zurück zur Übersicht

16.09.2007 | Alabama: Rüge für einen Staatsanwalt, der sich gegen die Todesstrafe ausspach

Der Bezirksstaatsanwalt Robert E. Owens aus Alabama wurde vom Bundesstaatsanwalt Troy King kritisiert, weil er für einen Mann, der bereits für einen Zweifachmord im Todestrakt gewesen war, nicht die Todesstrafe gefordert hatte. Der Mann, der im Fall des Zweifachmordes die tödlichen Schüsse abgegeben hatte, blieb von der Todesstrafe verschont.

Troy King gab in einer Stellungnahme am Mittwoch an, er hätte Owens bereits darüber informiert, dass er im Fall des 29-jährigen LaSamuel Gamble versuchen würde, die Aufrechterhaltung der Todesstrafe zu erlangen. In der vergangenen Woche hatte Gamble eine Berufung gewonnen, die sein Todesurteil in eine lebenslängliche Haftstrafe umwandelte. Während King angab, seine Absicht sei es, im Gegensatz zu Owens die Interessen der Opfer zu schützen, behaupten Kritiker, Kings Handeln wäre politisch motiviert, da Owens im Jahr 2004 bei der Wahl des Bundesstaatsanwalts Kings Kontrahenten unterstützt hatte.

'Anzunehmen, dass der Bezirksstaatsanwalt auf Seite des Verbrechers steht, weil er im Prozess wahrheitsgemäß ausgesagt hatte, ist die schlimmste Art von politischer Effekthascherei', sagte Bryan Stevenson, der Vorstandsvorsitzender der Equal Justice Initiative of Alabama, die Angeklagte vertritt.

Im Jahr 1996 wurden der damals 18-jährige Gamble und sein damals 16-jähriger Komplize Marcus Presley zweier Morde während eines Raubüberfalls auf ein Pfandleihhaus überführt. Eine Überwachungskamera zeigte, wie Presley die Opfer Janice Littleton und John Burleson erschoss, und wie Gamble die Geschosshülsen aufsammelte und die Lebensfunktionen der Opfer überprüfte. Beide Männer waren zunächst zum Tode verurteilt worden, bis der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten im Jahr 2005 urteilte, dass es verfassungswidrig sei, die Todesstrafe zu verhängen, sofern der Täter zum Zeitpunkt des Verbrechens nicht das 18. Lebensjahr vollendet hat. In Folge dessen wurde Presleys Todesurteil in eine lebenslange Haftstrafe ohne Begnadigungsmöglichkeit umgewandelt

.Der Bezirksanwalt Owens sagte später in einer Anhörung aus, dass es jetzt nach der Gesetzesänderung ungerecht sei, Gamble hinzurichten, insbesondere weil er nicht den Abzug der Waffe betätigt hatte.'Für mich ist es schwierig', sagte Owens. 'Ich bin ein Karriere-Ankläger. Ich mag keinen Standpunkt annehmen, den nicht auch das Opfer eines Verbrechens anzunehmen bereit ist, aber ich könnte nachts nicht ruhig schlafen, wenn ich da gestanden und es zugelassen hätte, dass eine Person hingerichtet wird, die niemanen getötet hatte, während die Person, die getötet hat, nicht hingerichtet wird.

Am 5. September fällte der Richter Michael Joiner des Shelby County Bezirksgericht das Urteil, dass Gambles Strafe zu revidieren sei und dass die Todesstrafe in seinem Fall nicht anwendbar sei.Bundesstaatsanwalt King sagte, er würde gegen Joiners richterliche Anordnung Berufung einlegen. Kritiker merkten an, dass King 2004 eine befürwortende Stellungnahme beim Obersten Gerichtshof einreichte, in der er behauptete, es wäre ein 'bizarres Ergebnis' im Fall des Pfandhaus-Mordes nur einen der Täter, Gamble, hinzurichten. King forderte, dass auch Presley hingerichtet werden sollte.

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

zurück zur Übersicht