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25.09.2012 | Florida: 73-jährige Deutsche vermeidet Todesstrafe

Eine 73-jährige Deutsche wird für die Tötung ihres fünfjährigen Enkels nicht zum Tode verurteilt. Am Montag gingen Staatsanwaltschaft und Verteidigung einen Deal ein, woraufhin Marianne B. zu 21 ½ Jahren Haft verurteilt wurde.

Die Großeltern aus Nufringen in Baden-Württemberg verbrachten im Januar 2010 allein Zeit mit ihrem Enkel in Florida. In einer Ferienwohnung ertränkte die 73-Jährige den Jungen in der Badewanne, als ihr Mann Besorgungen erledigte. Ihre Tochter und deren Mann hatten sich 2006 scheiden lassen und sich das Sorgerecht geteilt.

Der Ehemann der Angeklagten hatte nach der Verhaftung seiner Frau ausgesagt, sie wollte nicht, dass der Junge als Scheidungskind aufwachsen sollte.

Die Angeklagte nahm ein Angebot der Staatsanwaltschaft an, die Anklage wegen Mordes ohne verschärfende Umstände (2nd-degree murder) nicht anzufechten und vermied so die im Raum stehende Todesstrafe. Sie kann frühestens als 90-Jährige aus der Haft entlassen werden, die sie in einem Gefängnis in Florida verbringen soll. Seit Dezember 2010 war sie in einem Gefängniskrankenhaus untergebracht, da sie zunächst für nicht verhandlungsfähig erklärt worden war.

Ihr ehemaliger Schwiegersohn hat eine Klage vor einem Bundesgericht angestrengt und war mit dem nun ergangenen Strafmaß nicht zufrieden. Er hätte 30 Jahre Gefängnis angemessener gefunden.

Die Mutter des getöteten Jungen hat dem Vernehmen nach erneut geheiratet und inzwischen eine Tochter. Sie beteiligte sich nicht an dem Prozess.

Die Verteidigung hatte auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren wollen, da die Deutsche unter psychischen Problemen wie Depression und Demenz litt. Diese rührten unter anderem von einem Bombenangriff im 2. Weltkrieg her, bei dem sie als Fünfjährige eine Schädelfraktur erlitten hatte.

Quellen: Atlanta Journal-Constitution, NewsHerald

Links:

www.newsherald.com/articles/going-105708-grandma-apalachicola.html

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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