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10.04.2009 | Pflichtverteidiger erklärt Bankrott in Todesstrafenfall

Die zweitgrößte Kanzlei von Pflichtverteidigern im Staat Illinois bat diese Woche den Richter die Todesstrafe in einem Fall von Doppelmord auszuschließen, da die Kanzlei nicht über die finanziellen Mittel verfügt, den Angeklagten zu verteidigen.

Der Angeklagte Brian Gilbert kann kein faires Verfahren erhalten, das die Pflichtverteidigerkanzlei von Cook County die öffentlichen Mittel, die ihr aus dem staatlichen Fund für Todesstrafenfälle zustehen, bereits aufgebraucht haben, sagte die stellvertretende Pflichtverteidigerin Julie Harmon am Freitag. Nach ihrer Aussage könnte der Antrag vom Mittwoch, die Todesstrafe aufgrund fehlender finanzieller Mittel auszuschließen, der erste einer Reihe ähnlicher Anträge sein.

Die Pflichtverteidigerkanzlei erhielt vom staatlichen Fund 1,75 Millionen Dollar für das Finanzjahr. Die Generalversammlung hatte zwar im letzten Jahr einer Erhöhung auf 2,25 Millionen zugestimmt, dies wurde aber durch ein Veto des damaligen Gouverneurs Rod Blagojevich verhindert. Ungefähr 60% des Geldes wurde verwendet um Schulden zurückzuzahlen, dies könnte sich im nächsten Jahr auf 75% steigern.

Die Anzahl der vertretenen Todesstrafenfälle bleibt ständig auf ca. 120.

Wie Julie Harmon sagte, haben Übersetzer, Psychologen, DNA Spezialisten und andere Experten, die in Todesstrafenfällen benötigt werden, genug davon, bis zu sieben Monate auf ihr Geld zu warten. Viele haben bereits gedroht, ihre Arbeit einzustellen.

Die Staatsanwaltschaft plant, gegen den Antrag der Verteidigung im Fall von Gilbert anzugehen, Gilbert ist angeklagt, die 12- und 14-jährigen Söhne seiner Freundin erstochen zu haben.

Der ehemalige Gouverneur Ryan hatte im Jahr 2000 ein Moratorium ausgesprochen und 13 unschuldige Menschen aus dem Todestrakt entlassen. Das Moratorium hält noch immer an. Auch der staatliche Verteidigungsfond wurde in Folge dessen eingerichtet.

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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