Hinrichtungen 2013: min. 778 plus 'Tausende' in China

Japan

18 Tatbestände sind es, für die das japanische Strafrecht die Todesstrafe verhängen kann. So wird neben Mord auch Raub, Vergewaltigung und Brandstiftung mit Todesfolge aufgeführt. Terroristische Straftaten ziehen das Todesurteil ebenfalls nach sich.

Gegen Personen, die zur Tatzeit noch keine 18 Jahre alt waren, darf die Todesstrafe nicht verhängt werden. Bei schwangeren Frauen und psychisch Kranken ist die Vollstreckung des Todesurteils auszusetzen, bis die Frau das Kind geboren bzw. der psychisch Kranke genesen ist. Jedoch gibt es keinen angewandten Mechanismus, welcher eine etwaige Geisteskrankheit der Todesintraktinsassen überprüfen würde.

Im Jahr 2009 führte Japan für Verhandlungen schwerer Straftaten, darunter auch alle möglichen Todesstrafenfälle, ein Laienrichtersystem ein: Diese Fälle werden vor einem Richtergremium bestehend aus drei professionellen Richtern und sechs Schöffen verhandelt. Bei endgültiger Bestätigung eines Todesurteils durch den Obersten Gerichtshof besteht die Möglichkeit zur Wiederaufnahme des Verfahrens. Jedoch liegen die Hürden dafür dermaßen hoch, dass solche Fälle im einstelligen Bereich liegen. Begnadigungen sind ebenfalls äußerst selten.

Hinrichtungsbefehle werden im Kabinett geprüft. Zumeist erfolgt dies in Sitzungspausen; möglicherweise sollen damit Kritik und öffentliche Debatten vermieden werden. Anschließend bedarf es für die Vollstreckung noch der Genehmigung durch den Justizminister. Die Verurteilung bei einer Anklage liegt bei weit über 90%. Die japanische Bevölkerung befürwortet mehrheitlich die Todesstrafe. Kritiker meinen, dies sei auf mangelnde Auseinandersetzung mit dem Thema zurückzuführen. Der allgemeinen Bevölkerung seien die Haftbedingungen der Todestraktinsassen, ihre rechtlichen "Möglichkeiten", das Urteil erfolgreich anzufechten etc., nicht bewusst.

Hinrichtungen erfolgen in Japan durch den Strang. Der Verurteilte wird in einen Raum mit einer Falltür geführt, welche vom Nebenraum aus durch Knopfdruck ausgelöst wird. Drei Knöpfe werden betätigt, doch nur einer löst tatsächlich die Falltür aus. Die Beteiligung an einer Exekution ist Bestandteil des Arbeitsvertrags der Wärter. Es ist ihnen nicht gestattet, sich der Durchführung zu entziehen, wenn sie dafür eingeteilt wurden.

Es gibt sieben Hinrichtungskammern in Japan, sie befinden sich in den Vollzugsanstalten der Städte Tokio, Osaka, Hiroshima, Nagoya, Sapporo, Fukuoka und Sendai.

Die Haftbedingungen in den japanischen Todestrakten werden von Menschenrechtsorganisationen immer wieder heftig kritisiert. Den Verurteilten wird jeglicher Kontakt sowohl zur Außenwelt als auch zu Mithäftlingen verweigert. Sie dürfen in ihren videoüberwachten Zellen nicht frei umhergehen oder schlafen. Den ganzen Tag haben die Häftlinge in derselben Position kniend oder sitzend zu verharren. Besuch ist, wenn überhaupt, nur von engsten Familienangehörigen unter Beobachtung gestattet.

Gefangene erfahren meist erst am Morgen ihres Hinrichtungstags, dass der Zeitpunkt ihrer Exekution gekommen ist. Angehörige und Anwälte werden in aller Regel erst nach der Urteilsvollstreckung informiert.

Japan ist neben den U.S.A. der einzig hoch entwickelte Industriestaat, welcher noch an der Todesstrafe festhält. Amnesty International ist besorgt, dass unter der konservativen Regierung Japans Hinrichtungen wieder zunehmen könnten. Zudem fordert Amnesty den japanischen Justizminister auf, eine öffentliche Diskussion über die Todesstrafe zu gestatten. Am 26. Juni 2014 ist ein Dreifach-Mörder hingerichtet worden. Derzeit befinden sich 128 Menschen im japanischen Todestrakt.

(Stand: Juli 2014)

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