Hinrichtungen 2018: min. 690 plus 'Tausende' in China

Erster menschlicher Kontakt nach Jahren: Connie Wright umarmt ihren Mann - kurz nach dessen Hinrichtung.

Angehörige von Todestraktinsassen

Während der Debatte über die Todesstrafe scheinen die Familien der Todestraktinsassen und der Effekt, den die Langzeithaft und anschließende Exekution auf Insassen und Familien hat, von der Gesellschaft und den Entscheidungsträgern nur allzu oft vergessen zu werden.

Die meisten Todestrakte in den USA bieten nur berührungslose Besuche für Familienmitglieder und Freunde an. Mütter können ihre Söhne nicht mehr umarmen, Ehefrauen sehen ihre Männer nur noch durch Glas und Kinder sind nicht mehr in der Lage, Mutter oder Vater zu berühren. Der rennomierte Psychater Karl Menninger sagt, solche Besuche seien auf unnötige Weise schädlich.

Ein Familienmitglied im Todestrakt zu haben setzt eine gesamte Familie enorm unter Stress. Dieser Stress wird durch verschiedene Faktoren noch verschlimmert: Nicht nur, dass man einen geliebten Menschen nicht mehr berühren darf. Darüber hinaus wird man von den Nachbarn argwöhnisch beäugt; die Kinder werden von ihren Klassenkameraden abgelehnt und verspottet. Sie müssen ertragen, dass ihre Väter von den Schlagzeilen zu 'Monstern' erklärt werden, Familienmitglieder verlieren teilweise ihre Arbeitsstellen und Familien brechen auseinander, weil sie dem Stress auf Dauer nicht standhalten können.

Mit der Tat des geliebten Menschen umgehen zu müssen ist für sich genommen schon nicht leicht, doch diese Last wird noch vergrößert von Anzahl und Ausmaß der zum Teil endlosen Gerichtsverhandlungen. Oftmals werden die Familienangehörigen der Täter beim Verlassen des Gerichtssaales mit prüfenden Blicken, erniedrigenden Kommentaren und Aktionen von Presse und Umstehenden konfrontiert. Öffentlichkeit und Nachrichtenpresse sind selten 'freundlich' zu Todestraktinsassen oder deren Familien, und die Familien leiden mitunter am meisten unter diesem Verhalten.

Diese Familien müssen auch ertragen, dass sie das genaue Sterbedatum des geliebten Menschen kennen - mit exakter Uhrzeit, und das in vielen Fällen sechs Wochen oder Monate vorher. Das erhöht den Stress und bringt ihn auf ein Level, welches ein unerträgliches Maß um das vielfache überschreitet.

Familienmitglieder leiden in dieser Zeit ganz besonders unter Depressionen und Angstzuständen, sie fühlen sich hoffnungslos und haben unter vielen anderen psychischen Problemen zu leiden.

In vielen Fällen muss die Familie während der Haft und nach der Exekution ohne den Hauptverdiener zurecht kommen.

Einer Exekution beizuwohnen kann für sich selbst genommen bereits eine grässliche Erfahrung sein. Die Folgen, die sich für Familienmitglieder daraus ergeben, können verheerend sein, und oftmals leiden die Menschen den Rest ihres Lebens unter dieser Erfahrung.

Von staatlicher Seite gibt es keine Hilfe für solche Familien, alle Hilfe muss aus der Familie selbst kommen. In einigen Fällen helfen die Kirchengemeinden; manchmal können sich die Familien auch privat bezahlten psychologischen Beistand leisten. Der Großteil der Gesellschaft ist schlichtweg nicht an der Belastung interessiert, der diese Familien ausgesetzt sind. Sie werden selber Opfer, aber anstatt von der Gesellschaft aufgefangen zu werden, scheint diese sie oft sogar für das Geschehene veratwortlich zu machen.

Die Organisation 'Murder Victim’s Families for Human Rights' sieht die Familien von Todestraktinsassen ebenfalls als Opfer. Deshalb haben sie das Projekt 'No silence, no shame' ins Leben gerufen, das helfen soll, die Öffentliche Aufmerksamkeit auf das enorme Leid zu lenken, das durch die Todesstrafe in die Familien der Todeskandidaten getragen wird.

Unterzieht man diese Effekte einer Gesamtbetrachtung kommt man zu dem Schluss, dass die Familien von Todestraktinsassen dem gleichen Stress ausgesetzt sind, wie die Todeskandidaten selbst, und das in allen Ländern welche die Todesstrafe noch praktizieren.

In Ländern wie Japan, Weißrussland oder China werden die Familien oft noch nicht einmal über die bevorstehende Exekution ihrer Lieben informiert. In manchen Ländern werden sie erst davon in Kenntnis gesetzt wenn man sie anweist, die Leiche abzuholen. Familien werden im Dunkeln darüber gelassen ob ihr geliebter Mensch noch am Leben ist, oder vielleicht sogar bereits Monate zuvor exekutiert wurde. Manchmal müssen die Familien der Täter die Kosten der Exekution sogar selbst tragen, was dazu führt, dass in manchen Fällen eine ins Haus flatternde Rechnung eine erste Information über den Tod eines geliebten Menschen ist.

Brieffreunde

Sie möchten sich persönlich engagieren und für einem Menschen im Todestrakt  ein Fenster zur Welt sein?

Sie möchten für einen Menschen, der unter menschenunwürdigen Bedingungen leben muss, einen Unterschied machen?

Schauen Sie auf unsere Brieffreundschaftsseiten ...