zurück zur Übersicht

02.11.2008 | Kolumbien: Hinrichtungen für den Zusatzurlaub

Eine überraschende Absetzung von 27 hochrangigen Militärs durch die kolumbianische Regierung vor wenigen Tagen legte offen, was seit Jahren zur Praxis der Sicherheitskräfte gehört: die Ermordung von Zivilisten, die als Rebellen oder Kriminelle präsentiert werden, um so die »Erfolgsstatistik« der Streitkräfte zu manipulieren.[...]

Von rund 20 Jugendlichen, die im August dieses Jahres in der Nähe Bogotás von Angehörigen als verschwunden gemeldet wurden, tauchten elf wenige Tage später in weit entfernten Regionen Kolumbiens wieder auf. Entweder verscharrt in Massengräbern oder erschossen und in Uniformen von Rebellengruppen gekleidet. Die Armee hatte sie als in Gefechten gefallene Guerillakämpfer deklariert.

[...]Am vergangenen Mittwoch erklärte Präsident Alvaro Uribe, dass drei Generäle sowie 24 Offiziere und Unteroffiziere ihren Platz zu räumen hätten, was eine der größten Degradierungen in der Geschichte der kolumbianischen Armee bedeutet. Den Militärs wird vorgeworfen, schlampig auf die Einhaltung der Menschenrechte innerhalb der Armee geachtet zu haben oder direkt mit der Verschleppung und Ermordung der Jugendlichen zu tun zu haben. Dabei ist es seit Jahren ein offenes Geheimnis, dass die Streitkräfte auf diese Praktiken zurückgreifen. Angespornt werden die Militärs dazu laut Beobachtern nicht zuletzt durch die Politik der Regierung, die militärische Erfolge prämiert. Bessere Aufstiegschancen und zusätzliche Urlaubstage scheinen ganze Einheiten dazu motiviert zu haben, Zivilisten für ihre Zwecke über die Klinge springen zu lassen.

Laut einer aus verschiedenen Nichtregierungsorganisationen bestehenden internationalen Beobachterkommission sollen allein in den letzten 18 Monaten 535 Zivilisten von den Streitkräften getötet worden sein. Mittlerweile überprüft die kolumbianische Generalstaatsanwaltschaft mehr als 500 Fälle »außergerichtlicher Hinrichtungen«. Weitere 930 liegen dem Büro des obersten Rechtsberaters der Regierung vor, in die Verbrechen sollen bis zu 2300 Militärs verstrickt sein.[...](Quelle: Neues Deutschland)

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

zurück zur Übersicht