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14.08.2012 | Japan: Japan erwägt "humanere" Alternativen zum Hängen

Im Jahr 1873 übernahm Japan von Europa das Hängen als Hinrichtungsmethode, doch in letzter Zeit wurde sie als grausam und schmerzhaft kritisiert. Diese Methode sei einer modernen Gesellschaft nicht angemessen.

Hinter verschlossener Tür diskutierten Justizminister Makoto Taki und zwei Stellvertreter Takis, ob Hängen durch eine andere Exekutionsmethode ersetzt werden soll.

Vier Tage nachdem er die Hinrichtung zweier Häftlinge angeordnet hatte, erklärte Taki in einer Pressekonferenz, man trage zunächst Informationen zusammen.

Sein Ministerium untersuche u.a. die Vorgehensweise in den USA, wo der elektrische Stuhl und die Gaskammer das Schafott ablösten, inzwischen jedoch in den meisten Bundesstaaten die Giftinjektion eingeführt wurde. Allerdings hätten Beamte Fälle gemeldet, in denen Komplikationen beim Verabreichen des Gifts auftraten.

Dieses Thema wurde in Angriff genommen, da mit der Beteiligung von Laienrichtern an Strafprozessen die Öffentlichkeit größeres Interesse an der Todesstrafenthematik zeigt. Seit 2009 haben auch Laienrichter darüber zu befinden, ob ein Angeklagter zum Tode verurteilt werden soll.

Im Oktober fand im Distrikt Osaka ein Mordprozess unter Beteiligung von Laienrichtern statt. In dem Zusammenhang wurde diskutiert, ob Hinrichtung durch Hängen eine grausame Bestrafung darstelle, die von der Verfassung verboten ist. Die Verteidigung argumentierte, Hängen führe zu heftigen Schmerzen und schweren körperlichen Schädigungen und widersprach damit der landläufigen Vorstellung, dass der Verurteilte bei dieser Methode sofort das Bewusstsein verliere und keine Schmerzen verspüre.

Die Anwälte hatten einen ausländischen gerichtsmedizinischen Sachverständigen eingeladen, der vertraut war mit Selbstmorden, die durch Erhängen begangen wurden, sowie weitere Experten. Sie führten aus, dass es beim Hängen zum Abtrennen des Kopfes kommen kann.

Der Oberste Gerichtshof hatte 1955 Hängen für verfassungskonform erklärt, man sah "keinen Grund, dass es aus humanitärer Sicht grausam ist".

Der Sichtweise schloss sich nun auch das Gericht in Osaka an: "Es ist unvermeidbar, dass es beim Hängen auch zu einem gewissen Maß an Grausamkeit kommt."

Dennoch verschloss sich das Gericht nicht der Annahme, es gebe vielleicht geeignetere Methoden der Exekution.

Eine Zeitung berichtete 1883, es komme beim Hängen dazu, dass der Kopf teilweise abgetrennt werde. Dem halten Beamte des Justizministeriums entgegen, dies könne heutzutage nicht passieren, da die Länge des Seils in Abhängigkeit von Größe und Gewicht des Verurteilten bestimmt werde.

Sadato Goto, einer der Verteidigungsanwälte im Mordfall in Osaka, sagte: "Die Frage muss in einem öffentlichen Forum geklärt werden und Unterlagen müssen offengelegt werden. Es wäre bedeutungslos, wenn dabei nicht auch Fälle aus dem Ausland eingehend untersucht werden und die Frage auch aus medizinischer Sicht unter die Lupe genommen wird."

Als damaliger Staatsanwalt war Takeshi Tsuchimoto etwa 1970 bei einer Hinrichtung anwesend. "Ich konnte kaum hinsehen, da atmete und ging ein Mensch eben noch und Minuten später baumelt sein Körper am Seil", erinnert sich der emeritierte Professor der Universität Tsukuba. Als ein Arzt nach Lebenszeichen suchte, hätten die Beine des Häftlings noch gezuckt, als ob er nach etwas treten wolle. Tsuchimoto ist zwar Befürworter der Todesstrafe, doch die Hinrichtung durch Hängen sei grausam und bedürfe der Überprüfung.

"Solange Bürger als Laienrichter Mitverantwortung tragen beim Verhängen der Todesstrafe, muss das ganze Land sich damit auseinandersetzen", sagte er. "Auch das Volk muss über die Realität der Todesstrafe Bescheid wissen."

Keiko Chiba, erste Justizministerin der Demokratischen Partei, die 2009 an die Macht kam, setzte innerhalb ihres Ministeriums ein Gremium ein, das über die Abschaffung oder Beibehaltung der Todesstrafe entscheiden soll.

Vier Justizminister, die Chiba im Amt nachfolgten, ließen keine Todesurteile vollstrecken. Im März ließ Toshio Ogawa, der fünfte Minister nach ihr, die Beratungen des Gremiums einstellen und setzte nach einer Pause von 20 Monaten wieder Hinrichtungen an.

Quelle: Asahi Shimbun

 

Links:

ajw.asahi.com/article/behind_news/social_affairs/AJ201208130006

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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