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19.02.2008 | Mississippi: Ehemaliger Todestrakthäftling unschuldig an Mordfall 1992

Über eine Woche nachdem ein anderer Mann angeblich die brutale Tat gestanden hat, wurde am Freitag ein Mann freigesprochen, der wegen Entführung und Ermordung einer 3jährigen aus Mississippi zum Tode verurteilt worden war. Während Kennedy Brewers Familie und Anwälte seine Freiheit feierten, gewährte der gleiche Richter einem zweiten Häftling ein Wiederaufnahmeverfahren, der für den Mord an einem Kind aus dem gleichen Wohnort eine Haftstrafe erhalten hatte. Levon Brooks wurde nach Ermessen des gleichen Richters freigelassen, wiederum aufgrund der angeblich gemachten Aussagen des Verdächtigen.

Familienangehörige Brewers und einige Anwälte weinten im vollbesetzten Gerichtssaal, als Richter am Circuit Court Lee Howard Brewer verkündete, er sei ein freier Mann. Ein Staatsanwalt entschuldigte sich für das Fehlurteil.

Als man ihn fragte, was ihm alles seit dem Tod des Kindes in Noxubee County 1992 widerfahren sei, antwortete Brewer: 'Ich mache mir keine Gedanken über die Vergangenheit. Ich denke an die Zukunft.'

Der heute 36jährige Brewer ist der erste, der in Mississippi aufgrund von DNA-Tests nach seiner Verurteilung wieder freigesprochen wurde, verkündete das Innocence Project, das seinen Fall bearbeitet hatte.Das Innocence Project hatte jahrelang auf diese Entlastung hingearbeitet. Es handelt sich um eine Gruppe von Anwälten mit Sitz in New York, die Häftlingen hilft, die fälschlich verurteilt wurden.

Bezirksstaatsanwalt Ben Creekmore reichte einen Antrag ein, mit dem Brewers Verurteilung wenige Tage nach der Verhaftung Justin Albert Johnsons, 51, außer Kraft gesetzt werden sollte. Laut Angaben der Behörden hatte Johnson der Polizei gegenüber ausgesagt, er habe 1992 die 3jährige Christine Jackson vergewaltigt und erwürgt. Die Leiche des Kindes hatte man in einem Bach gefunden.

Creekmore entschuldigte sich am Freitag bei Brewer.Dessen Mutter Annie Brewer saß während des Verfahrens in einem Rollstuhl und rief aus 'ich danke Jesus', als Howard seine Entscheidung bekanntgab.Anwälten zufolge habe Johnson angeblich auch die Vergewaltigung und Ermordung der 3jährigen Courtney Smith 1990 gestanden. Der heute 48jährige Häftling Brooks war für ihre Ermordung zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Es liegt nun bei der Staatsanwaltschaft, ob Brooks Fall weiterhin betrieben wird oder man auch in seinem Fall eine Entlastung beantragt.'Ich bin so aufgeregt', sagte Brooks nach der Entscheidung.'Ich kann gerade gar nichts sagen. Ich möchte jetzt nur bei meiner Familie sein.'Sowohl die Kinder als auch die anderen Beteiligten lebten in Brooksville, einer ländlichen Gemeinde etwa 10 Meilen östlich von Macon im Osten Mississippis.

Zum Zeitpunkt der Ermordung war Brewer der Freund von Christines Mutter, Gloria Jackson. Er war in der Nacht ihres Verschwindens der Babysitter des Kindes. Brewer wurde 1995 zum Tode verurteilt, wurde allerdings im vergangenen Jahr auf Kaution entlassen.

Johnson wurde 2001 mit Christines Ermordung in Verbindung gebracht, als das Innocence Project eine Blutprobe, die kurz nach der Tat 1992 genommen worden war, zu DNA-Untersuchungen einsandte, so die Anwältin Vanesa Potkin vom Innocence Project. Seine DNA paßte angeblich auf am Mordopfer gefundenes Sperma.

Die für den Test verwendete Blutprobe wurde seit Jahren im kriminaltechnischen Labor Mississippis aufbewahrt.

Die Umstände von Courtneys Tod waren ähnlich wie bei Christine. Courtneys Mutter Sonya Smith war in der Vergangenheit mit Brooks ausgegangen. Das Kind wurde aus der Wohnung der Großmutter entführt. Courtney wurde vergewaltigt und ermordet, ihre Leiche wurde in einen nahegelegenen Teich geworfen.

Bezirksstaatsanwalt Forrest Allgood, der in beiden Fällen die Anklage geführt hatte, verließ sich bei der Verurteilung der Männer auf forensische Beweise. Später erklärte sich Allgood befangen im Fall Brewer, als er erfuhr, daß ein von ihm eingestellter Mitarbeiter zuvor im Revisionsverfahren vertreten hatte.

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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