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06.11.2012 | China: Spenderorgane von Hingerichteten

Die Washington Post zitiert in einem Artikel über Organspenden in China eine offizielle Angabe von Regierungsbeamten aus dem Jahr 2009, die öffentlich zugegeben hatten, 65% aller Transplantate stammten von hingerichteten Häftlingen. Das Gesundheitsministerium wiederum bezifferte die Zahl der jährlich durchgeführten Organverpflanzungen mit 10.000.

Das ließe einen Rückschluss auf die Zahl der Exekutionen zu, die China ansonsten als Staatsgeheimnis behandelt und nicht veröffentlicht. Amnesty International schätzte sie aufgrund der wenigen zugänglichen Informationen in den letzten Jahren meist auf "mehrere Tausend", womit China jedenfalls an der Spitze aller Staaten steht, die die Todesstrafe anwenden.

Eine Nichtregierungsorganisation in den USA sprach von 4.000 Hinrichtungen in China im Jahr 2011; das entspräche der Hälfte der Menschen, die noch vier Jahre zuvor hingerichtet werden sollten. Der zumeist an zweiter Stelle geführte Iran hat 2011 demnach 360 Menschen exekutiert, die USA befanden sich auf Rang fünf mit 43 Exekutionen.

Sollten die Angaben der Beamten auch nur annähernd stimmen, müssten den allermeisten Häftlingen nach der Vollstreckung Organe entnommen worden sein.

Die Anwendung der Todesstrafe wird von der chinesischen Regierung seit einiger Zeit Reformen unterzogen, was eine Erklärung für den vermuteten Rückgang der Urteilsvollstreckungen sein könnte. Doch immer noch wird die Strafe für eine Vielzahl von Delikten verhängt, so wurde dieses Jahr eine 28-Jährige zum Tode verurteilt, weil sie mit dem Bedienen eines Kredits über umgerechnet etwa 42 Millionen Euro in Verzug geraten war.

Inzwischen werden Urteile immer häufiger per Giftinjektion und nicht mehr so oft durch einen Schuss in den Kopf vollstreckt. Für diese Zwecke setzt der chinesische Staat mobile Hinrichtungsbusse ein, in denen die Häftlinge getötet werden.

Die BBC gab 2009 die Zahl der auf Spenderorgane angewiesenen Chinesen mit atemberaubenden 1,5 Millionen an, was als eine der Ursachen für den kriminellen Schwarzmarkthandel mit illegal entnommenen Organen angesehen werden muss. Um dem entgegenzuwirken, versuchte der Staat, seine Bürger zum freiwilligen Spenden zu bewegen, doch kulturelle Tabus stehen dem vielerorts entgegen.

Mit der am Freitag angekündigten Ausweitung des Organspendeprogramms ab Beginn des kommenden Jahres auf ganz China will das Land binnen fünf Jahren der illegalen Praxis ein Ende setzen können. Gleichzeitig soll einer profitorientierten, unethischen Zuteilung der Transplantate ein Riegel vorgeschoben werden.

Quelle: Washington Post

 

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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