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11.05.2012 | Deutschland: Anklage wegen Aufruf zur Lynchjustiz

In Aurich erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 18-Jährigen aus Emden. Ihm wird zur Last gelegt, über Facebook zu einem Lynchmord aufgerufen zu haben.

Im Zusammenhang mit der Ermordung eines elfjährigen Mädchens in Emden wurde ein 17-jähriger Verdächtiger vorläufig festgenommen. Daraufhin richtete sich die Empörung der Öffentlichkeit über den Mord gegen ihn. Bevor sich seine Unschuld herausstellte und der tatsächliche Täter gefasst wurde und ein Geständnis ablegte, kursierte im Internet über ein Facebook-Profil der Aufruf, das Polizeigebäude in Emden zu stürmen und den verdächtigten Jugendlichen zu lynchen.

Laut Staatsanwaltschaft haben sich am Tag des Aufrufs spätabends etwa 50 Personen vor dem Kommissariat eingefunden und verlangten die Herausgabe des Inhaftierten. Übergriffe wurden nicht vermeldet.

Für seine Aktion muss sich der 18-Jährige nun vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Emden verantworten. Im April erklärte er seine Betroffenheit über die Folgen seines Tuns.

Das Strafgesetzbuch sieht für den Fall einer "erfolgreichen" öffentlichen Anstiftung zu einer Straftat bei Erwachsenen eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vor.

Der niedersächsische Justizminister Busemann, CDU, begrüßte die Anklageerhebung. Er warnte vor der Leichtfertigkeit, wie nicht selten mit dem Medium Internet umgegangen werde.

Quelle: Spiegel online, Süddeutsche, dapd

 

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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