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Pressetexte

Haft- und Lebensbedingungen im Todestrakt

Leben im Todestrakt

In dem am 20. September 2004 in der Frankfurter Rundschau erschienenen Artikel 'Leben im Todestrakt' beschreibt Agnes-Lisa Wegner die Haftbedingungen im Todestrakt der Polunsky Unit, Texas.

Leben im Todestrakt

Ron R. Howard

Es ist kurz nach drei am Mittwoch Morgen. Ron wird geweckt. Es gibt Frühstück. Er muss sich möglichst weit entfernt von der Tür aufstellen; erst dann wird ihm ein Tablett in die Zelle geschoben. Im texanischen Todestrakt ist Nacht nicht Nacht und Tag nicht Tag. Die death row hat ihren eigenen Rhythmus. Ron hat sich daran gewöhnt.

Er ist seit elf Jahren hier. Im Herbst 1994 haben wir uns kennen gelernt. Amnesty International vermittelte damals Brieffreundschaften zu Menschen, die zum Tod verurteilt waren. Mit Ron leben derzeit 451 Männer im Todestrakt, der Polunsky Unit. Damit alle bis zum Morgen ihr Frühstück haben, müsse man so früh anfangen. Das ist die Begründung der Gefängnisleitung für die ungewöhnliche Uhrzeit. Die Häftlinge wissen, dass das nicht der Grund ist. Schlafentzug ist eine wirkungsvolle Foltermethode. Und die Häftlinge sollen nicht nach dem Tempo leben, nach dem ihre Angehörigen draußen leben. 'They're trying to break us', schreibt Ron, 'sie versuchen, unseren Lebenswillen zu brechen.'

Das Frühstück ist dürftig, wie alle Mahlzeiten. Ron wird davon nicht satt, jeden Tag Erdnussbuttersandwich und abgekühlter Kartoffelbrei und eine Handvoll Erbsen. Deswegen kauft er sich manchmal etwas dazu. Das Geld dafür hat er von seiner Mutter, die als Putzfrau in einem Polizeirevier arbeitet, und von seiner Oma. Immer mal wieder schicken auch Freunde Geld, aus New York, Deutschland und Italien. Zwei T-Shirts hat er, um sie unter den weißen Gefängnisoverall anzuziehen. Eines ist völlig durchlöchert, er will sich ein neues kaufen, aber im Moment werden keine T-Shirts verkauft. Schon seit Monaten nicht. Warum? 'They're trying to break us, that's why.'

Im April 1992 hat Ron einen Polizisten erschossen. Was die Todesstrafe ist, wusste er damals nicht. Groß geworden ist er in South Park, dem Ghetto im Süden Houstons. Seine Oma wohnt in der berüchtigten Reed Road, aus der auch der Rapper Scarface kommt, der dieser Straße ein Lied gewidmet hat. Hier hat Ron sich die meiste Zeit aufgehalten. Er hat mit Drogen gedealt und mit seinen Freunden Autos geklaut, wenn ihnen langweilig war. Manchmal haben sie morgens ein Auto geknackt und sind damit zur Schule gefahren. Ron hat nicht zu den ganz Wilden gehört, sagt seine Klassenkameradin Tracé, die vor zwei Jahren wieder Kontakt mit ihm aufgenommen hat. Ron hatte sie manchmal nach der Schule auf dem Heimweg begleitet, um sie zu schützen vor den Schießereien, die es oft nach der Schule gegeben hat. Von 20 Teenagern ihrer Klasse damals leben vielleicht fünf noch in Freiheit, erzählt Tracé. Alle anderen sind entweder tot, im Gefängnis oder auf death row. Sie kennt sechs Männer da, wo Ron ist.

Im April 1992 sitzt Ron in einem geklauten Auto, an dem eins der Rücklichter nicht funktioniert. Der Polizist fordert Ron auf, am Straßenrand anzuhalten. Aber Ron sitzt in einem geklauten Wagen, mit einer Waffe auf dem Beifahrersitz und Drogen in der Hosentasche. Ron schießt und wird wenige Stunden später festgenommen. Drei Tage darauf stirbt der Polizist.

Rons Anwälte - schlecht ausgebildete Pflichtverteidiger, - entscheiden sich für eine erfolglose Verteidigungslinie, Ron wird zum Tod verurteilt. Im Januar 1999 bekommt er wegen eines Formfehlers im ersten Verfahren ein zweites. Die Jury braucht nur 45 Minuten, um sich wieder gegen Rons Leben zu entscheiden.

Um 10 Uhr wird Ron abgeholt. In Handschellen bringen die Wärter ihn in den day room, einen vergitterten Käfig, der mit einer Reckstange und ein paar Hanteln ausgestattet ist. Hier verbringt er täglich eine Stunde. Die Gefängnisleitung ist dazu verpflichtet, weil die Zellen so klein sind. Die Männer von Polunsky leben in völliger Isolation. Ein bis zwei Stunden in der Woche kommen sie - getrennt voneinander - nach draußen an die frische Luft in eine Art Kiste mit massiven Wänden, so erklärt es Ron. Der Blick zum Himmel ist vergittert. Die Kiste wird durch einen Zaun geteilt. In der anderen Hälfte der Kiste ist ein anderer Häftling. Wenn Ron Glück hat, ist es jemand, den er in Ordnung findet. Auf beiden Seiten gibt es einen Basketballkorb. So spielen die beiden Männer Basketball – jeder auf seinen Korb.

Früher war das alles anders. Bis 1998 war die death row für Männer und Frauen in Huntsville. Dort gab es auch Doppelzellen. Da waren die Gefangenen jeden Tag mit anderen zusammen in einem day room mit Fernseher und Zeitschriften. In Huntsville gab es Gottesdienste. Und vor allem Arbeit. Ron hat Uhren gebaut.

1998 ist einem Häftling die Flucht gelungen. Huntsville war also nicht mehr sicher, und so zogen alle männlichen Gefangenen nach Livingston, eine Ortschaft 150 Kilometer nördlich von Houston. Ron schreibt über den Umzug: 'Ich habe mich noch nie in meinem Leben so gedemütigt gefühlt.' Den Weg vom Gefängnisgebäude zum Transportbus mussten sie zu Fuß zurücklegen. Dazu wurden Hände und Füße gefesselt, und die Hände noch mal mit Handschellen an die Füße. Gekrümmt, umgeben von Wärtern und Polizisten, gingen sie zum Bus, über ihren Köpfen kreiste ein Helikopter.

Nach Huntsville werden die Männer jetzt mit einem Transporter zur Hinrichtung gebracht. Etwa vierzig Minuten lang fahren sie durch kleine Ortschaften, über Land und die lange Brücke, die die Straße über den wunderschönen Lake Livingston führt.

Alle paar Wochen bekommt Ron Besuch von seiner Mutter, Großmutter, einer Freundin oder seinem jüngeren Bruder. Manchmal kommt auch Rons Tochter mit. Sie wird bald 13.

Der Besuchsraum hat hellgrauen PVC-Boden, zwei Automaten mit Getränken und Snacks und zwei Tische im vorderen Bereich. Die Häftlinge sitzen in winzigen Zellen, die rings um den Raum angeordnet sind. Schusssicheres Glas trennt sie von ihren Besuchern. Sie sprechen durch Telefonhörer mit ihnen. Das sind nicht nur Sicherheitsmaßnahmen, da sind sich alle Betroffenen einig. Das ist eine Strafe, die dem Tod vorausgeht.

Die Wärter sind die einzigen Menschen, die Ron berühren. Seit vielen Jahren hat ihm niemand mehr die Hand auf die Schulter gelegt, ihn in den Arm genommen oder seine Hand gehalten. Aber wenn man die Hand ganz flach gegen die Scheibe drückt und der Besucher oder die Besucherin das auch macht, dann entsteht Wärme. Wenigstens innen. Wenn man die Hand auf eine bestimmte Weise formt und sie gegen das Glas hält, entsteht ein Herz. Wenn man eine Wimper zwischen die Seiten des Briefes legt, entsteht physische Präsenz, die hinter den Worten und Zeilen hervortritt und für einen Moment die vielen Schranken und Grenzen überkommt.

Auf Rons Besucherliste stehen zehn Namen. Mehr darf er nicht draufsetzen. Die Liste darf nur alle sechs Monate verändert werden. Nur kurz vor der Hinrichtung dürfen mehr als zehn Personen den Verurteilten besuchen. Zum Abschiednehmen. Durchs Glas.

Im Besuchsraum der Polunsky Unit sitzt eine große Gruppe an den Tischen. Sie nimmt Abschied. Manche trinken Cola, zwei sitzen vor der Scheibe und wechseln letzte Worte mit ihrem Bruder, ihrem Sohn oder Freund. Eine junge Frau fängt an zu weinen, steht auf, hängt den Telefonhörer ein und rennt nach draußen. Ihre Tante läuft hinterher, der Verurteilte sieht nach unten, nimmt den Hörer kurz vom Ohr. Er sieht wieder hoch, unterhält sich weiter mit der zweiten Person. Die beiden versuchen, die Situation zu retten, nicht zu weinen. Die junge Frau kommt zurück, lächelt den Bruder kurz an und setzt sich dann zu ihrer Familie an den Tisch. Jemand kauft dem Mann ein paar Kekse und Eistee aus dem Automaten. Die Aufseherin des Besucherraums packt alles in eine Papiertüte, schreibt die Nummer der Zelle drauf, in dem der Häftling gerade sitzt, und gibt es an die Wärter weiter, die auf der anderen Seite der Scheibe, auf der Seite der Gefangenen arbeiten. Der Todeskandidat bekommt das Päckchen, macht den Eistee auf. Die Kekse lässt er liegen.

Um zwölf Uhr mittags kommen die Wärter. Die Anspannung in dem Besuchsraum ist zum Zerreißen. Der Mann wird abgeholt. Um sechs Uhr abends wird das Gift in seinen Körper laufen. Als der Mann abgeführt wird, gehen seine Freundin und seine Mutter an der Scheibe entlang, können ihn so noch sehen, wie er im Hintergrund der anderen Besuchszellen entlang geführt wird, zwar nur durch die Gitterstäbe, aber sie sehen ihn noch, die letzten Sekunden, dann ist er weg.

Gemeinsam mit der Familie gehe ich hinaus. Wir passieren eine Stahltür und zeigen unsere Besucherpässe, eine zweite Stahltür wird für uns geöffnet, wir laufen durch einen Flur und hinaus auf den Innenhof, der von Blumenbeeten gesäumt wird, in denen Gefangene Unkraut jäten, die nicht zum Tode verurteilt wurden und ganz offiziell 'population' (Bevölkerung) genannt werden. Wir gehen durch eine Gittertür, durch eine weitere Stahltür, bekommen unsere Pässe zurück, geben die Besucherausweise zurück, gehen durch die Tür nach draußen und stehen auf dem Parkplatz. Jetzt brechen Tante und Schwester zusammen. Die Familie steht im Kreis und betet. Das Gebet spricht die Mutter. Sie wird heute Abend um sechs Uhr dabei sein, wenn ihr Sohn getötet wird.

Besuche und Briefe halten Ron am Leben. Ohne sie hätte er längst aufgegeben, sagt er immer wieder. Freunde und Verwandte geben ihm das Gefühl, noch am Leben zu sein. Sie bestätigen ihm mit jedem Brief, dass sie sein Leben schätzen. Das ist das, was die Todesstrafe negiert.

Im Besuchsraum kann man für drei Dollar ein Polaroidfoto machen lassen. Die Bilder sind wichtig für die Gefangenen und ihre Angehörigen, ein Zeugnis des Lebens und ihrer Beziehungen. Im April 2003 wurde das Fotografieren von einem Tag auf den anderen eingestellt. Ein paar Monate später wurde das Fotografieren wieder eingeführt, aber nur für die ersten sieben Tage eines Monats. Die Begründung für diese zeitliche Beschränkung ist fadenscheinig. Ron sagt: 'You know they're doing everything to break us.'

Gleichzeitig wurde es den Häftlingen untersagt, sich untereinander zu schreiben. Der Austausch miteinander war eine Möglichkeit, die Isolation wenigstens minimal zu durchbrechen. Der Brief eines Mithäftlings, der wenige Stunden später hingerichtet wurde, bedeutet Ron viel. Die Worte Martin Luther Kings haben seinem Freund und dann auch Ron Mut gemacht: 'I'm free at last!'  'Ich bin endlich frei' hat er Ron mitgeteilt, 'weine nicht um mich, mein Bruder.'

Die Häftlinge dürfen Pornozeitschriften oder -kalender bestellen. Aber Aktfotos ihrer Ehefrauen dürfen sie seit Juni diesen Jahres nicht mehr empfangen. Nicht Pornographie oder Sexualität wird verboten. Die Gefängnisleitung schreitet ein, wenn es persönlich wird. Erotik zwischen zwei Menschen mit Namen und Gesichtern ist gefährlich für das System der Todesstrafe. Die Männer hinter den Scheiben haben aus Sicht des Staates jeglichen Anspruch auf Leben, mit allem, was dazugehört, verspielt. Sie werden mit Nummern geführt statt mit Namen. Ron ist Nummer 999069.

Vor wenigen Monaten bekam Ron einen Brief. Er solle sich darauf gefasst machen, dass der Hinrichtungstermin bald kommen könne, stand darin. All seine Berufungsmöglichkeiten hat er verloren. Zur letzten Instanz wurde er nicht zugelassen, weil sein neuer Anwalt einen Verfahrensfehler gemacht hat. Ron bleibt nur noch das Gnadengesuch. Das darf er erst beantragen, wenn er einen Hinrichtungstermin bekommen hat. Zur Verkündung des Termins wird Ron in eine andere Stadt gefahren. In einem Gerichtssaal wird ihm das Datum mündlich mitgeteilt.

Noch hat Ron Hoffnung. Er bereitet sich auf das Gnadengesuch vor. Einen Anwalt hat er dafür noch nicht. Dazu fehlt ihm das Geld. Ron will zeigen, dass er sich verändert hat, dass er diese Strafe nicht verdient hat. Er sammelt alle Briefe, die dieses Argument untermauern könnten. Eine ehemalige Wärterin, die sich an den Tag erinnert, als Ron in Huntsville ankam, hat Kontakt zu ihm aufgenommen. Sie engagiert sich inzwischen gegen die Todesstrafe.

Ende Juli wurde Ron 31 Jahre alt. Die Männer in den Zellen um ihn herum haben mit ihm gefeiert, ohne Blickkontakt, durch ihre Anwesenheit, ihre Stimmen und das Geburtstagsessen. Einer hat auf einem kleinen Campingkocher ein texanisches Essen zubereitet. Das wurde an einer Leine aus zusammengeknoteten Handtüchern von Zelle zu Zelle weitergezogen bis zu Ron. Der 'Koch' sitzt seit 24 Jahren im Todestrakt.

An diesem Nachmittag gibt es um 13.30 Uhr einen 'shake down'. Überraschend kommen Wärter durch die Zellen und prüfen, ob alles seine Ordnung hat. Alles, was Ron besitzt, muss in eine winzige Kiste passen. Er hebt kaum Post auf, fast alle Briefe vernichtet er, wenn sie beantwortet sind. Fotos schickt er zu seiner Mutter, die alles für ihn aufhebt. Auch ausgelesene Bücher müssen gleich weg. Nur die Bibel muss nicht in die Kiste. Beim 'shake down' wird kontrolliert, ob Ron irgend etwas hat, dass er nicht haben darf.

Ron spricht nur selten über seinen Tod. Er liest Bücher über die Kraft des positiven Denkens, eins nach dem anderen. Er bittet uns, das Heute mit ihm zu leben und uns nicht von der Angst vor dem Morgen lähmen zu lassen.

Mindestens zwölf Männer werden bis Januar 2005 in Texas hingerichtet; ihre Namen und Hinrichtungsdaten stehen im Internet. Ron legt sich hin, es ist 16 Uhr. Sein Name steht noch nicht auf der Liste.

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Anmerkung: Ron R. Howard wurde am 6.10.2005 in Huntsville, Texas, mit der Giftspritze hingerichtet
Veröffentlichung dieses Artikels mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Umwandlung aller Todesurteile in Illinois am 11. Januar 2003

In einer bewegenden Rede - gehalten am 11. Januar 2003 an der Northwestern University College of Law, Chikago -  gab  der   damalige Gouverneur von Illinois George Ryan als eine seiner letzten Amtshandlungenden die Umwandlung aller Todesurteile des Staates Illinois bekannt.

Die umfangreichste Umwandlung von Todesurteilen in der neueren Geschichte der Todesstrafe in den USA und die vernichtende Kritik des Todesstrafensystems gilt als härtester Schlag gegen die  Todesstrafe seit der Entscheidung des Supreme Court von 1972, in der die Todestrafe als verfassungswidrig eingestuft wurde. Die Umwandlung aller Todesurteile in Ilinois hat die Diskussion um die Todesstrafe in den USA neu entfacht.

Ryan Redemanuskript im englischen Original

CHICAGO, Illinois (CNN) -- Outgoing Illinois Gov. George Ryan announced Saturday that he had commuted the sentences of all 167 of the state's death row inmates. The following is the text of his prepared speech.

RYAN: Four years ago I was sworn in as the 39th governor of Illinois. That was just four short years ago -- that's when I was a firm believer in the American system of justice and the death penalty. I believed that the ultimate penalty for the taking of a life was administrated in a just and fair manner.

Today -- three days before I end my term as governor, I stand before you to explain my frustrations and deep concerns about both the administration and the penalty of death. It is fitting that we are gathered here today at Northwestern University with the students, teachers, lawyers and investigators who first shed light on the sorrowful condition of Illinois' death penalty system.

Professors Larry Marshall, Dave Protess and their students along with investigators Paul Ciolino have gone above the call. They freed the falsely accused Ford Heights Four, they saved Anthony Porter's life, they fought for Rolando Cruz and Alex Hernandez. They devoted time and effort on behalf of Aaron Patterson, a young man who lost 15 years of his youth sitting among the condemned, and Leroy Orange, who lost 17 of the best years of his life on death row.

It is also proper that we are together with dedicated people like Andrea Lyon who has labored on the front lines trying capital cases for many years and who is now devoting her passion to creating an innocence center at DePaul University. You saved Madison Hobley's life.

Together they spared the lives and secured the freedom of 17 men -- men who were wrongfully convicted and rotting in the condemned units of our state prisons. What you have achieved is of the highest calling -- thank you!

Yes, it is right that I am here with you, where, in a manner of speaking, my journey from staunch supporter of capital punishment to reformer all began. But I must tell you -- since the beginning of our journey -- my thoughts and feelings about the death penalty have changed many, many times. I realize that over the course of my reviews I had said that I would not do blanket commutation. I have also said it was an option that was there and I would consider all options.

During my time in public office I have always reserved my right to change my mind if I believed it to be in the best public interest, whether it be about taxes, abortions or the death penalty. But I must confess that the debate with myself has been the toughest concerning the death penalty. I suppose the reason the death penalty has been the toughest is because it is so final -- the only public policy that determines who lives and who dies. In addition it is the only issue that attracts most of the legal minds across the country. I have received more advice on this issue than any other policy issue I have dealt with in my 35 years of public service. I have kept an open mind on both sides of the issues of commutation for life or death.

I have read, listened to and discussed the issue with the families of the victims as well as the families of the condemned. I know that any decision I make will not be accepted by one side or the other. I know that my decision will be just that -- my decision -- based on all the facts I could gather over the past three years. I may never be comfortable with my final decision, but I will know in my heart, that I did my very best to do the right thing.

Having said that I want to share a story with you:

I grew up in Kankakee which even today is still a small midwestern town, a place where people tend to know each other. Steve Small was a neighbor. I watched him grow up. He would baby-sit my young children -- which was not for the faint of heart since Lura Lynn and I had six children, five of them under the age of 3. He was a bright young man who helped run the family business. He got married and he and his wife had three children of their own. Lura Lynn was especially close to him and his family. We took comfort in knowing he was there for us and we for him.

One September midnight he received a call at his home. There had been a break-in at the nearby house he was renovating. But as he left his house, he was seized at gunpoint by kidnappers. His captors buried him alive in a shallow hole. He suffocated to death before police could find him.

His killer led investigators to where Steve's body was buried. The killer, Danny Edward, was also from my hometown. He now sits on death row. I also know his family. I share this story with you so that you know I do not come to this as a neophyte without having experienced a small bit of the bitter pill the survivors of murder must swallow.

My responsibilities and obligations are more than my neighbors and my family. I represent all the people of Illinois -- like it or not. The decision I make about our criminal justice system is felt not only here, but the world over.

The other day, I received a call from former South African President Nelson Mandela who reminded me that the United States sets the example for justice and fairness for the rest of the world. Today the United States is not in league with most of our major allies: Europe, Canada, Mexico, most of South and Central America. These countries rejected the death penalty. We are partners in death with several third world countries. Even Russia has called a moratorium.

The death penalty has been abolished in 12 states. In none of these states has the homicide rate increased. In Illinois last year we had about 1,000 murders; only 2 percent of that 1,000 were sentenced to death. Where is the fairness and equality in that? The death penalty in Illinois is not imposed fairly or uniformly because of the absence of standards for the 102 Illinois state's attorneys, who must decide whether to request the death sentence. Should geography be a factor in determining who gets the death sentence? I don't think so but in Illinois it makes a difference. You are five times more likely to get a death sentence for first degree murder in the rural area of Illinois than you are in Cook County. Where is the justice and fairness in that -- where is the proportionality?

The Most Reverend Desmond Tutu wrote to me this week stating that 'to take a life when a life has been lost is revenge, it is not justice.' He says justice allows for mercy, clemency and compassion. These virtues are not weakness.

'In fact the most glaring weakness is that no matter how efficient and fair the death penalty may seem in theory, in actual practice it is primarily inflicted upon the weak, the poor, the ignorant and against racial minorities.' That was a quote from former California Governor Pat Brown. He wrote that in his book -- 'Public Justice, Private Mercy.' He wrote that nearly 50 years ago -- nothing has changed in nearly 50 years.

I never intended to be an activist on this issue. I watched in surprise as freed death row inmate Anthony Porter was released from jail. A free man, he ran into the arms of Northwestern University Professor Dave Protess, who poured his heart and soul into proving Porter's innocence with his journalism students.

He was 48 hours away from being wheeled into the execution chamber where the state would kill him.

It would all be so antiseptic and most of us would not have even paused, except that Anthony Porter was innocent of the double murder for which he had been condemned to die.

After Mr. Porter's case there was the report by Chicago Tribune reporters Steve Mills and Ken Armstrong documenting the systemic failures of our capital punishment system. Half of the nearly 300 capital cases in Illinois had been reversed for a new trial or resentencing.

Nearly Half!

Thirty-three of the death row inmates were represented at trial by an attorney who had later been disbarred or at some point suspended from practicing law.

Of the more than 160 death row inmates, 35 were African American defendants who had been convicted or condemned to die by all-white juries.

More than two-thirds of the inmates on death row were African American.

Forty-six inmates were convicted on the basis of testimony from jailhouse informants.

I can recall looking at these cases and the information from the Mills/Armstrong series and asking my staff: How does that happen? How in God's name does that happen? I'm not a lawyer, so somebody explain it to me.

But no one could. Not to this day.

Then over the next few months, there were three more exonerated men, freed because their sentence hinged on a jailhouse informant or new DNA technology proved beyond a shadow of doubt their innocence.

We then had the dubious distinction of exonerating more men than we had executed. Thirteen men found innocent, 12 executed.

As I reported yesterday, there is not a doubt in my mind that the number of innocent men freed from our Death Row stands at 17, with the pardons of Aaron Patterson, Madison Hobley, Stanley Howard and Leroy Orange.

That is an absolute embarrassment. Seventeen exonerated death row inmates is nothing short of a catastrophic failure. But the 13, now 17 men, is just the beginning of our sad arithmetic in prosecuting murder cases. During the time we have had capital punishment in Illinois, there were at least 33 other people wrongly convicted on murder charges and exonerated. Since we reinstated the death penalty there are also 93 people -- 93 -- where our criminal justice system imposed the most severe sanction and later rescinded the sentence or even released them from custody because they were innocent.

How many more cases of wrongful conviction have to occur before we can all agree that the system is broken?

Throughout this process, I have heard many different points of view expressed. I have had the opportunity to review all of the cases involving the inmates on death row. I have conducted private group meetings, one in Springfield and one in Chicago, with the surviving family members of homicide victims. Everyone in the room who wanted to speak had the opportunity to do so. Some wanted to express their grief, others wanted to express their anger. I took it all in.

My commission and my staff had been reviewing each and every case for three years. But I redoubled my effort to review each case personally in order to respond to the concerns of prosecutors and victims' families. This individual review also naturally resulted in a collective examination of our entire death penalty system.

I also had a meeting with a group of people who are less often heard from, and who are not as popular with the media. The family members of death row inmates have a special challenge to face. I spent an afternoon with those family members at a Catholic church here in Chicago. At that meeting, I heard a different kind of pain expressed. Many of these families live with the twin pain of knowing not only that, in some cases, their family member may have been responsible for inflicting a terrible trauma on another family, but also the pain of knowing that society has called for another killing. These parents, siblings and children are not to blame for the crime committed, yet these innocents stand to have their loved ones killed by the state. As Mr. Mandela told me, they are also branded and scarred for life because of the awful crime committed by their family member.

Others were even more tormented by the fact that their loved one was another victim, that they were truly innocent of the crime for which they were sentenced to die.

It was at this meeting that I looked into the face of Claude Lee, the father of Eric Lee, who was convicted of killing Kankakee police officer Anthony Samfay a few years ago. It was a traumatic moment, once again, for my hometown. A brave officer, part of that thin blue line that protects each of us, was struck down by wanton violence. If you will kill a police officer, you have absolutely no respect for the laws of man or God.

I've known the Lee family for a number of years. There does not appear to be much question that Eric was guilty of killing the officer. However, I can say now after our review, there is also not much question that Eric is seriously ill, with a history of treatment for mental illness going back a number of years.

The crime he committed was a terrible one -- killing a police officer. Society demands that the highest penalty be paid.

But I had to ask myself -- could I send another man's son to death under the deeply flawed system of capital punishment we have in Illinois? A troubled young man, with a history of mental illness? Could I rely on the system of justice we have in Illinois not to make another horrible mistake? Could I rely on a fair sentencing?

In the United States the overwhelming majority of those executed are psychotic, alcoholic, drug addicted or mentally unstable. They frequently are raised in an impoverished and abusive environment.

Seldom are people with money or prestige convicted of capital offenses, even more seldom are they executed.

To quote Gov. Brown again -- he said 'society has both the right and the moral duty to protect itself against its enemies'. This natural and prehistoric axiom has never successfully been refuted. If by ordered death, society is really protected and our homes and institutions guarded, then even the most extreme of all penalties can be justified.

'Beyond its honor and incredibility, it has neither protected the innocent nor deterred the killers. Publicly sanctioned killing has cheapened human life and dignity without the redeeming grace which comes from justice metered out swiftly, evenly, humanely.'

At stake throughout the clemency process, was whether some, all or none of these inmates on death row would have their sentences commuted from death to life without the possibility parole.

One of the things discussed with family members was life without parole was seen as a life filled with perks and benefits.

Some inmates on death row don't want a sentence of life without parole. Danny Edwards wrote me and told me not to do him any favors because he didn't want to face a prospect of a life in prison without parole. They will be confined in a cell that is about 5-feet-by-12 feet, usually double-bunked. Our prisons have no air conditioning, except at our supermax facility where inmates are kept in their cell 23 hours a day. In summer months, temperatures in these prisons exceed one hundred degrees. It is a stark and dreary existence. They can think about their crimes. Life without parole has even, at times, been described by prosecutors as a fate worse than death.

Yesterday, I mentioned a lawsuit in Livingston County where a judge ruled the state corrections department cannot force feed two corrections inmates who are on a hunger strike. The judge ruled that suicide by hunger strike was not an irrational action by the inmates, given what their future holds.

Earlier this year, the U.S. Supreme Court held that it is unconstitutional and cruel and unusual punishment to execute the mentally retarded. It is now the law of the land. How many people have we already executed who were mentally retarded and are now dead and buried? Although we now know that they have been killed by the state unconstitutionally and illegally. Is that fair? Is that right?

This court decision was last spring. The General Assembly failed to pass any measure defining what constitutes mental retardation. We are a rudderless ship because they failed to act.

This is even after the Illinois Supreme Court also told lawmakers that it is their job and it must be done.

I started with this issue concerned about innocence. But once I studied, once I pondered what had become of our justice system, I came to care above all about fairness. Fairness is fundamental to the American system of justice and our way of life.

The facts I have seen in reviewing each and every one of these cases raised questions not only about the innocence of people on death row, but about the fairness of the death penalty system as a whole.

If the system was making so many errors in determining whether someone was guilty in the first place, how fairly and accurately was it determining which guilty defendants deserved to live and which deserved to die? What effect was race having? What effect was poverty having?

And in almost every one of the exonerated 17, we not only have breakdowns in the system with police, prosecutors and judges, we have terrible cases of shabby defense lawyers. There is just no way to sugarcoat it. There are defense attorneys that did not consult with their clients, did not investigate the case and were completely unqualified to handle complex death penalty cases. They often didn't put much effort into fighting a death sentence. If your life is on the line, your lawyer ought to be fighting for you. As I have said before, there is more than enough blame to go around.

I had more questions.

In Illinois, I have learned, we have 102 decision makers. Each of them are politically elected, each beholden to the demands of their community and, in some cases, to the media or especially vocal victims' families. In cases that have the attention of the media and the public, are decisions to seek the death penalty more likely to occur? What standards are these prosecutors using?

Some people have assailed my power to commute sentences, a power that literally hundreds of legal scholars from across the country have defended. But prosecutors in Illinois have the ultimate commutation power, a power that is exercised every day. They decide who will be subject to the death penalty, who will get a plea deal or even who may get a complete pass on prosecution. By what objective standards do they make these decisions? We do not know, they are not public. There were more than 1,000 murders last year in Illinois. There is no doubt that all murders are horrific and cruel. Yet, less than 2 percent of those murder defendants will receive the death penalty. That means more than 98 percent of victims' families do not get, and will not receive, whatever satisfaction can be derived from the execution of the murderer. Moreover, if you look at the cases, as I have done -- both individually and collectively -- a killing with the same circumstances might get 40 years in one county and death in another county. I have also seen co-defendants who are equally or even more culpable get sentenced to a term of years, while another less culpable defendant ends up on death row.

In my case-by-case review, I found three people that fell into this category, Mario Flores, Montell Johnson and William Franklin. Today I have commuted their sentences to a term of 40 years to bring their sentences into line with their co-defendants and to reflect the other extraordinary circumstances of these cases.

Supreme Court Justice Potter Stewart has said that the imposition of the death penalty on defendants in this country is as freakish and arbitrary as who gets hit by a bolt of lightning.

For years the criminal justice system defended and upheld the imposition of the death penalty for the 17 exonerated inmates from Illinois' death row. Yet when the real killers are charged, prosecutors have often sought sentences of less than death. In the Ford Heights Four case, Verneal Jimerson and Dennis Williams fought the death sentences imposed upon them for 18 years before they were exonerated. Later, Cook County prosecutors sought life in prison for two of the real killers and a sentence of 80 years for a third.

What made the murder for which the Ford Heights Four were sentenced to die less heinous and worthy of the death penalty 20 years later with a new set of defendants?

We have come very close to having our state Supreme Court rule our death penalty statute -- the one that I helped enact in 1977 -- unconstitutional. Former state Supreme Court Justice Seymour Simon wrote to me that it was only happenstance that our statute was not struck down by the state's high court. When he joined the bench in 1980, three other justices had already said Illinois' death penalty was unconstitutional. But they got cold feet when a case came along to revisit the question. One judge wrote that he wanted to wait and see if the Supreme Court of the United States would rule on the constitutionality of the new Illinois law. Another said precedent required him to follow the old state Supreme Court ruling with which he disagreed.

Even a pharmacist knows that doesn't make sense. We wouldn't have a death penalty today, and we all wouldn't be struggling with this issue, if those votes had been different. How arbitrary.

Several years after we enacted our death penalty statute, Girvies Davis was executed. Justice Simon writes that he was executed because of this unconstitutional aspect of the Illinois law -- the wide latitude that each Illinois state's attorney has to determine what cases qualify for the death penalty. One state's attorney waived his request for the death sentence when Davis' first sentencing was sent back to the trial court for a new sentencing hearing. The prosecutor was going to seek a life sentence. But in the interim, a new state's attorney took office and changed directions. He once again sought and secured a death sentence. Davis was executed.

How fair is that?

After the flaws in our system were exposed, the Supreme Court of Illinois began to reform its rules and improve the trial of capital cases. It changed the rule to require that state's attorneys give advance notice to defendants that they plan to seek the death penalty to require notice before trial instead of after conviction. The Supreme Court also enacted new discovery rules designed to prevent trials by ambush and to allow for better investigation of cases from the beginning.

But shouldn't that mean if you were tried or sentenced before the rules changed, you ought to get a new trial or sentencing with the new safeguards of the rules? This issue has divided our Supreme Court, some saying yes, a majority saying no. These justices have a lifetime of experience with the criminal justice system and it concerns me that these great minds so strenuously differ on an issue of such importance, especially where life or death hangs in the balance.

What are we to make of the studies that showed that more than 50 percent of Illinois jurors could not understand the confusing and obscure sentencing instructions that were being used? What effect did that problem have on the trustworthiness of death sentences? A review of the cases shows that often even the lawyers and judges are confused about the instructions -- let alone the jurors sitting in judgment. Cases still come before the Supreme Court with arguments about whether the jury instructions were proper.

I spent a good deal of time reviewing these death row cases. My staff, many of whom are lawyers, spent busy days and many sleepless nights answering my questions, providing me with information, giving me advice. It became clear to me that whatever decision I made, I would be criticized. It also became clear to me that it was impossible to make reliable choices about whether our capital punishment system had really done its job.

As I came closer to my decision, I knew that I was going to have to face the question of whether I believed so completely in the choice I wanted to make that I could face the prospect of even commuting the death sentence of Daniel Edwards -- the man who had killed a close family friend of mine. I discussed it with my wife, Lura Lynn, who has stood by me all these years. She was angry and disappointed at my decision, like many of the families of other victims will be.

I was struck by the anger of the families of murder victims. To a family they talked about closure. They pleaded with me to allow the state to kill an inmate in its name to provide the families with closure. But is that the purpose of capital punishment? Is it to soothe the families? And is that truly what the families experience?

I cannot imagine losing a family member to murder. Nor can I imagine spending every waking day for 20 years with a single-minded focus to execute the killer. The system of death in Illinois is so unsure that it is not unusual for cases to take 20 years before they are resolved. And thank God. If it had moved any faster, then Anthony Porter, the Ford Heights Four, Ronald Jones, Madison Hobley and the other innocent men we've exonerated might be dead and buried.

But it is cruel and unusual punishment for family members to go through this pain, this legal limbo for 20 years. Perhaps it would be less cruel if we sentenced the killers to Tamms (Correctional Center) to life, and used our resources to better serve victims.

My heart ached when I heard one grandmother who lost children in an arson fire. She said she could not afford proper grave markers for her grandchildren who died. Why can't the state help families provide a proper burial?

Another crime victim came to our family meetings. He believes an inmate sent to death row for another crime also shot and paralyzed him. The inmate, he says, gets free health care while the victim is struggling to pay his substantial medical bills and, as a result, he has forgone getting proper medical care to alleviate the physical pain he endures.

What kind of victim's services are we providing? Are all of our resources geared toward providing this notion of closure by execution instead of tending to the physical and social service needs of victim families? And what kind of values are we instilling in these wounded families and in the young people? As Gandhi said, an eye for an eye only leaves the whole world blind.

President Lincoln often talked of binding up wounds as he sought to preserve the Union. 'We are not enemies, but friends. We must not be enemies. Though passion may have strained, it must not break our bonds of affection.'

I have had to consider not only the horrible nature of the crimes that put men on death row in the first place, the terrible suffering of the surviving family members of the victims, the despair of the family members of the inmates, but I have also had to watch in frustration as members of the Illinois General Assembly failed to pass even one substantive death penalty reform. Not one. They couldn't even agree on one. How much more evidence is needed before the General Assembly will take its responsibility in this area seriously?

The fact is that the failure of the General Assembly to act is merely a symptom of the larger problem. Many people express the desire to have capital punishment. Few, however, seem prepared to address the tough questions that arise when the system fails. It is easier and more comfortable for politicians to be tough on crime and support the death penalty. It wins votes. But when it comes to admitting that we have a problem, most run for cover. Prosecutors across our state continue to deny that our death penalty system is broken -- or they say if there is a problem, it is really a small one and we can fix it somehow. It is difficult to see how the system can be fixed when not a single one of the reforms proposed by my capital punishment commission has been adopted. Even the reforms the prosecutors agree with haven't been adopted.

So when will the system be fixed? How much more risk can we afford? Will we actually have to execute an innocent person before the tragedy that is our capital punishment system in Illinois is really understood? This summer, a United States District Court judge held the federal death penalty was unconstitutional and noted that with the number of recent exonerations based on DNA and new scientific technology we undoubtedly executed innocent people before this technology emerged.

As I prepare to leave office, I had to ask myself whether I could really live with the prospect of knowing that I had the opportunity to act, but that I failed to do so because I might be criticized. Could I take the chance that our capital punishment system might be reformed, that wrongful convictions might not occur, that enterprising journalism students might free more men from death row? A system that's so fragile that it depends on young journalism students is seriously flawed.

'There is no honorable way to kill, no gentle way to destroy. There is nothing good in war. Except its ending.'

That's what Abraham Lincoln said about the bloody war between the states. It was a war fought to end the sorriest chapter in American history -- the institution of slavery. While we are not in a civil war now, we are facing what is shaping up to be one of the great civil rights struggles of our time. Stephen Bright of the Southern Center for Human Rights has taken the position that the death penalty is being sought with increasing frequency in some states against the poor and minorities.

Our own study showed that juries were more likely to sentence to death if the victim were white than if the victim were black -- three-and-a-half times more likely to be exact. We are not alone. Just this month Maryland released a study of their death penalty system and racial disparities exist there too.

This week, Mamie Till Mobley died. Her son Emmett was lynched in Mississippi in the 1950s. She was a strong advocate for civil rights and reconciliation. In fact just three weeks ago, she was the keynote speaker at the Murder Victims' Families for Reconciliation event in Chicago. This group, many of whom I've met, opposes the death penalty even though their family members have been lost to senseless killing. Mamie's strength and grace not only ignited the civil rights movement -- including inspiring Rosa Parks to refuse to go to the back of the bus -- but inspired murder victims' families until her dying day.

Is our system fair to all? Is justice blind? These are important human rights issues.

Another issue that came up in my individual, case-by-case review was the issue of international law. The Vienna Convention protects U.S. citizens abroad and foreign nationals in the United States. It provides that if you are arrested, you should be afforded the opportunity to contact your consulate. There are five men on death row who were denied that internationally recognized human right. Mexico's President Vicente Fox contacted me to express his deep concern for the Vienna Convention violations. If we do not uphold international law here, we cannot expect our citizens to be protected outside the United States.

My commission recommended the Supreme Court conduct a proportionality review of our system in Illinois. While our appellate courts perform a case-by-case review of the appellate record, they have not done such a big picture study. Instead, they tinker with a case-by-case review as each appeal lands on their docket.

In 1994, near the end of his distinguished career on the Supreme Court of the United States, Justice Harry Blackmun wrote an influential dissent in the body of law on capital punishment. Twenty years earlier he was part of the court that issued the landmark Furman decision. The Court decided that the death penalty statutes in use throughout the country were fraught with severe flaws that rendered them unconstitutional. Quite frankly, they were the same problems we see here in Illinois. To many, it looked liked the Furman decision meant the end of the death penalty in the United States.

This was not the case. Many states responded to Furman by developing and enacting new and improved death penalty statutes. In 1976, four years after it had decided Furman, Justice Blackmun joined the majority of the United States Supreme Court in deciding to give the states a chance with these new and improved death penalty statutes. There was great optimism in the air.

This was the climate in 1977, when the Illinois Legislature was faced with the momentous decision of whether to reinstate the death penalty in Illinois. I was a member of the General Assembly at that time and when I pushed the green button in favor of reinstating the death penalty in this great state, I did so with the belief that whatever problems had plagued the capital punishment system in the past were now being cured. I am sure that most of my colleagues who voted with me that day shared that view.

But 20 years later, after affirming hundreds of death penalty decisions, Justice Blackmun came to the realization, in the twilight of his distinguished career, that the death penalty remains fraught with arbitrariness, discrimination, caprice and mistake. He expressed frustration with a 20-year struggle to develop procedural and substantive safeguards. In a now famous dissent he wrote in 1994, 'From this day forward, I no longer shall tinker with the machinery of death.'

One of the few disappointments of my legislative and executive career is that the General Assembly failed to work with me to reform our deeply flawed system.

I don't know why legislators could not heed the rising voices of reform. I don't know how many more systemic flaws we needed to uncover before they would be spurred to action.

Three times I proposed reforming the system with a package that would restrict the use of jailhouse snitches, create a statewide panel to determine death eligible cases, and reduce the number of crimes eligible for death. These reforms would not have created a perfect system, but they would have dramatically reduced the chance for error in the administration of the ultimate penalty.

The governor has the constitutional role in our state of acting in the interest of justice and fairness. Our state constitution provides broad power to the governor to issue reprieves, pardons and commutations. Our Supreme Court has reminded inmates petitioning them that the last resort for relief is the governor.

At times the executive clemency power has perhaps been a crutch for courts to avoid making the kind of major change that I believe our system needs.

Our systemic case-by-case review has found more cases of innocent men wrongfully sentenced to death row. Because our three-year study has found only more questions about the fairness of the sentencing; because of the spectacular failure to reform the system; because we have seen justice delayed for countless death row inmates with potentially meritorious claims; because the Illinois death penalty system is arbitrary and capricious -- and therefore immoral -- I no longer shall tinker with the machinery of death.

I cannot say it as eloquently than Justice Blackmun.

The Legislature couldn't reform it.

Lawmakers won't repeal it.

But I will not stand for it.

I must act.

Our capital system is haunted by the demon of error -- error in determining guilt, and error in determining who among the guilty deserves to die. Because of all of these reasons today I am commuting the sentences of all death row inmates.

This is a blanket commutation. I realize it will draw ridicule, scorn and anger from many who oppose this decision. They will say I am usurping the decisions of judges and juries and state legislators. But as I have said, the people of our state have vested in me to act in the interest of justice. Even if the exercise of my power becomes my burden I will bear it. Our constitution compels it. I sought this office, and even in my final days of holding it I cannot shrink from the obligations to justice and fairness that it demands.

There have been many nights where my staff and I have been deprived of sleep in order to conduct our exhaustive review of the system. But I can tell you this: I will sleep well knowing I made the right decision.

As I said when I declared the moratorium, it is time for a rational discussion on the death penalty. While our experience in Illinois has indeed sparked a debate, we have fallen short of a rational discussion. Yet if I did not take this action, I feared that there would be no comprehensive and thorough inquiry into the guilt of the individuals on death row or of the fairness of the sentences applied.

To say it plainly one more time -- the Illinois capital punishment system is broken. It has taken innocent men to a hair's breadth escape from their unjust execution. Legislatures past have refused to fix it. Our new Legislature and our new governor must act to rid our state of the shame of threatening the innocent with execution and the guilty with unfairness.

In the days ahead, I will pray that we can open our hearts and provide something for victims' families other than the hope of revenge. Lincoln once said: 'I have always found that mercy bears richer fruits than strict justice.' I can only hope that will be so. God bless you. And God bless the people of Illinois.

Deutsche Übersetzung der Rede

Chikago, Illinois -- Der scheidende Gouverneur George Ryan gab am Samstag, dem 11. Januar 2003 bei einer Rede an der Northwestern University die Umwandlung aller 167 Todesurteile von Illinois bekannt. Im Folgenden eine Übersetzung seiner Rede (nach dem vorbereiteten Redetext)

Vor vier Jahren wurde ich als 39. Gouverneur von Illinois vereidigt. Das war wirklich erst vor vier kurzen Jahren? Damals glaubte ich an das amerikanische Justizsystem und die Todesstrafe. Ich glaubte daran, dass die ultimative Strafe für das Nehmen eines Lebens auf eine gerechte und faire Art und Weise verwaltet wird.

Heute - drei Tage bevor ich meine Zeit als Gouverneur beende, stehe ich hier vor Ihnen um meine Frustration und tiefe Zweifel über beides, die Verwaltung und die Strafe des Todes auszudrücken. Es ist passend, dass wir heute hier, in der Northwestern University, mit jenen Studenten, Lehrern, Anwälten und Ermittlern zusammentreffen, die zuerst die traurigen Bedingungen des Todesstrafensystems ins Licht der Öffentlichkeit gebracht haben. Die Professoren Larry Marshall und Dave Protess und ihre Studenten haben gemeinsam mit dem Ermittler Paul Ciolino mehr als das getan. Sie haben die falsch beschuldigten Ford Heights Vier befreit, sie retteten Anthony Porters Leben, sie kämpften für Rolando Cruz und Alex Hernandez. Sie opferten ihre Zeit und Anstrengungen für Aaron Patterson, einen jungen Mann, der fünfzehn Jahre seiner Jugend verloren hat, in denen er unter den Verurteilten saß, und LeRoy Orange, der siebzehn seiner besten Jahre an das Leben im Todestrakt verlor.

Es ist ebenso passend, dass wir hier zusammen sind mit engagierten Menschen wie Andrea Lyon, die jahrelang in an vorderster Front arbeitete, viele Jahre Kapitalfälle bearbeitete und heute ihre Energie dafür einsetzt, ein Unschuldigenzentrum an der De Paul University zu gründen. Sie retteten Madison Hobleys Leben.

Gemeinsam retteten Sie die Leben und die Freiheit von siebzehn Männern. Männer, die fälschlich verurteilt wurden und in den Todestrakten unserer Staatsgefängnisse verrotteten. Was Sie getan haben ist von höchstem Wert. Vielen Dank!

Ja, es ist richtig, dass ich hier bei Ihnen bin, wo, durch Gespräche, meine Wandlung von einem überzeugten Unterstützer der Todesstrafe zu einem Reformer begann. Doch ich muss Ihnen sagen, dass meine Gedanken und Gefühle über die Todesstrafe sich seit dem Beginn meiner Reise viele, viele Male geändert haben. Ich weiß, dass ich zu Beginn meiner Überprüfungen gesagt habe, dass ich keine pauschalen Umwandlungen machen werde. Ich habe auch gesagt, dass das eine Möglichkeit wäre und ich alle Möglichkeiten überprüfen würde. Während meiner Zeit in öffentlichen Ämtern habe ich mir immer das Recht genommen, meine Meinung zu ändern, wenn ich der Meinung war, dass damit dem öffentlichen Interesse am besten gedient ist, egal ob es um Steuern ging, die Abtreibung oder die Todesstrafe. Doch ich muss gestehen, dass ich die härteste Debatte mit mir selbst über die Todesstrafe hatte. Ich schätze, dass der Grund dafür war, dass sie so entgültig ist. Die einzige öffentliche Regel, die entscheidet wer lebt und wer stirbt. Zusätzlich ist es das einzige Thema, dass fast den ganzen juristischen Sachverstand überall im Land beschäftigt. Ich habe zu diesem Thema mehr Vorschläge bekommen, als zu irgendeinem anderen Thema, mit dem ich in meiner 35jährigen Karriere zu tun hatte. Ich war bei diesem Thema offen beiden Seiten gegenüber Umwandlung oder Todesstrafe.

Ich habe gelesen, zugehört und gesprochen über das Thema mit den Familien der Opfer genauso wie mit den Familien der Verurteilten. Ich weiß, dass jede von mir getroffene Entscheidung von der einen oder anderen Seite nicht akzeptiert werden wird. Ich weiß, dass meine Entscheidung genau das sein wird - meine Entscheidung aufgrund der Fakten, die ich in den letzten drei Jahren herausgefunden habe. Ich bin vielleicht niemals wirklich zufrieden mit meiner entgültigen Entscheidung, doch ich werde in meinem Herzen wissen, dass ich mein Bestes getan habe, um das Richtige zu machen.

Nachdem ich das gesagt habe, möchte ich Ihnen eine Geschichte erzählen: Ich wuchs in Kankakee auf, das selbst heute noch eine kleine Stadt im mittleren Westen ist, ein Ort wo die Leute einander kennen. Steve Small war ein Nachbar. Ich konnte ihn aufwachsen sehen. Er passte auf meine kleinen Kinder auf, was keine geringe Aufgabe war, da Laura Lynn und ich sechs Kinder hatten, von denen fünf jünger als drei Jahre waren. Er war ein fröhlicher junger Mann, der im Familienbetrieb mithalf. Er heiratete und er und seine Frau bekamen drei eigene Kinder. Vor allem Laura Lynn stand ihm und seiner Familie sehr nahe. Es war schön zu wissen, dass er für uns da war und wir für ihn. In einer Nacht im September erhielt er zuhause einen Anruf. Da war ein Einbruch im Nachbarhaus, das er renovierte. Doch als er sein Haus verließ, wurde er mit angehaltener Waffe gekidnappt. Seine Entführer begruben ihn lebend in einem kleinen Loch. Er erstickte bevor die Polizei ihn finden konnte. Sein Mörder führte die Ermittler zu dem Ort, wo Steves Leiche begraben war. Der Mörder, Danny Edward, war ebenfalls aus meiner Heimatstadt. Er sitzt heute im Todestrakt. Ich kenne auch seine Familie.

Ich erzähle Ihnen diese Geschichte, damit Sie nicht glauben, dass ich als Neuling zu diesem Thema gekommen bin, der nicht zumindest einen kleinen Eindruck bekommen hat von der bitteren Pille, die die Hinterbliebenen von Mordopfern schlucken müssen. Doch ich bin nicht nur meinen Nachbarn und meiner Familie gegenüber verantwortlich. Ich vertrete alle Menschen in Illinois, ob man das mag oder nicht. Die Entscheidung, die ich über unser Strafrechtssystem treffe, wird nicht nur hier empfunden, sondern in der ganzen Welt. Gestern erhielt ich einen Anruf des früheren Präsidenten von Südafrika, Nelson Mandela, der mich daran erinnerte, dass die Vereinigten Staaten Beispiele für Gerechtigkeit und Fairness für den Rest der Welt setzten. Heute sind die Vereinigten Staaten nicht im Einklang mit den meisten unser wichtigsten Partner: Europa, Kanada, Mexiko, dem größten Teil von Süd- und Zentralamerika. Diese Länder lehnen die Todesstrafe ab. Wir sind Partner im Tode mit mehreren Ländern der dritten Welt. Selbst Russland hat ein Moratorium ausgerufen.

Die Todesstrafe wurde in zwölf Staaten abgeschafft. In keinem dieser Staaten ist die Mordrate gestiegen. In Illinois hatten wir letztes Jahr ungefähr tausend Morde, nur zwei Prozent davon führten zu einem Todesurteil. Wo liegt da die Fairness und Gleichbehandlung? Die Todesstrafe wird in Illinois nicht fair und gleichwertig verhängt, da es keine Standards für jene 102 Staatsanwälte in Illinois gibt, die entscheiden müssen, ob sie ein Todesurteil verlangen. Sollte Geographie ein Faktor sein, warum man ein Todesurteil bekommt? Ich denke nicht, doch in Illinois macht das einen Unterschied. In der ländlichen Gegend von Illinois bekommt man zehnmal leichter ein Todesurteil als in Cook County. Wo liegt da die Gerechtigkeit und Fairness? Wo ist die Verhältnismäßigkeit? Der ehrenwerte Bischoff Desmond Tutu schrieb mir diese Woche und führte aus, dass 'wenn man ein Leben nimmt, wenn ein anderes verloren wurde, ist das Rache, nicht Gerechtigkeit.' Er sagt, dass Gerechtigkeit Gnade erlaubt, Begnadigung und Mitgefühl. Diese Gefühle sind keine Schwäche.

'Tatsächlich ist die stärkste Schwäche, dass egal wie effektiv und fair die Todesstrafe in der Theorie auch sein mag, sie hauptsächlich gegen die Schwachen, Armen, Ungebildeten und Minderheiten verhängt wird.' Das war ein Zitat des ehemaligen Gouverneurs von Florida, Pat Brown. Er schrieb das in seinem Buch 'Öffentliche Justiz, private Gnade', das er vor beinahe fünfzig Jahren schrieb. Nichts hat sich in den letzten fünfzig Jahren verändert.

Ich hatte niemals vor, ein Aktivist für dieses Thema zu werden. Ich sah überrascht, wie der befreite Todessträfling Anthony Porter aus dem Gefängnis entlassen wurde. Ein freier Mann, er lief in die Arme von Professor Dave Protess von der Northwestern University, der sein Herz und seine Seele gemeinsam mit seinen Journalismusstudenten in den Kampf gesteckt hatte, Porters Unschuld zu beweisen.

Er war 48 Stunden davon entfernt, in die Hinrichtungskammer gebracht zu werden, wo der Staat ihn getötet hätte.

Es wäre alles so antiseptisch gewesen und die meisten von uns hätten nicht einmal innegehalten. Doch Anthony Porter war an dem Doppelmord nicht schuldig, für den er zum Tode verurteilt worden ist. Nach Mr. Porters Fall war da der Bericht der Chicago Tribune Reporter Steve Mills und Ken Armstrong, die die systematischen Fehler in unserem Todesstrafensystem dokumentierten. Die Hälfte der beinahe 300 Kapitalfälle in Illinois führten zu einem neuen Prozess oder einer neuen Urteilsfindung. Beinahe die Hälfe!

33 der Todestraktinsassen wurden bei ihrem Prozess von einem Anwalt vertreten, der später aus dem Anwaltsstand ausgeschlossen oder zumindest eine Zeit lang suspendiert worden war.

Von den über 160 Todessträflingen waren 35 Afroamerikaner, die von einer rein weißen Jury schuldig gesprochen und verurteilt wurden.

Mehr als zwei Drittel der Insassen des Todestraktes waren Afroamerikaner. 46 Insassen wurden aufgrund der Aussagen von Gefängnisinformanten verurteilt.

Ich kann mich erinnern, wie ich diese Fälle betrachtete und die Informationen aus der Mills/Armstrong Serie und mein Team fragte: Wie konnte das geschehen? Wie in Gottes Namen konnte dies geschehen? Ich bin kein Anwalt oder sonst was, also bitte erklärt es mir. Doch niemand konnte es. Nicht bis zum heutigen Tag.

Dann kamen die nächsten Monate. Es wurden drei weitere Männer entlastet, befreit, weil ihre Verurteilungen von Gefängnisinformanten abhingen oder neue DNA-Technologien ihre Unschuld zweifelsfrei bewiesen. Wir hatten damit die dubiose Erfahrung, mehr Männer entlastet zu haben, als hingerichtet wurden. Bei 13 Männern stellte sich die Unschuld heraus, 12 wurden hingerichtet. Wie ich gestern berichtet habe, habe ich keinen Zweifel daran, dass die Anzahl der unschuldigen Männer, die aus dem Todestrakt entlassen wurden, bei 17 steht - durch die Begnadigungen von Aaron Patterson, Madison Hobley, Stanley Howard und Leroy Orange.

Das ist absolut peinlich. 17 entlastete Todessträflinge sind nicht weniger als ein katastrophaler Fehler. Doch die dreizehn - jetzt siebzehn Männer, sind gerade der Anfang unserer traurigen Arithmetik im Verhandeln von Kapitalfällen. Während der Zeit, in der wir in Illinois die Todesstrafe haben, wurden zumindest 33 andere Menschen fälschlicherweise wegen Mordes verurteilt und später entlastet. Seit wir die Todesstrafe wieder eingeführt haben gab es weitere 93 Menschen - 93! - wo unser Kriminaljustizsystem die schärfsten Sanktionen nutzte und später die Strafe widerrief oder die Menschen aus der Haft entließ, weil sie unschuldig waren.

Wie viele weitere Fälle falscher Verurteilungen müssen geschehen, bevor wir alle endlich zugeben können, dass das System kaputt ist?

Während dieses Prozesses wurden mir viele verschiedene Ansichten nahegebracht. Ich hatte die Möglichkeit, alle Fälle durchzusehen, an denen Insassen des Todestraktes beteiligt waren. Ich habe an privaten Gruppentreffen mit überlebenden Familienmitgliedern von Mordopfern teilgenommen, einem in Springfield und einem in Chicago. Jeder in diesem Raum, der mit mir sprechen wollte, hatte die Möglichkeit es zu tun. Manche wollten ihre Trauer ausdrücken, andere ihre Wut. Ich hörte mir alles an.

Meine Kommission und mein Team hat in den letzten drei Jahren jeden einzelnen Fall überprüft. Doch ich verdoppelte meine Anstrengungen, jeden Fall persönlich zu untersuchen, um auf die Sorgen der Ankläger und Opferfamilien antworten können. Diese individuelle Überprüfung führte natürlicherweise in einer kollektiven Untersuchung unseres gesamten Todesstrafensystems.

Ich hatte auch ein Treffen mit einer Gruppe von Menschen, von denen man viel seltener hört und die bei den Medien nicht so beliebt sind. Die Familienmitglieder der Todestraktinsassen haben einen speziellen Kampf vor sich. Ich verbrachte einen Nachmittag mit diesen Familienmitgliedern in einer katholischen Kirche hier in Chicago. Bei diesem Treffen hörte ich, wie ein anderer Schmerz ausgedrückt wurde. Viele dieser Familien leben mit dem doppelten Leid des Wissens, nicht nur dass - in manchen Fällen - ihre Familienmitglieder dafür verantwortlich sind, dass eine andere Familie durch ein furchtbares Trauma musste, sondern auch mit dem Leid des Wissens, dass die Gesellschaft nach einer anderen Tötung ruft. Diese Eltern, Geschwister und Kinder sind nicht für das begangene Verbrechen verantwortlich, doch diese Unschuldigen müssen damit leben, dass ihre Angehörigen vom Staat getötet werden. Wie mir Mr. Mandela mitteilte, sind auch sie lebenslang gebrandmarkt und erschreckt, weil ihr Familienmitglied ein furchtbares Verbrechen begangen hat.

Andere werden noch mehr von der Tatsache gequält, dass ihr Angehöriger ein weiteres Opfer ist, dass er wirklich unschuldig ist an dem Verbrechen, für das er zum Tode verurteilt wurde . Es war bei diesem Treffen, dass ich in das Gesicht von Claude Lee sah, dem Vater von Eric Lee, der verurteilt wurde, den Kankakee Polizisten Anthony Samfay vor einigen Jahren ermordet zu haben. Das war wieder einmal ein traumatischer Moment für meine Heimatstadt. Ein braver Polizist, Teil der dünnen blauen Linie die uns schützt, wurde von mutwilliger Gewalt niedergeschlagen. Wenn man einen Polizisten tötet, hat man absolut keinen Respekt vor den Gesetzen der Menschen oder Gott.

Ich kannte die Familie Lee seit einigen Jahren. Es gab kaum einen Zweifel daran, dass Eric schuldig war, den Polizisten ermordet zu haben. Doch kann ich heute, nach unserer Überprüfung, sagen, dass Eric zweifellos ernsthaft krank ist, mit einer Krankengeschichte wegen geistiger Krankheiten, die sich zahlreiche Jahre zurückzieht.

Das von ihm begangene Verbrechen war furchtbar - Ermordung eines Polizisten. Die Gesellschaft verlangt, dass die höchste Strafe verhängt werden muss.

Doch ich musste mich fragen, ob ich unter dem äußerst fehlerhaften System der Todesstrafe, das wir hier in Illinois haben, noch einen Sohn eines Mannes in den Tod schicken kann. Ein problembehafteter junger Mann mit einer Krankengeschichte von geistigen Krankheiten. Konnte ich mich darauf verlassen, dass das Justizsystem, das wir hier in Illinois haben, keinen weiteren furchtbaren Fehler macht? Konnte ich mich auf eine faire Strafe verlassen?

In den Vereinigten Staaten war die überwältigende Mehrheit jener, die hingerichtet wurden, psychotisch, Alkoholiker, drogensüchtig oder geistig instabil. Häufig sind sie aufgewachsen in einem Umfeld von Armut und Missbrauch.

Selten wurden Menschen mit Geld oder Prestige wegen Kapitalverbrechen schuldig gesprochen, noch seltener wurden sie hingerichtet.

Um Gouverneur Brown noch einmal zu zitieren, er sagte: 'Die Gesellschaft hat sowohl das Recht, als auch die moralische Pflicht, sich selbst gegen Feinde zu verteidigen. Dieser natürliche und vorgeschichtliche Grundsatz wurde niemals erfolgreich widerlegt. Wenn die Gesellschaft durch den angeordneten Tod wirklich geschützt ist und unsere Häuser und Institutionen sicher, könnte auch die extremste aller Strafen gerechtfertigt werden.'

'Neben ihrer Ehre und Unglaubwürdigkeit hat sie niemals die Unschuldigen beschützt oder die Mörder abgeschreckt. Öffentlich sanktioniertes Töten hat das menschliche Leben und die menschliche Würde abgewertet, ohne die rettende Gnade, die man durch eine Justiz erreicht, die ausgeglichen und menschlich gehandhabt wird.'

Eine Frage im Gnadenprozess war, ob manche, alle oder keiner der Insassen des Todesstraktes eine Umwandlung seiner Strafe vom Tod zu lebenslang ohne Bewährungsmöglichkeit bekommen soll.

Eine der Dinge, die ich mit den Familienmitgliedern besprach war, dass sie lebenslänglich ohne Bewährungsmöglichkeiten als ein Leben voller Leistungen und Unterstützungen sehen.

Manche Insassen des Todestraktes wollen keine lebenslängliche Gefängnisstrafe ohne Bewährungsmöglichkeit. Danny Edwards schrieb mir und teilte mir mit, dass ich ihm keinen Gefallen tun sollte, da er kein Leben im Gefängnis ohne Bewährungsmöglichkeit führen will. Sie erwartet eine 5 x 12 Fuß breite Zelle, die normalerweise von zwei Gefangenen belegt ist. Unsere Gefängnisse haben keine Klimaanlage, außer unsere Supermaxgefängnisse, wo die Gefangenen 23 Stunden am Tag in ihren Zellen gehalten werden. In den Sommermonaten steigen die Temperaturen in diesen Gefängnissen auf hundert Grad Fahrenheit. Es ist eine traurige und düstere Existenz. Sie können über ihre Verbrechen nachdenken. Lebenslang ohne Bewährungsmöglichkeit wurde sogar zeitweise von einigen Anklägern als Schicksal beschrieben, das schlimmer als der Tod ist.

Gestern erwähnte ich eine Klage in Livingston County, wo der Richter entschied, dass die staatliche Gefängnisverwaltung zwei Gefangene im Hungerstreik nicht zwangsernähren darf. Der Richter entschied, dass Selbstmord durch Hungerstreik keine irrationale Handlung dieser Gefangenen ist, wenn man bedenkt, was die Zukunft für sie bereithält.

Zuvor in diesem Jahr entschied das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten, dass es verfassungswidrig und eine grausame und unübliche Strafe ist, geistig Behinderte hinzurichten. Das ist heute das Gesetz des Landes. Wie viele Menschen haben wir bereits hingerichtet, die geistig behindert waren und heute tot und begraben sind? Obwohl wir wissen, dass sie verfassungswidrig und illegal vom Staat getötet wurden. Ist das fair? Ist das recht?

Diese Gerichtsentscheidung wurde letzten Frühling gefällt. Die Hauptversammlung schaffte es nicht, irgendeine Definition des Begriffes geistige Behinderung festzulegen. Wir sind in einem steuerlosen Schiff, weil sie es nicht schafften zu handeln. Dies obwohl das Oberste Gericht von Illinois den Gesetzgebern sagte, dass es ihr Job wäre und es erledigt werden muss.

Ich begann bei diesem Thema bei der Frage der Unschuld . Doch als ich das System studierte, als ich feststellte was aus unserem Justizsystem geworden ist, rückte für mich die Frage der Fairness immer mehr in den Mittelpunkt.. Fairness ist für das amerikanische Justizsystem und unsere Art zu leben fundamental.

Die Fakten, die ich sah, als ich jeden einzelnen Fall überprüfte, warfen Fragen auf , nicht nur über die Unschuld der Menschen im Todestrakt, sondern auch über die Fairness des Todesstrafensystems im Ganzen.

Wenn das System so viele Fehler macht bei der Feststellungen, ob jemand wirklich schuldig ist, wie fair und genau war es darin festzustellen, welche Schuldigen es verdienen zu sterben und welche es verdienen zu leben? Welchen Effekt hat Rasse? Welchen Effekt hat Armut?

Und in beinahe jedem einzelnen Fall der entlasteten siebzehn, hatten wir nicht nur Pannen im System bei Polizei, Anklage und Richtern, wir hatten auch furchtbare Fälle von minderwertigen Verteidigungsanwälten. Es gibt keine Möglichkeit, das zu vertuschen. Da sind Verteidigungsanwälte, die sich nicht mit ihren Klienten beraten, den Fall nicht untersuchen und die komplett unqualifiziert waren, einen komplexen Todesstrafenfall zu behandeln. Sie steckten oft keine großen Anstrengungen in den Kampf gegen ein Todesurteil. Wenn Ihr Leben auf dem Spiel steht, sollte Ihr Anwalt für Sie zu kämpfen. Wie ich schon zuvor sagte, ist da mehr als genug was falsch läuft.

Ich hatte noch weitere Fragen.

Ich hatte gelernt, dass wir in Illinois 102 Entscheidungsträger haben. Jeder von ihnen ist politisch gewählt, jeder ist den Wünschen seiner Gemeinde verpflichtet und, in manchen Fällen, den Medien oder besonders lautstarken Opferfamilien. In Fällen, die die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit haben, ist es wahrscheinlicher, dass die Entscheidung fällt, die Todesstrafe zu verlangen. Welche Standards benutzen diese Ankläger?

Manche Menschen haben meine Macht angegriffen, Strafen umzuwandeln, eine Macht, die buchstäblich Hunderte von Rechtsgelehrten im ganzen Land verteidigt haben. Doch die Ankläger in Illinois haben die ultimative Umwandlungsmacht, eine Macht, die jeden Tag genutzt wird. Sie entscheiden, wem ein Todesurteil drohen kann, wer einen Deal bekommt oder auch an wem eine Anklage komplett vorbeigeht. Durch welche objektiven Standards fällen sie diese Entscheidungen? Wir wissen es nicht, sie sind nicht öffentlich. Es gab mehr als 1000 Morde letztes Jahr in Illinois. Es gibt keinen Zweifel daran, dass alle Morde furchtbar und grausam sind. Doch weniger als zwei Prozent dieser wegen Mordes Angeklagten wird die Todesstrafe bekommen. Das bedeutet, dass mehr als 98 Prozent der Opferfamilien nicht jene wie auch immer geartete Befriedigung bekommt, die aus der Hinrichtung des Mörders entsteht. Mehr noch, wenn man sich die Fälle ansieht, wie ich es getan habe, sowohl individuell als auch kollektiv - ein Mord unter den selben Umständen kann in einem Bezirk zu einer Strafe von vierzig Jahren führen und in einem anderen Bezirk zum Tod. Ich habe auch gesehen, wie Mittäter, die genauso und auch mehr verantwortlich waren, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurden, während der weniger verantwortliche Mittäter im Todestrakt landete.

In meiner Überprüfung der einzelnen Fälle fand ich drei Menschen, die in diese Kategorie fallen, Mario Flores, Montel Johnson und William Franklin. Heute habe ich ihre Strafen auf vierzig Jahre reduziert, um sie denen ihrer Mittäter anzupassen und auf die anderen speziellen Umstände dieser Fälle anzuerkennen.

Der Oberste Richter Potter Steward sagte, dass die Verhängung der Todesstrafe für Angeklagte in diesem Land genauso zufällig und unbegründet ist, wie wer von einem Blitz getroffen wird. Jahrelang verteidigte das Kriminaljustizsystem die Todesurteile der 17 entlasteten Insassen des Todestraktes von Illinois und hielt sie aufrecht. Jetzt, wenn die wahren Mörder angeklagt werden, verlangten die Ankläger oft leichtere Strafen als den Tod. In dem Ford Heights Vier Fall bekämpften Verneal Jimerson und Dennis Williams die gegen sie verhängten Strafen 18 Jahre lang bevor sie entlastet wurden. Später verlangten die Ankläger von Cook County eine lebenslange Strafe für zwei der wahren Mörder und 80 Jahre für den dritten.

Was macht den Mord, für den die Ford Heights Vier zum Tode verurteilt wurden zwanzig Jahre später und mit einer neuen Gruppe von Angeklagten weniger grausam und der Todesstrafe weniger wert?

Wir kamen sehr nahe daran, dass das Oberste Gericht unseres Staates entschied, dass unsere Todesstrafenregelung - jene, bei deren Inkraftsetzung im Jahr 1977 ich mitgewirkt habe - verfassungswidrig ist. Der ehemalige Richter am Obersten Gericht, Seymour Simon, schrieb mir, dass es nur ein Zufall war, dass unsere Regelung nicht vom Obersten Gericht des Staates niedergeschlagen wurde. Als er dem Gericht 1980 beitrat, hatten drei andere Richter bereits gesagt, dass die Todesstrafe in Illinois verfassungswidrig sei. Doch sie bekamen kalte Füße, als ein Fall kam, bei der sie diese Frage beantworten mussten. Ein Richter schrieb, dass er abwarten wollte, ob das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten über die Verfassungsmäßigkeit des neuen Gesetzes von Illinois entscheiden würde. Ein anderer sagte, dass ein Präzedenzfall ihn dazu zwang, der Regelung des alten staatlichen Obersten Gerichtes zu folgen, der er nicht zustimmte.

Selbst ein Pharmazeut weiß, dass das keinen Sinn macht. Wir hätten heute keine Todesstrafe und hätten nicht mit diesem Thema zu kämpfen, wenn diese Entscheidungen anders gewesen wären. Wie willkürlich.

Einige Jahre, nachdem wir unsere Todesstrafengesetze in Kraft setzten, wurde Girvies Davis hingerichtet. Richter Simon schreibt, dass er aufgrund dieses verfassungswidrigen Aspekts des Gesetzes von Illinois hingerichtet wurde – der großen Bandbreite nach der jeder Staatsanwalt von Illinois entscheiden muss, ob Fälle für die Todesstrafe qualifiziert sind. Ein Staatsanwalt verzichtete auf die Forderung nach einem Todesurteil, als die erste Verurteilung für eine neue Urteilsanhörung ans Prozessgericht zurückgesandt wurde. Der Ankläger wollte eine lebenslange Gefängnisstrafe verlangen. Doch in der Zwischenzeit wurde ein neuer Staatsanwalt eingesetzt und er änderte die Richtung. Noch einmal verlangte er ein Todesurteil und setzte es durch. Davis wurde hingerichtet.

Wie fair ist das?

Nachdem die Fehler in unserem System bekannt wurden, begann das Oberste Gericht von Illinois , seine Regeln zu reformieren und die Prozesse in Kapitalfällen zu verbessern. Es änderte die Regel dahingehend, dass die Staatsanwälte dem Angeklagten vor dem Prozess mitteilen müssen, ob sie ein Todesurteil verlangen werden, anstatt es nach dem Schuldspruch zu tun. Das Oberste Gericht setzte auch neue Offenlegungsregeln in Kraft, um Angriffe aus dem Hinterhalt zu verhindern und von Beginn an eine bessere Ermittlung in den Fällen zu erlauben.

Doch sollte das nicht bedeuten, dass wenn man vor dieser Regeländerung verurteilt wurde, man einen neuen Prozess oder eine neue Urteilsfindung unter den neuen Sicherheitsgarantien der neuen Regeln verlangen darf? In dieser Frage war unser Oberstes Gericht gespalten. Manche sagten ja, die Mehrheit sagte nein. Diese Richter haben eine lebenslange Erfahrung mit dem Kriminaljustizsystem und es bekümmert mich, dass diese großen Denker bei einem Thema einer derartigen Wichtigkeit so verschiedener Meinung waren, vor allem wenn ein Leben am Spiel steht.

Was machen wir mit den Studien, die zeigen, dass mehr als fünfzig Prozent der Geschworenen in Illinois die verwirrenden und obskuren Urteilsinstruktionen nicht verstehen? Welchen Effekt hat dieses Problem auf die Vertrauenswürdigkeit von Todesurteilen? Eine Überprüfung der Fälle zeigt, dass oft sogar die Anwälte und Richter von den Instruktionen verwirrt sind – ganz zu schweigen von den Geschworenen, die richten sollen. Noch immer kommen Fälle vor das Oberste Gericht mit Argumenten, ob die Geschworeneninstruktionen ausreichend waren.

Ich verbrachte viel Zeit damit, diese Todesstrafenfälle zu untersuchen. Mein Team, von denen viele Anwälte sind, verbrachten arbeitsreiche Tage und viele schlaflose Nächte mit der Beantwortung meiner Fragen, stellte mir Informationen zur Verfügung und gab mir Anleitungen. Es wurde mir klar, dass egal welche Entscheidung ich fällen würde, ich kritisiert werden würde. Es wurde mir auch klar, dass es unmöglich war, seriöse Entscheidungen darüber zu fällen, ob unser Todesstrafensystem wirklich seinen Job getan hat.

Als ich mich meiner Entscheidung näherte, wusste ich, dass ich mich der Frage würde stellen müssen, ob ich so sehr an die Wahl, die ich getroffen hatte, glaubte, dass ich selbst das Todesurteil von Daniel Edwards umwandeln konnte. Dem Mann, der einen engen Freund meiner Familie ermordet hatte. Ich diskutierte es mit meiner Frau Laura Lynn, die all diese Jahre zu mir gestanden hat. Sie war wütend und betrübt über meine Entscheidung, wie es auch viele Familien anderer Opfer sein werden.

Ich war von dem Zorn der Familien von Mordopfern betroffen. Eine Familie sprach über Befriedigung. Sie baten mich, dem Staat zu erlauben, einen Gefangenen in seinem Namen zu töten, um den Familien Befriedigung zu geben. Doch ist das die Absicht der Todesstrafe? Ist es, um die Familien zu besänftigen? Und ist es das wirklich, was die Familien erwarten?

Ich kann mir nicht vorstellen, ein Familienmitglied durch einen Mord zu verlieren. Auch kann ich mir nicht vorstellen, jeden Tag in zwanzig Jahren auf den einzigen Gedanken fixiert zu sein , dass der Mörder hingerichtet wird. Das System des Todes in Illinois ist so unsicher, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass es zwanzig Jahre dauert, bis ein Fall abgeschlossen ist. Und Gott sei Dank. Wäre es etwas schneller gegangen, dann wären Anthony Porter, die Ford Heights Vier, Ronald Jones, Madison Hobley und die anderen unschuldigen Männer die entlastet wurden, tot und begraben.

Doch es ist eine grausame und unübliche Strafe für Familienmitglieder, durch diesen Schmerz, diesen rechtlichen Schwebezustand durch zwanzig Jahre zu gehen. Vielleicht wäre es weniger grausam, wenn wir die Mörder zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilen und unsere Mittel dazu verwenden, den Opfern besser zu helfen.

Es schmerzte mich sehr, als ich von einer Großmutter hörte, die Kinder in einem durch Brandstiftung verursachten Feuer verlor. Sie sagte, dass sie es sich nicht leisten konnte, richtige Grabsteine für ihre verstorbenen Enkelkinder zu kaufen. Warum kann der Staat den Familien nicht helfen, indem er ein richtiges Begräbnis zur Verfügung stellt.

Ein weiteres Verbrechensopfer kam zu unseren Familientreffen. Er glaubte, dass ein Insasse, der für ein anderes Verbrechen im Todestrakt gelandet war, auch auf ihn geschossen und ihn damit gelähmt hatte. Er sagte, dass der Insasse gratis medizinische Hilfe bekommt, während das Opfer damit kämpft, seine wichtigsten ärztlichen Rechnungen zu bezahlen und, als Resultat, kann er sich die medizinische Betreuung nicht leisten, die seine körperlichen Schmerzen lindern würde.

Welche Art von Opferhilfe stellen wir zur Verfügung? Sind all unsere Ressourcen dafür da, den Eindruck von Befriedigung durch eine Hinrichtung zu erwecken, anstatt dass wir den Opferfamilien mit ihren physischen und sozialen Problemen helfen? Und welche Art von Wertvorstellung erzeugen wir in diesen verletzten Familien und in den jungen Menschen? Wie Ghandi sagte, ein Auge für ein Auge macht die ganze Welt blind.

Präsident Lincoln sprach oft darüber, Wunden zu verbinden, als er versuchte, die Union zu halten. 'Wir sind keine Feinde, sondern Freunde. Wir müssen keine Feinde sein. Auch wenn die Stimmung gespannt ist, muss es unsere Bande der Zuneigung nicht zerreißen.'

Ich musste nicht nur die schreckliche Natur der Verbrechen bedenken, die Männer in den Todestrakt gebracht haben, das furchtbare Leid der überlebenden Familienmitglieder der Opfer, die Verzweiflung der Familien der Insassen, sondern ich musste auch frustriert mit ansehen, wie die Mitglieder der Hauptversammlung von Illinois es nicht schafften, auch nur irgendeine substantielle Todesstrafenreform zustande zu bekommen. Nicht eine. Sie konnten sich nicht einmal auf EINE einigen. Wie viele weitere Beweise sind notwendig, bevor die Hauptversammlung ihre Verantwortung auf diesem Gebiet ernst nimmt?

Es ist Tatsache, dass die Unfähigkeit der Hauptversammlung lediglich ein Symbol für das größere Problem ist. Viele Menschen geben ihren Wunsch zum Ausdruck, die Todesstrafe zu haben. Doch nur wenige sind darauf vorbereitet, die ernsthaften Fragen zu beantworten, die aufkommen, wenn das System versagt. Es ist leichter und angenehmer für die Politiker, hart gegen Verbrechen zu sein und die Todesstrafe zu unterstützen. Das bringt Stimmen. Doch wenn es Zeit ist zuzugeben, dass wir ein Problem haben, bemühen sich die meisten, es zu verbergen. Ankläger aus dem gesamten Staat leugnen noch immer, dass das Todesstrafensystem kaputt ist. Oder sie sagen, dass wenn es ein Problem gibt, es ein wirklich kleines ist und wir es irgendwie lösen können. Es ist schwer vorstellbar, wie das System korrigiert werden kann, wenn nicht eine einzelne der von der Todesstrafenkommission vorgeschlagenen Reformen angenommen wurde. Selbst die Reformen, die die Zustimmung der Ankläger bekommen haben, wurden nicht angenommen.

Wann also wird das System repariert? Wie viele weitere Risiken können wir uns leisten? Müssen wir wirklich erst eine unschuldige Person hinrichten, bevor die Tragödie, die unser Todesstrafensystem in Illinois darstellt, wirklich verstanden wird? Diesen Sommer entschied ein Bundesbezirksrichter, dass die Todesstrafe auf Bundesebene verfassungswidrig ist und bemerkte, dass aufgrund der hohen Anzahl von Entlastungen aufgrund von DNA und neuen wissenschaftlichen Technologien, wir ohne Zweifel unschuldige Menschen hingerichtet haben, bevor diese Technologien zur Verfügung standen.

Während ich mich darauf vorbereitete, mein Amt zu verlassen, musste ich mich fragen, ob ich wirklich damit leben könnte zu wissen, dass ich die Möglichkeit hatte zu handeln, doch es versäumte zu tun, weil ich kritisiert werden könnte. Konnte ich mit der Möglichkeit leben, dass unser Todesstrafensystem vielleicht reformiert wird, dass die Verurteilung von Unschuldigen nicht geschehen wird, dass tüchtige Journalismusstudenten vielleicht Männer aus dem Todestrakt befreien würden? Ein System, das so fragil ist, dass es von jungen Journalismusstudenten abhängt, ist ernsthaft beschädigt.

'Es gibt keine ehrenhafte Weise zu töten, keinen sanften Weg zu zerstören. Es ist nichts Gutes an einem Krieg. Nur sein Ende.'

Das sagte Abraham Lincoln über den blutigen Krieg zwischen den Staaten. Es war ein Krieg, der geführt wurde, um das traurigste Kapitel in der amerikanischen Geschichte zu beenden - die Institution der Sklaverei. Während wir heute nicht im Bürgerkrieg sind, erwartet uns etwas, was der größte Kampf um Menschenrechte unserer Zeit sein wird. Stephen Bright vom Southern Center für Menschenrechte vertritt die Position, dass die Todesstrafe in manchen Staaten verstärkt gegen die Armen und Minderheiten verhängt wird.

Unsere eigene Studie zeigt, dass Geschworene viel eher dazu bereit sind, ein Todesurteil zu verhängen, wenn das Opfer weiß ist, anstatt bei einem schwarzen Opfer - dreieinhalb Mal so oft um exakt zu sein. Erst in diesem Monat veröffentlichte Maryland eine Studie über ihr Todesstrafensystem und rassistische Ungerechtigkeiten existieren auch dort. Diese Woche starb Mamie Till. Ihr Sohn Emmett wurde in den 1950ern in Mississippi gelyncht. Sie war eine starke Kämpferin für die Menschenrechte und Versöhnung. Gerade erst vor drei Wochen war sie die wichtigste Sprecherin bei einer Veranstaltung der Opferfamilien für Versöhnung in Chicago. Diese Gruppe, von denen ich viele kennen gelernt habe, ist gegen die Todesstrafe, obwohl ihre Familienmitglieder durch sinnlose Morde umgekommen sind. Mamies Stärke und Gnade beeinflusste nicht nur die Menschenrechtsbewegung - sie inspirierte zum Beispiel Rosa Parks dazu, sich zu weigern, in den hinteren Teil des Busses zu gehen - sondern sie inspirierte bis zu ihrem Todestag auch die Familien von Mordopferfamilien.

Ist unser System zu allen fair? Ist die Justiz blind? Das sind wichtige Menschenrechtsfragen.

Ein weiteres Thema, das mir in meiner Untersuchungen der einzelnen Fälle begegnete ist die Frage des internationalen Rechtes. Die Wiener Konventionen schützen amerikanische Staatsbürger im Ausland und Ausländer in den Vereinigten Staaten. Sie stellen sicher, dass wenn man verhaftet wird, man sein Konsulat kontaktieren kann. Da sind fünf Männer im Todestrakt, denen dieses international anerkannte Menschenrecht verweigert wurde. Mexikos Präsident Vincente Fox kontaktierte mich und drückte seine tiefe Sorge über diese Verletzungen der Wiener Konventionen aus. Wenn wir hier die internationalen Gesetze nicht einhalten, wie könne wir erwarten, dass unsere Bürger außerhalb der Vereinigten Staaten geschützt sind?

Meine Kommission empfahl, dass das Oberste Gericht eine Verhältnismäßigkeitsüberprüfung unseres Systems in Illinois durchführt. Während unsere Berufungsgerichte in jedem einzelnen Fall eine Überprüfung der Akte des Berufungsklägers durchführt, haben sie niemals eine solche große Studie des Gesamtbildes durchgeführt. Stattdessen basteln sie an jedem einzelnen Fall herum, der auf ihrer Liste erschien.

1994, kurz vor dem Ende seiner erstaunlichen Karriere beim Obersten Gericht der Vereinigten Staaten, schrieb Richter Harry Blackmun eine einflussreiche abweichende Meinung über das Gesetz der Todesstrafe. Zwanzig Jahre zuvor war er Teil des Gerichtes, dass die historische Entscheidung im Fall Furman traf. Das Gericht entschied, dass die benutzten Todesstrafenregelungen im gesamten Land mit schweren Fehlern durchzogen waren, wodurch sie verfassungswidrig wurden. Offen gesagt waren das dieselben Probleme, die wir hier in Illinois sehen. Für viele sah es so aus, als ob die Furman Entscheidung das Ende der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten bedeutete.

Das war nicht der Fall. Viele Staaten antworteten auf Furman indem sie neue und verbesserte Todesstrafenregelungen entwickelten und einsetzten. 1976, vier Jahre nach es Furman entschieden hat, folgte Richter Blackmun der Mehrheit des Obersten Gerichtes der Vereinigten Staaten in der Entscheidung, den Staaten eine Chance mit diesen neuen und verbesserten Todesstrafenregelungen zu geben. Da lag großer Optimismus in der Luft.

Das war das Klima im Jahr 1977, als die Gesetzesgeber von Illinois die große Entscheidung fällen musste, ob sie in Illinois die Todesstrafe wieder einführen wollten. Ich war zu dieser Zeit ein Mitglied der Hauptversammlung und als ich den grünen Knopf für die Wiedereinführung der Todesstrafe in diesem großen Staat drückte, tat ich dies in dem Glauben, dass welche Probleme bezüglich der Todesstrafe auch immer in der Vergangenheit aufgetreten sein mögen, jetzt nicht mehr auftreten könnten.. Ich bin sicher, dass die meisten meiner Kollegen, die an diesem Tag mit mir abstimmten, diese Ansicht teilten.

Doch zwanzig Jahre später, nachdem er Hunderte von Todesstrafenentscheidungen bestätigt hatte, realisierte Richter Blackmun am Ende seiner erstaunlichen Karriere, dass die Todesstrafe weiterhin mit Willkür, Diskriminierung, Launenhaftigkeit und Fehlern behaftet ist. Er drückte seine Frustration über einen zwanzigjährigen Kampf aus, Sicherheitsnetze zu knüpfen. In einer heute berühmten abweichenden Meinung schrieb er 1994: 'Vom heutigen Tag an werde ich nicht mehr länger an der Todesmaschinerie herumbasteln.'

Eine der wenigen Dinge in meiner Karriere in Legislative und Exekutive, die mich verärgern ist, dass die Hauptversammlung es nicht geschafft hat, mit mir an der Reform unseres zutiefst zerstörten Systems zu arbeiten.

Ich weiß nicht, warum die Gesetzesgeber die immer lauter werden Rufe nach einer Reform nicht hören kann. Ich weiß nicht, wie viele weitere systematische Fehler entdeckt werden müssen, bis sie endlich bereit sind, zu handeln.

Dreimal versprach ich, das System mit einem Gesetzespaket zu verbessern, dass die Reduzierung der Nutzung von Gefängnisinformanten, einen staatweiten Ausschuss, der entscheidet, welcher Fall todeswürdig ist und eine Reduzierung der Verbrechen, die todesstrafenwürdig sind, gebracht hätte. Diese Reformen hätten kein perfektes System gebracht, doch sie hätten auf dramatische Weise die Chance auf Fehler in der Verwaltung der ultimativen Strafe gebracht.

Der Gouverneur hat in unserem Staat die verfassungsmäßige Rolle, im Interesse der Gerechtigkeit und Fairness zu handeln. Die Verfassung unseres Staates gibt dem Gouverneur die große Macht, Gnadenfristen, Begnadigungen und Umwandlungen aussprechen zu können. Unser Oberstes Gericht hat Insassen daran erinnert, dass ihre letzte Chance für eine Freilassung der Gouverneur ist.

Manchmal diente diese exklusive Gnadenmacht den Gerichten möglicherweise dazu, den wichtigen Änderungen auszuweichen, die unser System braucht.

Unsere systematische Überprüfung aller Fälle hat mehr Fälle unschuldiger Männer zutage gebracht, die fälschlicherweise in den Todesstrakt geschickt worden sind. Da unsere dreijährige Studie nur mehr Fragen über die Fairness der Verurteilung aufgeworfen hat; wegen dem spektakulären Versäumnis unser System zu reformieren; weil wir gesehen haben, dass zahlreichen Todestraktinsassen mit potentiell anerkennungswürdigen Ansprüchen Gerechtigkeit verweigert wurde; weil das Todesstrafensystem in Illinois willkürlich und unberechenbar - und deshalb unmoralisch - ist sollte ich nicht mehr länger an der Todesmaschinerie herumbasteln.

Ich kann es nicht eloquenter sagen als Richter Blackmun.

Die Gesetzesgebung konnte sie nicht reformieren.

Doch ich werde nicht für sie einstehen.

Ich muss handeln.

Unser Todesstrafensystem ist mit dem Dämon der Fehler geschlagen, Fehler in der Feststellung von Schuld und Fehler in der Feststellung, ob der Schuldige es verdient zu sterben. Aufgrund all dieser Gründe wandle ich heute die Urteile aller Todestraktinsassen um.

Das ist eine pauschale Umwandlung. Ich weiß, dass sie Hohn, Verachtung und Wut von vielen, die diese Entscheidung ablehnen, auslösen wird. Sie werden sagen, dass ich die Entscheidungen von Richtern und Geschworenen und der staatlichen Rechtsgebung untergrabe. Doch wie ich gesagt habe, diese Menschen in unserem Staat haben mich dazu gezwungen, im Interesse der Gerechtigkeit so zu handeln. Selbst wenn diese Ausübung meiner Macht für mich eine Belastung wird, werde ich sie tragen. Unsere Verfassung unterstützt sie. Ich wollte dieses Amt und selbst in meinen letzten Tagen darin kann ich mich nicht den Verpflichtungen der Gerechtigkeit und Fairness entziehen, die es verlangt.

Es gab viele Nächte, in denen mein Team und ich um unseren Schlaf gebracht wurden, um unsere erschöpfende Überprüfung des Systems durchführen zu können. Doch ich kann Ihnen Folgendes sagen: Ich werde gut schlafen im Wissen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Wie ich es sagte, als ich das Moratorium ausrief, es ist Zeit für eine rationale Diskussion über die Todesstrafe. Während unsere Erfahrungen in Illinois eine Debatte entfacht haben, haben wir es nicht geschafft, eine rationale Entscheidung zu fällen. Wenn ich diese Entscheidung jetzt nicht treffen würde, so fürchte ich, gäbe es niemals eine umfassende und ernsthafte Überprüfung der Schuld der Personen im Todestrakt oder der Fairness ihrer Urteile.

Um es noch einmal klar auszudrücken - Das Todesstrafensystem in Illinois ist kaputt. Es hat dazu geführt, dass unschuldige Männer nur um haaresbreite ihrer ungerechten Hinrichtung entgangen sind. Die Gesetzesgebung hat sich geweigert, es zu reparieren. Unsere neue Gesetzesgebung und unser neuer Gouverneur müssen handeln, um unseren Staat von der Schande zu befreien, den Unschuldigen mit Hinrichtung und den Schuldigen mit Unfairness zu drohen.

In den kommenden Tagen werde ich darum beten, dass wir unsere Herzen öffnen können und den Opferfamilien etwas anderes zur Verfügung stellen, als die Hoffnung auf Rache. Lincoln sagte einst: 'Ich fand immer, dass Gnade größere Früchte hervorbringt, als strenge Justiz.' Ich kann nur hoffen, dass das so sein wird.

Gott segne Sie.

Und Gott segne die Menschen von Illinois.

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