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12.11.2007 | Japan: Andersdenkender Richter bricht 40-jähriges Schweigen

Norimichi Kumamoto sagt, er fühle 'gewaltigen Zorn' und könne nicht mehr still schweigen. 1968 war er einer von 3 Richtern, welche einen Boxer wegen der Ermordung einer 4-köpfigen Familie zum Tode verurteilte, obwohl er von dessen Unschuld überzeugt war.

'Meine Stimme wurde überstimmt. Es war 2 zu 1', sagte Kumamoto in einer Pressekonferenz am 6. November. Die anderen beiden Richter hatten seine 360-seitige Begründung, warum er an die Unschuld des Mannes glaubte, abgelehnt. Ein Jahr später, als junger Richter mit einer vielversprechenden Zukunft, verließ er aus Protest den Richterstuhl. Seit nunmehr 39 Jahren sitzt der verurteilte Mann, Iwao Hakamada, jetzt 71, in einer kleinen, fensterlosen Zelle in Japan’s Todestrakt und fragt sich, wann die Wachen kommen und ihn zum Schaffott bringen werden. Seine Schwester und Unterstützer sagen, dass er langsam den Verstand verliert. 'Ich habe viele Jahre über diesen Prozess nachgedacht,' sagte Kumamoto den versammelten Journalisten. 'Ich fühlte Traurigkeit und Enttäuschung darüber.' Zusätzlich zum Reden mit Journalisten, hat Kumamoto diesen Monat bei Japans Obersten Gerichtshof eine Petition eingereicht, die eine neue Verhandlung für Hakamada fordert.

Lt. Kumamoto waren die beim ursprünglichen Prozess vorgelegten Beweise für eine Verurteilung unzureichend, lediglich 5 blutige Kleidungsstücke. Die darunter befindliche blutige Hose hätte Hakamada nicht gepasst. Er sagt.' Der Schuldspruch basierte nur auf Hakamadas Geständnis der Morde. Aber er gestand nachdem er 20 Tage in einem kleinen Raum eingesperrt und gefoltert wurde.' Während des Prozesses widerrief Hakamada das Geständnis. 'Ich muss die Welt wissen lassen, was in Japan passiert,' sagt Kumamoto. 'Die Polizei verwendet schockierende, barbarische Methoden, um Geständnisse zu gewinnen und die, welche sie machen, tun dies nur aus Verzweiflung.' Hideo Ogawa, Hakamadas Hauptanwalt, welcher auch bei der Pressekonferenz sprach, sagte, dass Japans Methoden, Verdächte zu behandeln, sich seit den 1960ern nicht geändert hätten und die Verdächtigen nicht als menschliche Wesen gesehen würden.

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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