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17.08.2012 | Virginia: Berufungsgericht hebt Todesurteil von Justin Wolfe auf

Am 16. August bestätigte der U.S. Court of Appeals for the Fourth Circuit die Entscheidung eines Gerichts untergeordneter Instanz, welches das seit 2002 bestehende Todesurteil für Justin Wolfe annulliert hatte.

Justin Wolfe war schuldig gesprochen worden, er habe Owen Barber angestiftet, Daniel Petrole zu erschießen, da dieser ihm Geld geschuldet haben soll. Petrole und Wolfe hatten miteinander Drogengeschäfte gemacht. Der Schuldspruch kam hauptsächlich durch die Falschaussage von Owen Barber zustande, der sich einverstanden erklärt hatte, vor Gericht Wolfe zu belasten, um selbst von der Todesstrafe verschont zu bleiben. Barber widerrief 2010 vor Gericht diese Aussage, Wolfe habe nichts mit Petroles Tod zu tun gehabt.

Der Fourth Circuit Court hob sämtliche Anklagepunkte gegen Justin Wolfe auf, da die Staatsanwaltschaft entscheidende Beweise zurückgehalten hatte, die aufzeigten, dass die Polizei Barber auf den Gedanken gebracht hatte, Wolfe als die treibende Kraft hinter der Ermordung Petroles darzustellen, um selbst der Todesstrafe entgehen zu können. Das Gericht tadelte die Anklage, der Verteidigung vorsätzlich wichtiges Beweismaterial vorenthalten zu haben.

Ein nachrangiges Bundesgericht war zu der Auffassung gelangt, dass Wolfe seine tatsächliche Unschuld bewiesen und somit die Voraussetzung erfüllt habe, seine verfassungsmäßigen Forderungen vom Obersten Gerichtshof überprüfen zu lassen. Es beschrieb die Beweislage gegen Wolfe als bestenfalls dürftig und die Überprüfung der Prozessunterlagen habe aufgedeckt, dass die Zeugenaussagen nur so von Hörensagen und Vermutungen strotzten.

Der Bundesstaat Virginia muss nun entscheiden, ob Justin Wolfe auf freien Fuß gesetzt wird, oder ihm erneut der Prozess gemacht werden soll. Virginia könnte auch beim Obersten Gerichtshof der USA noch beantragen, den Fall zu prüfen.

In eigener Sache: Terri Steinberg, die Mutter von Justin Wolfe, bemüht sich seit Jahren um Aufhebung des Todesurteils für ihren Sohn. Sie beteiligt sich an Demonstrationen und Vorträgen gegen die Todesstrafe und war in diesem Zusammenhang auch auf einer mehrwöchigen Vortragsreise durch Deutschland, die von der Initiative gegen die Todesstrafe e.V. organisiert wurde. Dabei konnte sie in Deutschland knapp 2000 Unterschriften für eine Petition zugunsten ihres Sohns sammeln.

Quellen: Death Penalty Information Center, Initiative gegen die Todesstrafe