zurück zur Übersicht

14.07.2009 | Presseerklärung des Death Penalty Information Center vom 13.7.09 Illinois und Florida: Erneut zwei Häftlinge aus dem Todestrakt freigelassen Allein im Jahr 2009 kamen fünf Todestraktinsassen frei

WASHINGTON, DC – Gegen Ronald Kitchen wurden sämtliche Anklagepunkte fallen gelassen und man setzte ihn auf freien Fuß, nachdem er fast 13 Jahre im Todestrakt verbracht hat für Morde, die die Staatsanwaltschaft ihm nach eigenen nun gemachten Angaben nicht nachweisen kann. Nur wenige Tage später kam Herman Lindsey aus der Todeszelle in Florida frei, nachdem der Oberste Gerichtshof dieses Bundesstaates einstimmig entschied, dass es in seinem Fall an hinreichenden Schuldbeweisen fehle. Im laufenden Jahr wurden bereits fünf Menschen entlastet und aus dem Todestrakt freigelassen, was die Gesamtzahl der seit 1973 aus dem Todestrakt Freigekommenen auf 135 erhöht. 51 dieser Entlastungen erfolgten seit Anfang 2000.

Am 7. Juli 2009 wurde Ronald Kitchen aus der Haft entlassen, nachdem die Staatsanwaltschaft alle Anklagepunkte gegen ihn und seinen Mitangeklagten fallen gelassen hatte, da es nicht genügend Beweise gebe, sie erneut für fünf Morde im Jahr 1988 anzuklagen. 'Es ist mir immer noch nicht richtig bewusst geworden', sagte Kitchen, als er das Gerichtsgebäude verließ, nachdem er mehr als zwei Jahrzehnte wegen der Morde hinter Gittern zugebracht hatte. 'Es kommt mir ganz unwirklich vor.'

Das Büro des Justizministers von Illinois ließ DNA-Tests durchführen, die zur Zeit der Tat so noch nicht zur Verfügung gestanden hatten, und die Ergebnisse belasteten weder Kitchen noch seinen Mitangeklagten Martin Reeves. Der Fall Kitchen wurde zusammen mit etwa 20 weiteren Fällen von Richter Paul Biebel dem Büro des Justizministers zur Prüfung übergeben, nachdem Foltervorwürfe bekannt wurden. Als die Gerichtsunterlagen und die Beweismittel neu überprüft wurden, kam das Büro zu dem Schluss, dass die Beweislage zu dürftig sei. Cara Smith, Stabschefin der Justizministerin von Illinois Lisa Madigan, sagte: 'Wir haben eine sehr gründliche und unabhängige Untersuchung durchgeführt ... und entschieden, dass wir der Beweispflicht nicht nachkommen können.'

Der Fall Kitchen bedeutet eine neuerliche Entlastung im Zusammenhang mit dem ehemaligen in Ungnade gefallenen Chicagoer Polizeichef Jon Burge. Kitchen hatte angegeben, unter Burge tätige Ermittler hätten ihn unter Folter dazu gezwungen, die Morde zu gestehen, sie hätten ihn unter anderem mit einem Telefon auf den Kopf geschlagen, Faustschläge ins Gesicht verpasst, in die Leiste geschlagen und ihn getreten. Erst Jahre nach Kitchens Verurteilung wurde Polizeichef Burge gefeuert, nachdem der Überprüfungsausschuss für die Polizeibehörde feststellte, Burge habe Folter angewandt. Derzeit wartet Burge auf den Beginn seines Prozesses wegen Behinderung der Justiz sowie wissentlicher Falschaussage im Zusammenhang mit einer Zivilklage hinsichtlich der gegen ihn vorgebrachten Foltervorwürfe.

Kitchen ist die 134. Person, die seit 1973 aus dem Todestrakt als unschuldig entlassen wurde, und in Illinois die 20. Person. 'Die fünf Entlasteten aus diesem Jahr demonstrieren, dass Unschuldige in diesem Land immer noch Gefahr laufen, hingerichtet zu werden', sagte Richard Dieter, geschäftsführender Direktor des Death Penalty Information Center. 'Die Risiken, die die Todesstrafe mit sich bringt, sind einfach zu groß, als dass man dieses Verfahren weiter zulassen dürfte. Eine derartig hohe Fehlerquote würde in keinem anderen Bereich der Gesellschaft geduldet, wo es um Menschenleben geht.'

Im zweiten Fall entschied der Oberste Gerichtshof von Florida am 9. Juli 2009 einstimmig, Herman Lindsey sei freizusprechen und aus dem Todestrakt auf freien Fuß zu setzen, mit der Begründung, es lägen nicht genügend Beweise vor, ihn schuldig zu sprechen. Lindsey wurde 2006 schuldig gesprochen, zwölf Jahre vorher einen Mord begangen zu haben. Dem Gericht zufolge habe 'der Bundesstaat keine Beweise vorlegen können, die Lindsey zur Tatzeit mit dem Tatort in Verbindung brächten', damit könne man die einbrachten Beweise 'genausogut mit einer begründeten Unschuldsvermutung in Einklang bringen'.

Laut der DPIC-Liste der Unschuldigenfälle ist Lindsey der 135., der seit Wiedereinführung der Todesstrafe aus dem Todestrakt als unschuldig freikam, und im Jahr 2009 bereits der fünfte. In Florida ist er der 23. Unschuldige; dieser Bundesstaat hat in den USA bislang die meisten Entlastungen dieser Art vorzuweisen.

In die DPIC-Liste werden ehemalige Todestraktinsassen aufgenommen, die von allen Anklagepunkten freigesprochen wurden, welche zu ihrem Todesurteil geführt hatten, deren Anklage von der Staatsanwaltschaft fallengelassen wurde oder die aufgrund ihrer Unschuld vollständig begnadigt wurden.

CONTACT: Corinne Farrell
Communications Director
001 (202) 289-2275,

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

zurück zur Übersicht