Hinrichtungen 2018: min. 690 plus 'Tausende' in China

News

28.12.2012 | Virginia: Justin Wolfe soll aus Todestrakt freikommen

Owen Barber erschoss am 15. März 2001 Danny Petrole, das ist unbestritten. Doch weil Barber den Drogendealer Justin Wolfe beschuldigt hatte, diesen Mord in Auftrag gegeben zu haben, wurde Wolfe 2002 von Virginia zum Tode verurteilt, obwohl er stets jegliche Beteiligung an der Tat von sich gewiesen hat. Zehn Jahre später soll der inzwischen 31 Jahre alte Häftling nun auf Geheiss eines Bundesrichters auf freien Fuß gesetzt werden.

Justin Wolfe gab damals sofort zu, im kleinen Stil mit Marihuana gehandelt zu haben, doch niemals habe er Owen Barber aufgefordert, seinen Lieferanten Petrole zu erschießen. Der vermeintliche Auftraggeber Wolfe wurde dennoch dafür zum Tode verurteilt.

Barber erhielt durch Absprache mit den Anklägern in seinem eigenen Verfahren für seine auf Petrole abgegebenen tödlichen neun Schüsse 60 Jahre Haft abzüglich der 22 Jahre seines Alters. Von dem zwischen Todesschützen und Ermittlern abgewickelten Kuhhandel erfuhren die Rechtsvertreter Wolfes nichts, obwohl das Gespräch mit Barber aufgezeichnet worden war. Diese Heimlichtuerei war denn auch einer der Gründe, weshalb Bundesrichter Raymond Jackson ein Fehlverhalten der Staatsanwaltschaft feststellte, als er letztes Jahr Schuldspruch und Todesurteil für Wolfe aufhob und ein Ultimatum setzte.

Im Gefängnis gab Barber gegenüber seinem Zellengenossen Carl Huff zu, gelogen zu haben, um seine eigenen Haut zu retten; Huff informierte Wolfes Verteidiger darüber. Schließlich unterzeichnete Owen Barber 2007 eine eidesstattliche Erklärung, vor den Geschworenen eine falsche Aussage gemacht zu haben, Wolfe habe mit dem Mord nichts zu tun gehabt. Auch Carl Huff verfasste eine eidesstattliche Versicherung, die ausführlich darlegte, wie Barber sich ihm gegenüber zu dem Meineid bekannt hatte.

Im Jahr 2010 sagte Owen Barber vor Richter Jackson aus, er habe seinerzeit Wolfe nur belastet, damit er selber ein milderes Urteil bekomme. Vor einem Jahr ordnete Jackson schließlich angesichts aller Fehler und Versäumnisse an, der Staat Virginia müsse Justin Wolfe entweder binnen 120 Tagen endlich einen fairen Prozess gewähren oder die Anklage zurückziehen. Diese Entscheidung wurde im August 2012 vom zuständigen Berufungsgericht bestätigt.

Im September 2012 suchte Staatsanwalt Ebert mit einem Gehilfen und einem Polizeibeamten im Schlepptau Owen Barber im Gefängnis auf. Zwei Tage später erklärte sich Ebert für befangen und übergab den Fall dem mit ihm befreundeten Sonderankläger Raymond Morrogh, der prompt verkündete, Wolfe nun erneut unter Anklage stellen zu wollen.

Wolfes Rechtsvertreter vertraten die Auffassung, Morrogh könne aufgrund seiner privaten Kontakte mit Ebert kaum als unparteiischer Ankläger gelten. Damit standen sie keineswegs allein da, 59 ehemalige Richter, frühere Staatsanwälte, Anwälte und Juraprofessoren unterzeichneten ein Schreiben an Richterin Mary O’Brien, sie möge Morrogh den Fall entziehen.

Die Aufzeichnung des Gesprächs mit Barber im Gefängnis beweist, dass die Beamten dem Häftling klar gemacht hatten, er könne auch jetzt noch zum Tode verurteilt werden, wenn er bei der Aussage bleibe, dass Wolfe ihn nicht angestiftet hatte, Petrole zu töten.

In der Folge erklärte Barber auf Rat seines Anwalts, er wolle künftig von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch machen, keine Aussagen zu machen, die ihn selber belasten könnten. Das wiederum bedeutet, weder die Anklage noch die Verteidigung im Fall Justin Wolfe kann den Häftling Barber für ihre Darstellung der Geschehnisse als Zeugen nutzen.

Im November 2012 forderten Wolfes Anwälte Richter Jackson auf, er möge die Beachtung der 120-Tage-Frist durchsetzen. Dem hielt die Staatsanwaltschaft entgegen, diese Frist greife nicht, man werde Wolfe wegen neuer Anklagepunkte den Prozess machen, das habe nichts zu tun mit einer etwaigen Verletzung von dessen verfassungsmäßigen Rechten.

Bundesrichter Jackson schloss sich am 26. Dezember nicht dieser Auffassung an. Er habe letztes Jahr ein Wiederaufnahmeverfahren innerhalb von 120 Tagen angeordnet, damit jegliche Verletzung von Wolfes Rechten gerade gerückt werden könnte. Anstatt sich jedoch der angesprochenen Probleme anzunehmen, hätten die ursprünglichen Anklagevertreter mit ihrem Besuch bei Barber und dessen anschließender Aussageverweigerung endgültig Sand ins Getriebe des Falls Justin Wolfe gestreut. Der Häftling sei daher binnen 10 Tagen auf freien Fuß zu setzen und dürfe nicht mehr in dieser Sache belangt werden.

Wolfes Anwältin Kimberly Irving begrüßte die Entscheidung Jacksons ausdrücklich, doch wie sie vermutete, legte die Staatsanwaltschaft zügig Berufung ein. Ein regulärer Prozess werde jedoch ohne Barber als Zeugen nicht stattfinden können.

Wie zu erfahren war, soll am 2. Januar vor Richterin O’Brien eine - voraussichtlich - allerletzte Anhörung stattfinden.

Quellen: Times Dispatch, Washington Post, 9NewsNow, Journey of Hope, justinwolfe.org