Hinrichtungen 2013: min. 778 plus 'Tausende' in China

Die Todesstrafe im Iran

Im Iran wird das überlieferte  islamische Recht, die Scharia, in sehr wörtlicher Auslegung angewandt.

Die Todesstrafe wird unter anderem gefordert für vorsätzlichen Mord, Ehebruch und Vergewaltigung, aber auch Homosexualität, Alkoholkonsum, Sodomie oder Abkehr vom Islam können mit dem Tod bestraft werden, daneben gibt es auch für Mord, Vergewaltigung, Handel mit Drogen oder Gotteslästerung das Auspeitschen als Strafe.

Man kann auch wegen 'Moharebeh' (Feindschaft gegen Gott) zum Tode verurteilt werden. Dieser Straftatbestand ist im iranischen Recht sehr vage formuliert. Diese Anklage wird oft gegen Personen erhoben, die man des bewaffneten Kampfes gegen den Iran, bewaffneten Raubes oder der Spionage beschuldigt. Politisch anders Denkende sind grundsätzlich in Gefahr, gemäß dieses Anklagepunktes verurteilt zu werden.

Geistig behinderte Menschen oder Jugendliche dürfen gemäß der Scharia nicht zum Tode verurteilt werden, außerdem hat der Iran den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnet. Trotzdem geschieht es immer wieder, dass die Todesstrafe für Jugendliche von speziellen Jugendgerichten ausgesprochen wird, weil nach iranischer Auslegung Mädchen ab neun und Jungen ab fünfzehn Jahren als erwachsen gelten.

In den 80er Jahren wurden Tausende in sogenannten Schnellprozessen verurteilt und hingerichtet, während derer sie kaum eine Möglichkeit hatten, sich zu verteidigen. Die Massenprozesse und Verurteilungen von Teilnehmern gewaltfreier Proteste nach den Wahlen 2009 entsprachen weder rechtsstaatlichen noch islamischen Standards, sodass auch iranische Kritiker von einem Missbrauch des Rechts als Terrorinstrument sprechen.

Die Scharia erkennt Aussage und Zeugnis sogenannter 'rechtschaffener Männer' als Beweismittel an, sie sind dadurch richtungsweisend für das Strafmaß und nicht anfechtbar seitens des Angeklagten. Nicht selten steht den Angeklagten kein Anwalt zur Seite, Geständnisse werden auch durch Folter erzwungen.

Ist jemand des Mordes für schuldig befunden worden, bedeutet das nicht zwangsläufig seine Hinrichtung. Der dem Opfer am nächsten stehende, männliche Verwandte, kann entweder den Hinzurichtenden gegen Zahlung einer finanziellen Entschädigung begnadigen oder aber auch die Hinrichtung des Angeklagten fordern.

Hinrichtungen finden sowohl in aller Öffentlichkeit statt (Hängen auf Kranwagen) als auch im Geheimen (vor allem durch Erhängen oder Erschießen). Für Steinigungen gelten besondere Bestimmungen. So dürfen die Steine nicht so groß sein, dass die Hinzurichtenden direkt nach den ersten Steinwürfen versterben. Andererseits müssen sie aber groß genug sein, um tatsächlich auch Verletzungen zufügen zu können. Bei einer Steinigung werden Frauen bis zu dem Schultern in der Erde eingegraben, Männer bis zu den Hüften. Danach werfen Männer, die im Kreis um die Hinzurichtenden stehen, Steine auf diese, bis sie tot sind. Kann sich ein Hinzurichtender während der Steinigung aus der Erde befreien,  gilt dies als Gottesurteil und er oder sie ist frei. Dies geschieht allerdings nur sehr selten.

Die Hinrichtungszahlen im Iran steigen: Wurden 2005 noch 94 Menschen hingerichtet, darunter acht Minderjährige, so waren es 2009 nach Angaben von Amnesty International mindestens 388 Personen.

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