Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte, dass US-Gefängnisse immer mehr zu Verwahranstalten für geisteskranke oder geistig zurückgebliebene Gefangene werden. Zahlreiche Inhaftierte werden dabei missbraucht und vernachlässigt. In einer neuen landesweiten Studie bezeichnete Human Rights Watch Texas als einen der Bundesstaaten mit erheblichen Missständen bei der Gesundheitsfürsorge für kranke Gefangene, der Bericht spiegelt jedoch auch die Probleme anderer Staaten wider:
* Trotz seiner Halluzinationen, Selbstmordversuche und Selbstverstümmelungen wurde die medizinische Versorgung eines Gefangenen gestoppt. Ein Arzt entfernte ihn aus der psychiatrischen Einheit und empfahl, den Inhaftierten zu schwerer Feldarbeit heranzuziehen. Der Studie zufolge setzte der Häftling daraufhin seine Selbstverstümmelungen fort, versuchte sich zu erhängen und ist nun in einem Zustand, in dem er nur noch vor sich hin vegetiert.
* Der Besuch eines Psychologen in einem texanischen Gefängnis ergab, dass viele der in Isolationszellen untergebrachten Gefangenen geisteskrank sind. "Die meisten von ihnen befanden sich in tiefem Elend und hatten Schmerzen", schloss der Experte.
* Ein Gefängniswärter in Texas gab einem geistig unstabilen Häftling, der gedroht hatte, sich selbst zu verstümmeln, eine Rasierklinge.
* Ein 47-jähriger geisteskranker Gefangener verstarb, weil er zu großer Hitze ausgesetzt war, und ein weiterer Inhaftierter wurde mit 41,2 ° Fieber auf der Gefängniskrankenstation eingeliefert. Psychopharmaka kann in den heißen Sommermonaten die Hitzeempfindlichkeit eines Erkrankten erhöhen.
Dem Bericht zufolge ist ein Mangel an Mitteln, Programmen und qualifiziertem Personal sowie Gefängnisbestimmungen, die eine ordnungsgemäße, medizinische Behandlung verhindern, dafür verantwortlich, dass viele geisteskranke oder geistig behinderte Gefangene in US-Gefängnissen unbehandelt bleiben.
(Austin American Statesman)


home