zurück zur Übersicht

18.02.2009 | 18. Februar 1949: Letzte zivile Hinrichtung in Westdeutschland

Am 28. Januar 1948 erschoss Richard Schuh einen Mann, der ihn mit seinem Laster mitgenommen hatte. Schuh wollte die Reifen des Lasters auf dem Schwarzmarkt verkaufen.

Er wurde jedoch schnell gefasst und am Landgericht Tübingen zum Tode verurteilt.

Der damalige Justizminister von Württemberg-Hohenzollern war Carlo Schmid. Dieser hatte das Thema Todesstrafe in einer Kabinettssitzung angesprochen, weil im Land fünf Todesurteile zur Vollstreckung anstanden. Im Protokoll der Sitzung ist hierzu vermerkt: 'Er (Schmid) vertritt den Standpunkt, dass man in allen Fällen begnadigen solle. Die Vollstreckung der Todesstrafe sei nicht mehr zeitgemäß und stelle eine Degradierung der menschlichen Gesellschaft dar.'

Unglücklicherweise für Schuh behandelte das Kabinett Schuh's Gnadengesuch ohne Carlo Schmid, da dieser sich zu diesem Zeitpunkt in Bonn aufhielt und mit an dem neuen Grundgesetz der Bundesrepublik arbeitete.

Gebhard Müller, damaliger Regierungschef des Landes und späterer Präsident des Bundesverfassungsgerichts, war grundsätzlich Todesstrafenbefürworter. Er lehnte das Gnadengesuch Schuh's ab.

Am Morgen des 18. Februar 1949 – heute vor 60 Jahren – wurde Richard Schuh als letzter Mensch in Westdeutschland - drei Monate vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland - aufgrund eines Urteils eines Zivilgerichts hingerichtet.

Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. In diesem heißt es in Artikel 102: 'Die Todesstrafe ist abgeschafft.'

Ausnahme bildete hier Westberlin: Durch den Viermächtestatus galt das Grundgesetz hier nur bedingt und die Todesstrafe wurde erst am 14.3.89 abgeschafft. Theoretisch konnten bis zu diesem Zeitpunkt Alliierte noch Todesurteile aussprechen. Die Westalliierten hatten bis Anfang der 50er Jahre noch 486 Todesurteile gegen NS-Verbrecher vollstrecken lassen. Der letzte Westberliner, der hier am 12. Mai 1949 nach einem Urteil eines deutschen Gerichts hingerichtet wurde, war der Raubmörder Berthold Wehmeyer.

In der ehemaligen DDR wurde die Todesstrafe erst am 17. Juli 1987 abgeschafft. Der letzte Hingerichtete hier war der Stasi-Hauptmann Werner Teske. Er wurde am 26. Juni 1981 als Spion in Leipzig durch einen Kopfschuss hingerichtet.

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

zurück zur Übersicht