Rechtsbeistand – eine Frage von Leben oder Tod: Kampagne zum Welttag gegen die Todesstrafe am 10. Oktober 2020

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. stellt Buch mit Texten von Todestraktinsassen für Büchereien und Schulen zur Verfügung

Der 10. Oktober ist der internationale Tag gegen die Todesstrafe, der von der World Coalition Against the Death Penalty bereits zum 18. Mal in Folge ausgerufen wird. Dieses Jahr steht der Zugang zu kompetenten Strafverteidigern im Mittelpunkt.

Dass Angeklagten, denen die Todesstrafe droht, kein kompetenter Strafverteidiger zur Seite steht, ist in vielen Staaten der Erde trauriger Alltag. Nicht nur in Diktaturen wie China, Iran oder Saudi-Arabien. In Japan dürfen Verurteilte keinen Besuch von ihren Verteidigern erhalten, was eine angemessene anwaltliche Beantragung von Berufungsverfahren stark einschränkt.

In den USA kommt es immer wieder zu Verurteilungen von mittellosen Gefangenen, denen ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt wird. Damit wird Strafverteidigung für die Angeklagten zum „russischen Roulette“. Denn einige der Pflichtverteidiger machen sich nicht die Mühe, relevante Einsprüche zu erheben, zum Beispiel zu nicht belegten Behauptungen der Staatsanwaltschaft oder von angeblichen Augenzeugen. Das kostet Menschenleben – die der Verurteilten.

Ein Mitglied der Initiative gegen die Todesstrafe e.V. begleitet einen zum Tode Verurteilten in Florida während seines Berufungsverfahrens: „Dokumente und Akten, die eingereicht wurden, gingen immer verloren oder wurden nicht weitergeleitet. Bei der Verhandlung hatte das Verteidigerteam fast keine strafmildernden Argumente vorzubringen – das überraschte uns nicht, da keiner der Anwälte jemals versucht hat, ihn kennenzulernen. In ihren Aussagen widersprachen sie sich selbst; manchmal schien es, als gehörten sie der Gegenseite an. Mein Freund verlor seinen Fall mit einer 12:0-Entscheidung – schlimmer als im ursprünglichen Prozess, als er sich selbst vertrat. Aber er hat keine Mittel und keinen Zugang zu einer guten rechtlichen Vertretung – und das ist es, was am Ende über Leben oder Tod entscheidet.”

Im Rahmen der Kampagne hat die Initiative gegen die Todesstrafe e.V. Exemplare ihres Buches “Leben im Todestrakt – Life on Death Row” Stadt- und Schulbüchereien, Universitätsbibliotheken und Weltläden zur Verfügung gestellt – z.B. in Wuppertal, Leipzig, Krefeld, Wien, Frankfurt, Marburg, Saarbrücken, Freiburg, Hamburg, Trier, Bonn und Dresden.

Das Buch enthält Berichte und Gedichte sowie Gemälde und Zeichnungen von Todestraktinsassen der USA, die auch den mangelnden Rechtsbeistand in den Vereinigten Staaten dokumentieren.

Das Buch:

Leben im Todestrakt – Life on Death Row:
Beiträge von Häftlingen in den Todeszellen der USA – Contributions of Prisoners sentenced to Death in the USA

Taschenbuch (Deutsch und Englisch)
16. November 2018, 156 Seiten

ISBN: 978-3746781051

Der Verein: Als gemeinnützig anerkannter Verein engagiert sich die Initiative gegen die Todesstrafe e.V. für eine weltweite Abschaffung der Todesstrafe. Die Schwerpunkte unserer Tätigkeit liegen in fundierter Aufklärungsarbeit, parteiunabhängigem politischem Engagement und der Gefangenenunterstützung.

Sina Vogt
Pressesprecherin der Initiative gegen die Todesstrafe e.V.

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