestand um 4:21 Uhr früh ein Verbrechen, das er nicht begangen hatte.

Seine Anwälte, darunter auch Barry Scheck vom New Yorker „Innocence Project“, erklärten, er habe das Geständnis sofort zurückgezogen, nachdem man ihm etwas zu essen gegeben und eine Ruhepause gegönnt habe, doch da sei es bereits zu spät gewesen. Lediglich dieses Geständnis gegenüber Walter Gorman, damals im Rang eines „Major“, und Dennis Thornton, seinerzeit „Sergeant“, reichte aus, ihn wegen Mordes zum Tode zu verurteilen. Gorman und Thornton sind laut Gerichtsunterlagen heute hochrangige Beamte im Büro des Sheriffs.

Die Freilassung von Thibodeaux wurde bis zuletzt geheim gehalten, sie sollte zeitlich zusammenfallen mit der Bekanntgabe von Gerichtsakten zum Fall. Am Freitag Nachmittag soll in New Orleans eine Pressekonferenz stattfinden, bei der die juristische Entlastung des fälschlich Verurteilten dargelegt werden soll.

Thibodeaux’ Anwälte und Staatsanwalt Paul Connick gaben eine gemeinsame Erklärung ab, wonach der Fall seit 2007 erneut untersucht wurde. Damals war das Team der Verteidigungsanwälte auf die Staatsanwaltschaft zugegangen und hatte Beweise vorgelegt, die die Unschuld des Mannes belegten. Daraufhin seien DNA-Tests durchgeführt und Zeugen befragt worden. Connick habe auch den landesweit bekannten Gerichtspsychiater Michael Welner konsultiert, der zu dem Schluss gelangte, dass das Geständnis falsch war.

Ohne dieses Geständnis könne die Verurteilung nicht aufrecht erhalten werden, daher müsse gerechtigkeitshalber das Urteil aufgehoben werden, ergänzte Connick. Die Ermordung des Mädchens sei damit nicht aufgeklärt und der Fall sei wieder offen.

Der Freund einer Frau, mit der die Mutter des getöteten Mädchens befreundet war, fand damals die Leiche. Er war bereits vorbestraft wegen einer sexuellen Straftat, doch die Rechtsvertreter des Angeklagten versäumten es, das Alibi dieses Mannes schärfer unter die Lupe zu nehmen.

Die Staatsanwaltschaft bot Thibodeaux 1997 an, ihn im Gegenzug für ein Schuldbekenntnis zu lebenslanger Haft zu verurteilen, doch darauf hatte der Anklagte nicht eingehen wollen, da er unschuldig sei.

Den Unterlagen zufolge gewährte Richter Greg Guidry, heute Richter am Obersten Gerichtshof dieses Bundesstaats, einen Aufschub der 2001 geplanten Urteilsvollstreckung, um der Verteidigung Gelegenheit zu geben, Beweise zu prüfen. Danach ruhte der Fall offenbach über mehrere Jahre.  

Quelle: The Times-Picayune