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09.08.2005 | USA: US Supreme Court Richter kritisiert Todesstrafensystem

Bei einer Rede zu Anwälten der 'American Bar Association' übte der 85 jährige Richter John Paul Stevens in ungewöhnlich scharfer Form Kritik am US-amerikanischen Todesstrafensystem.

Die letzten Entlassungen von Todeskandidaten aufgrund neuer wissenschaftlicher Beweise seien signifikant, 'nicht nur wegen ihrer Relevanz für die Debatte, ob es weise ist, die Todesstrafe weiter anzuwenden, sonder auch, weil sie darauf hin weisen, dass es ernsthafte Fehler in unserer Handhabung der Strafjustiz gegen muss.' Stevens kritisierte darüber hinaus die Art der Juryauswahl bei Todesstrafenprozessen, die unzulängliche Verteidigung und die unzulässige Beeinflussung der Juroren durch die sog. Victim impact statements Diese Aussagen von Hinterbliebenen von Mordopfern verfolgten keinen anderen Zweck, als die Juroren zu ermutigen im Zweifelsfall eher für Tod als für Leben zu entscheiden eher auf der Basis ihrer Gefühle als ihres Verstandes.

' Bei der Veranstaltung, auf der Stevens diese scharfe Kritik an der Todesstrafe äußerte, handelte es sich um ein Ehrendinner für Thurgood Marshall, den 1993 verstorbenen ersten farbigen Supreme Court Richter. Marshall gehörte dem Höchsten Gericht bis 1991 an und war ein entschiedener Gegner der Todesstrafe, die er grundsätzlich für verfassungswidrig hielt.Stevens sagte:' Seit seinem Ausscheiden aus dem Amt haben wir dank der DNA Analyse erfahren, dass eine substantielle Anzahl von Todesurteilen fälschlich verhängt wurden.' Darüber hinaus hätten Supreme Court Fälle gezeigt, dass eine signifikante Anzahl von Angeklagten keine hinreichend kompetente rechtliche Repräsentation vor Gericht erhalten hatten.'

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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