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16.06.2009 | Studie der University of Colorado: Todesstrafe schreckt Mörder nicht ab

Laut einer dieser Tage im Journal of Criminal Law and Criminology der Juristischen Fakultät der Northwestern University veröffentlichten Untersuchung sind 88% der führenden Kriminologen des Landes nicht der Auffassung, dass die Todesstrafe Menschen davon abhält, einen Mord zu begehen. Verfasst wurde die Studie von Professor Michael Radelet, Leiter der Soziologischen Fakultät der University of Colorado in Boulder (CU-Boulder), sowie Traci Lacock, einer Anwältin und Studentin im Aufbaustudium Soziologie an der CU-Boulder.

Unter dem Titel 'Verringern Hinrichtungen die Anzahl von Morden? Ansichten führender Kriminologen' bringt die Untersuchung die Begründung der abschreckenden Wirkung für eine Beibehaltung dieses Strafmaßes ins Wanken, sagte Radelet, einer der führenden Sachverständigen der USA zum Thema Todesstrafe

'Diese Angaben zeigen, dass die von sehr vielen als stärkstes Argument für die Todesstrafe ins Feld geführte abschreckende Wirkung sich bei näherer Betrachtung durch qualifizierte Sachverständige als haltlos erweist', sagte Radelet. 'Vielleicht bestehende Rechtfertigungen für die Todesstrafe verlieren an Bedeutung gegenüber deren Kehrseite wie hohe Kosten, Willkür, Hinrichtung Unschuldiger und Abziehen von Finanzmitteln für wirksamere Methoden der Verbrechensvorbeugung und Opferunterstützung.'

Die Untersuchung erfolgte durch Versenden von Fragebögen an die hervorragendstsen Kriminologen der Vereinigten Staaten, darunter Professoren der American Society of Criminology, Preisträgern des prestigeträchtigen Southerland Awards, den die American Society of Criminology verleiht sowie deren frühere Präsidenten. Dieser Verband ist die weltweit führende Organisation von Kriminologen.

Die 77 Befragten wurden nicht nach ihrer persönlichen Einstellung zu Sinn und Zweck der Todesstrafe gefragt, sie sollten die Fragen vielmehr auf der Grundlage ihrer Kenntnisse der diesbezüglichen statistischen Daten beantworten.

Radelet zufolge waren 87% der Sachverständigen außerdem überzeugt, die Todesstrafe abzuschaffen werde sich nicht signifikant auf die Zahl der Morde auswirken. 75% der Befragten stimmten darin überein, dass 'Auseinandersetzungen über die Todesstrafe den Kongress und Justizausschüsse davon abhalten, sich auf echte Maßnahmen zur Verbrechensbekämpfung zu konzentrieren'.

'Unsere Studie legt nahe, dass die große Mehrheit der weltweit führenden Kriminologen überzeugt sind, die Hypothese der Abschreckung werde durch statistische Forschungen widerlegt', so Radelet und Lacock. 'Kriminologen stimmen darin überein, dass die abschreckende Wirkung der Todesstrafe im Vergleich zu der einer hohen Haftstrafe nicht wirklich höher ist.'

Finanziert wurde die Untersuchung aus Sheilah's Fund der Tides Foundation in San Francisco, und in Auftrag gegeben wurde sie vom Death Penalty Information Center in Washington.
(Quelle: Univ. Colorado News)