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Lebensbedingungen im texanischenen Todestrakt

Wir veröffentlichen hier einen Text der Abolitions-Bewegung, in welchem die Gefangenen im texanischen Todestrakt ihre Forderungen auflisten um die Lebensbedingungen dort zu verbessern. Derzeit befinden sich sehr viele texanische Todestraktinsassen im Hungerstreik. - Susan Nowacki

Werte Abolitionisten, 

die Abolition-Bewegung hat eine große Anzahl Briefe von Menschen aus dem Todestrakt bekommen, mit den Informationen, dass die Lebensbedingungen sich von schlecht zu noch schlechter entwickeln. Unsere Mitglieder waren zu Besuch und erfuhren von den jüngsten Angriffen, massiven Nivellierungen und den generellen Anstieg der Unterdrückung. Wir ermutigen Dich, jemandem schreiben oder zu besuchen, der im Todestrakt sitzt um diesen in dieser Zeit  zu unterstützen, in der er beispielloser Gewalt durch das Personal der Polunsky Unit ausgesetzt ist. Wir haben eine Liste von Menschen, die Briefe zur Unterstützung brauchen. 

Offenbar haben sie dort vor kurzem ein paar Hungerstreiks begonnen, einige sind noch dabei. Das Nachfolgende sind die Forderungen, die wir von den Menschen bekommen haben, die dort zusammen arbeiten.

Die Abolitions-Bewegung  hat die Erfahrung gemacht, dass isolierte Hungerstreiks, individuelle Proteste und andere Aktionen des Widerstandes gut sind aber nicht so effektiv wie sie es mit der  Unterstützung von draußen sein können. Einige aus dem Trakt bekommen offensichtlich  die Gewalt von Beamten zu spüren zum Beispiel durch Gas, durch Extraction-Teams und durch Schläge so dass sie sagen können, sie haben sich widersetzt und es Videos davon geben wird.

Wir entwickeln derzeit eine Strategie, wie wir die Menschen im Trakt am besten  von draußen unterstützen können, während sich die Bedingungen weiterhin rapide verschlechtern. 

Jetzt wollen wir mit Euch den Teil eines Briefes teilen, den wir erhalten haben, sowie einige Ausschnitte von anderen Briefen. 

Denkt daran, was ein Mann gesagt hat: "Wir worden zum Tode verurteilt und NICHT zur Folter!"

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GRÜNDE FÜR DEN HUNGERSTREIK---APRIL 2011

Die Büros der Aufseher, Majore und Leutnants und anderen hohen Abteilungen haben den Schutz und die Sicherheit von Gefangenen des Todestraktes zu garantieren. Es liegt nicht in ihrer Position oder in ihrem Berufstiteln, den Todestraktinsassen grausame und ungerechte Bestrafung zuzufügen, nur aus dem Grund, dass sie im Todestrakt sind.

In den letzten Jahren, haben die Aufseher der Polunsky Unit in Livingston, Texas, sich selbst dazu verpflichtet grausame und ungerechte Bestrafungen zu verhängen, den Gefangenen des Todestraktes alle Privilegien zu nehmen und damit die Gefangenen provoziert Vergeltung gegen die Beamten im Dienst zu verüben, sowie auch den psychischen Gesundheitszustand der Gefangenen im Todestrakt labil werden zu lassen.

Die administrative Segregation dient der Verhaltensänderung und ist eine strafende Instrumentalisierung um Gesetzesübertreter maß zu regeln aber sie gilt nicht für die längerfristige Unterbringung von Gefangenen.

Todestraktinsassen sind KEINE administrativen Segregations-Gefangenen (Ad Seg) aber Gefangene deren Fälle in Berufungen hängen ohne die Möglichkeit in eine weniger intensive Gewahrsamsebene umklassifiziert zu werden und deshalb sollten sie nicht wie ein Ad Seg behandelt werden. (Anmerkung des Übersetzer: In den USA gibt es das Segregationsprogramm. In dieses Programm kommen Straftäter, die im Gefängnis besonders durch Gewalttätigkeiten auffallen. Sie werden zur  Besserung und Sicherung segregiert.)

Aus diesem Grund sind wir im Hungerstreik und wir wollen eine Neueinstufung für die Gefangenen im Todestrakt, welche uns das Recht und die Privilegien gibt, dass wir nicht mehr wie Ad-Seg- Gefangene behandelt werden.

Wir fordern folgendes:

A. einen Raum für die religiöse Betreuung und/oder tragbare CD-Player um religiöse Musik und religiöse Lehren hören zu können. Derzeit ist der einzige Kaplan für den Todestrakt ein Katholik. Viele Männer haben keinen katholischen Glauben. Wenn man uns portable CD-Player gibt und uns erlaubt anderes religiöses Lehrmaterial und religiöse Musik zu hören dann könnten wir unsere eigenen Glauben praktizieren. Wir fordern dies nur für den religiösen Zweck.

B. Wir fordern die Erlaubnis wieder einen Fernseher haben zu dürfen. Es ist eine erzwungene Verhaltensstrafe keinen Fernseher haben zu dürfen, Fernseher riskieren nicht die Sicherheit des Personals oder dass der Gefangenen. Jeder Raum in diesem Gebäude, in dem der Todestrakt untergebracht ist verfügt nicht nur über einen Kabelanschluss für TV sondern es gibt auch Überwachungskameras in den Tagesräumen, außerhalb der Tagesräume in der Nähe des Streikposten-Büros und in den Gängen. Alternativ fordern wir einen Fernseher für die Zellen, die Kabelanschlüsse werden ständig getestet, so dass Fernseher in den Zellen sein können und in den Außenbereichen, die überwacht werden.

C. Als Nicht-Segregations-Straftäter  hat man bedingt durch die Gesetzgebung Telefonprivilegien. Todestraktinsassen sind dabei nicht ausgeschlossen und wir fordern die gleichen Rechte um telefonieren zu können. Bevor wir wie allgemeine Strafgefangenen eine Telefonanlage , die ihnen das Führen ihrer eigenen, privaten Telefongespräche ermöglicht, nutzen durften, entstand die Regel des 5-Minuten Gespräches durch die Gefängnisleitung, welches letztlich auch nur für die Gefangenen des Todestraktes gilt, die keine Differenzen mit der Gefängnisleitung haben.

Die Erlaubnis für Telefonnetze enthält keinerlei Details darüber, dass Todestraktinsassen keine privaten Telefongespräche führen dürfen. Deshalb fordern wir das gleiche Recht, welches auch den allgemeinen Strafgefangenen zusteht, telefonieren zu dürfen.

D. Wir fordern, dass wir Kunstutensilien von Drittanbietern draußen bestellen dürfen. Wir sollten die Möglichkeit haben verschiedene Wasserfarben, Ölfarben, Pinsel etc.pp. bestellen zu dürfen. Zur Zeit können wir nur Wasserfarben kaufen, bei denen die Farbauswahl sehr gering ist und die Pinsel enthalten, die aus schlechtem Material sind. Wir sind in einer kleinen Zelle eingeschlossen, die zu klein für Aktivitäten ist und wir haben als Gefangene, die mehr als 22 Stunden am Tag eingesperrt sind, das Recht von Drittanbietern Kunstmaterial zu bestellen. Uns diese Recht zu nehmen bedeutet, uns psychischer Bestrafung auszusetzen.

E. Wir fordern das Privileg uns in unseren Zellen rasieren zu dürfen. Weil uns vor kurzem der Erwerb und der Besitz von Rasiermessern untersagt wurde, müssen wir uns nun in den Duschen rasieren. Die Duschen sind verschimmelt und Seifen-und Rasierschaum klebt an den Wänden weil die Duschen nicht ordentlich sauber gemacht werden. Aufgrund der unhygienischen Bedingungen in den Duschen sind die Todestraktinsassen nun in Gefahr sich mit Hepatitis C, das weit verbreitet in texanischen Gefängnissen ist, anzustecken. Einige Todestraktinsassen haben HIV/AIDS und nur ein paar kleine Schnitte in deren Gesicht produzieren Blut, welches in den Duschen bleibt, die immer unsachgemäß desinfiziert werden. Das ist eine Verletzung der TDCJ – Regeln und unserer Gesundheit. Deshalb, und nur aufgrund dieser Gesundheitsgefahren, fordern wir dieses Privileg uns in unseren Zellen rasieren zu dürfen, unbedingt zurück.

F. Wir fordern, die Regel, dass das Personal Handschuhe und Haarnetze trägt damit unsere Gesundheit nicht vom diensthabenden Beamten, der uns das Essen ausgibt, nachdem er die Unterwäsche und die Schuhe von den Gefangenen, die voller Keime sind berührt hat,  in Gefahr gebracht wird. Tagtäglich zieht der diensthabende Beamte die Gefangenen vor und nach der Freizeit und vor und nach dem Duschen, aus und fasst dabei die Boxershorts und die Schuhe und die Duschlatschen an. Dann geben sie uns das Essen ohne sich vorher die Hände gewaschen zu haben, sie benutzen nur einmal in der Woche  eine Reinigungslösung, die ihre Hände aber nicht keimfrei macht.

So fassen die Beamten unser Essen an und tragen dabei keine Handschuhe und keine Haarnetze, wie es die Hygienevorschrift verlangt. Sogar in der Küche des Units, sind die Gefangenen verpflichtet Handschuhe und Haarnetze zu tragen, während sie uns das Essen machen, das ist gesetzlich so geregelt. Deshalb fordern wir die Vorschrift, dass Beamte Handschuhe und Haarnetze tragen müssen.

G. Ein weiteres Problem ist, dass der Essenswagen auf den Pod gebracht wird und die Beamten ihn über eine Stunde stehen lassen, bevor sie uns das Essen austeilen. Wenn sie das tun ist das Essen an den Tabletts bereits angetrocknet und für uns besteht die Gefahr der Kontamination. Wenn die Beamten sich gezwungen sehen den Wagen zurückzugeben um frische Tabletts zu bekommen, dann bekommen sie das Essen aber auf den selben Tabletts zurück. Das ist auch ein Ursache dafür, dass die Gefangenen krank werden. Wir fordern die Beamten auf den hier herrschenden Regeln  zu folgen und uns das Essen in der vorgegebenen Zeit auszuteilen. Wenn ein Essenswagen zur Küche zurück geschickt wird, muss ein Beamter sicherstellen, dass sie in der Küche die mit Essen angetrockneten Tabletts gegen neue austauschen. Außerdem darf es der ersten Schicht nicht erlaubt sein, die Essenausgabe an die zweite Schichte zu übergeben, damit diese das Essen an die Gefangenen verteilt.

H. Zur Zeit gibt es hier ein Razzia-Team, dass die Pods und alle Bereiche regelmäßig filzt.  Nun gibt es alle 3 Monate einen Lockdown (Anmerkung des Übersetzers: Die Gefangenen werden auf unbestimmte Zeit eingeschlossen und dürfen ihr Recht auf alltäglichen Aktivitäten, dazu gehören u.a. Besuche, Korrespondenz, Dayroom sowie auch Hygienemaßnahmen, nicht wahrnehmen) und wir werden gefilzt; das wird bei Gefangenen im Death Row und Segregationsgefangenen gleichermaßen gemacht.

Das ist eine weiterer Missbrauch der Macht der Beamten und der Lockdown hindert uns auch daran, im Gefängnisladen Essen, Briefmarken und Hygieneartikel zu kaufen. Sobald wir alle 3 Monate im Lockdown sind, werden wir durch das Razzia-Team gefilzt. Gefangene in allgemeinen Gefängnissen bekommen nur 2x im Jahr einen Lockdown. Nun werden wir alle 3 Monate, zusätzlich zu den 2x im Jahr eingeschlossen und immer werden wir dabei gefilzt.

Das ist eine grausame und ungerechte Strafe. Deshalb fordern wir, dass Todestraktinsassen nur 2x im Jahr einen Lockdown bekommen, so wie es vorher auch war und wie es auch in den allgemeinen Gefängnissen ist. Oder wir fordern, dass das Razzia-Team des Units das ständige Filzen der Todestraktinsassen vermindert. Wenn wir weiterhin alle 3 Monate eingeschlossen werden, dann sollten wir NICHT auch noch die anderen 2 regulären Lockdown über uns ergehen lassen müssen. Zudem fordern wir, dass es uns während eines Lockdown erlaubt ist Briefmarken, Essen und Hygieneartikel zu bestellen. Und wir fordern ein heißes Essen am Tag, während die allgemeinen Gefangenen im Lockdown sind (Anmerkung des Übersetzer: diese Gefangenen kochen sonst üblicherweise für die Todestraktinsassen. Beim Lockdown aber nicht).

Wir fordern hier keine besondere Behandlung oder etwa Dinge, die den allgemeinen Gefangenen nicht zustehen aber wir fordern die gleichen Rechte und Privilegien, die diese auch haben. Wir haben diese Privilegien auch gehabt, bevor wir ins diesen Unit verlegt wurden.

Wir fordern außerdem, dass die Gefängnisleitung damit aufhört ihre Autoritätsmacht dazu zu benutzen und uns dafür zu bestrafen, dass wir im Todestrakt sind und uns unser Recht gewährt friedliche zu leben während unser Fälle noch in den Berufungen sind.

Auszüge aus anderen Briefen:

"Eines ist sicher: die Idee für den Hungerstreik ist ein Resultat der raschen und absolut unverschämten ansteigenden Unterdrückung, die hier seit den letzten Monaten vor sich geht...Die letzen Monate waren aberwitzig.  Zum ersten Mal in der Geschichte des Todestraktes von Texas haben sie eine Erschütterungswaffe (Concussion Weapon) gegen jemanden eingesetzt. Ich bin mir nicht sicher, wie man sie genau nennt aber es ist ein Gewehr, welches zur Kontrolle bei einem Aufruhr eingesetzt wird und welches sehr gefährliche Projektile abfeuert. Dem Kumpel wurde damit ins Gesicht geschossen und er war sofort bewusstlos. Außerdem wurde zum ersten Mal in der Geschichte des texanischen Todestraktes ein Kumpel mit einem Metallschlagstock bei einem Use of Force geschlagen. Sie haben noch nie, als Anwendung von Gewalt, einen Schlagstock benutzt. Sie haben mit den Briefen gespielt und sich über Menschen lustig gemacht, kleine lächerlich Disziplinarvergehen. Sogar der Fall von Frau – und das ist nicht einmal eine von den - sogar etwas - netten Fällen von Frau im TDCJ – erwähnte gegenüber einem anderen Beamten, dass der dramatische Anstieg der absurden Disziplinarmaßnahmen dumm wirkt. Aktuell ist es so, dass die meisten Beamten nicht das tun, was sie sonst hier taten. Die meisten der idiotischen neuen Beamten kommen aus einer menschlichen Umgebung,aus der nie (oder seltener) jemand on Death Row kommen würde." 

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"Vor einer Weile haben einige von uns Ihre Freunde und Familien darum gebeten uns zu helfen, gegen diesen Missbrauch, der hier passiert zu protestieren. Also ich habe beschlossen, neben den Beschwerden, die ich immer erstatte, meinen eigenen Protest zu machen. Ich starte heute (20. April 2011). Ich werde einen 15-tägigen Hungerstreik machen oder ich versuche es zumindest. Ich bin mir sicher, dass ein paar von Euch sich darüber wundern werden. Also ich hoffe, dass ich mit dem Hungerstreik und dem tagtäglichen Schreiben darüber, mehr Aufmerksamkeit auf das was passiert, ziehen kann und damit mehr Menschen davon überzeugen kann uns zu helfen. Das ist das erste Mal, dass ich das tue und also weiß ich nicht, wie es vonstatten gehen wird. Ich weiß jetzt aber, dass mein Innerstes mir sagt, dass ich das tun muss. Heute war nun mein erster Tag, ich werde später mehr darüber schreiben. Mit dem Herzen und im Kampf..." 

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"Ray Ray wurde mehrere Male mit einem Paintball-Gewehr beschossen aber es sind keine Paintballs sondern Balls, die mit Gas gefüllt sind—als er zum Sprecher für die Gefängnisstation fungierte, die sehr schlimm von zwölf Wächtern zusammengeschlagen wurde. Zwölf Wächter! Die meisten der Guys in meiner Abteilung und innerhalb meines Podes, mit denen ich gesprochen habe, stimmen mit mir überein, dass die Schlägertruppe  neuerdings viel schneller in Situationen auftaucht und viel gefährlicher geworden ist....Da gibt es einen Ex-Beschwerde Beamten, namens Leutnant Worthy der nun nicht mehr im Todestrakt ist.  Ich sprach mit der Katze namens XXXXXXXX und Du wirst nicht glauben, wie schlecht sein Eigentum, während einer Razzia unter der Leitung von Leutnant Worthy, behandelt wurde.  Ich will jetzt nur so viel sagen: Als ich ihn fragte, warum er sich darüber nicht beschwert habe, sagte er nur: “ich hatte buchstäblich Angst."

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"Zwei Guys führten ein Schrei-Gespräch im benachbarten Bereich. Wir hörten die schreckliche Nachricht, wie ein Dude auf einem anderen Pod, mit einer militärischen Riot-Kontroll-Granate angegriffen wurde. Jemand erzählte die letzte Neuigkeit, die rumging, dass Cleve Foster – bei dem jeder weiß, dass er absolut unschuldig ist – einen Aufschub erhalten hat und gestern nicht hingerichtet wurde..."


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