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22.07.2012 | Georgia: Hill geistig behindert, Gericht will Hinrichtung dennoch nicht stoppen

Am 19. Juli erklärte ein Richter vom Superior Court in Butts County: „Das Gericht ist der Auffassung, die früher gemachte Feststellung dieses Gerichts ... dass Mr. Hill über jeden berechtigten Zweifel einen IQ von 70 hat und damit die Gesamtvoraussetzungen für geistige Behinderung durch Überwiegen der Beweise gegeben sind, wird durch die Beweise des vorliegenden Falls gerechtfertigt.“

Der Richter lehnte Hills Antrag auf Aufschub der Hinrichtung und Verschonung vor der Todesstrafe dennoch ab, da die geistige Behinderung Hills nicht über jeden berechtigten Zweifel hinaus bewiesen sei. (Hill v. Humphrey, No.12-V-658, Butts Cty., July 19, 2012)

Warren Hills Exekution wurde für den 23. Juli anberaumt.

Hills Anwalt Brian Kammer beantragte vor dem Obersten Gerichtshof von Georgia, den Fall seines Mandanten erneut zu prüfen und die Hinrichtung zu stoppen.

Gleichzeitig forderte Ford Vox, ein Arzt und Autor für die Zeitung The Atlantic, die Standesorganisation der Ärzte in Georgia MAG auf, die unmissverständlichen ethischen Regeln der amerikanischen Ärzteschaft AMA auch in diesem Bundesstaat durchzusetzen und sich endlich eindeutig von der Beteiligung an Hinrichtungen zu distanzieren, insbesondere an der nun bevorstehenden, besonders fragwürdigen von Warren Hill.

Würde Dr. Carlo Musso in den Mitgliedslisten der AMA geführt, hätte man ihn längst zu einer Anhörung der Standesorganisation zitiert, was seine Suspendierung oder sogar Ausschluss hätte bedeuten können.

Die AMA verbietet unethisches Verhalten von Ärzten, dazu gehören auch indirekte Beteiligungen an Exekutionen wie die Untersuchung auf geistige Gesundheit, Wahl von Medikamenten und der zu verabreichenden Dosis, Legen von intravenösen Zugängen, Ablesen von EKGs und die Feststellung des Todes.

All diese Punkte decken Dr. Musso und sein Team von Ärzten und Pflegern von der Firma Rainbow Medical Associates ab, die pikanterweise unter der gleichen Anschrift zu finden ist wie CorrectHealth, das Unternehmen, das vertraglich unter Dr. Musso für die Gesundheitsversorgung in den Gefängnissen Georgias zuständig ist. Lediglich das Auslösen der Injektion werde von jemand anderem übernommen.

Dr. Mussos Firma werde von der MAG seit sieben Jahren nicht wirksam daran gehindert, als Henker an Exekutionen teilzunehmen. Vox zufolge seien die Mitarbeiter von CorrectHealth erst für das gesundheitliche Wohl der Häftlinge zuständig, später dann für deren Exekution.

Letzten Sommer hat laut Vox das Southern Center for Human Rights den Import von Natrium-Thiopental durch Dr. Musso über nicht von der DEA genehmigte Kanäle angefochten, woraufhin die DEA die Vorräte Georgias beschlagnahmen ließ.

Quellen: Death Penalty Information Center, Associated Press, The Atlantic

 

Links:

www.theatlantic.com/health/archive/2012/07/georgias-doctors-and-the-ethics-of-execution/260083/

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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