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02.09.2012 | Pakistan: Imam verhaftet im Blasphemie-Fall um junge Christin

Die pakistanischen Behörden haben am Samstagabend einen moslemischen Geistlichen in Haft genommen. Er soll im vergangenen Monat einem christlichen Mädchen Beweise untergeschoben haben, mit denen sie wegen Blasphemie angeklagt werden soll.

Dem Vernehmen nach haben Zeugen beobachtet, wie Imam Khalid Jadoon Chishti Seiten aus einem Koran gerissen und in eine Einkaufstasche gesteckt haben soll, die dem Mädchen gehört und in der sich bereits verbranntes Papier befand.

Später wurde das Mädchen von moslemischen Nachbarn aus ihrem Dorf außerhalb von Islamabad beschuldigt, islamische Texte verbrannt zu haben, was unter pakistanischem Recht mit einer lebenslangen Haftstrafe oder sogar der Todesstrafe geahndet werden kann.

Nach Angaben von der pakistanischen DawnNews soll eine größere Anzahl von Polizisten die Verhaftung vorgenommen haben, nachdem Hafiz Zubair, ein Muezzin derselben Moschee wie Chishti, einem Richter gegenüber ausgesagt hatte, dass er beobachtet habe, wie der Imam dem Mädchen das Beweismaterial unterschob. Zubair gab an, zu verhindern versucht zu haben, dass Khalid Chishti die Beweise manipuliert.

Die Inhaftierung des Geistlichen könnte die Freilassung des Mädchens zur Folge haben. Es steht zu erwarten, dass die Diskussion über die umstrittenen Blasphemiegesetze, welche in erster Linie gegen religiöse Minderheiten im Land angewendet werden, damit weiter angeheizt wird.

Der Fall des jungen Mädchens ist besonders umstritten, da es erst etwa 14 Jahre alt und geistig behindert sein soll. Eine Anhörung zur Festsetzung einer Kaution wurde auf den 3. September vertagt. Am Freitag war die Untersuchungshaft für das Mädchen um zwei Wochen verlängert worden, damit die Ermittlungen abgeschlossen und entschieden werden kann, ob Anklage erhoben wird.

Der Verteidiger des Mädchens warf den Anklägern Verschleppungstaktiken vor. „Der ärztliche Bericht stellte fest, dass sie minderjährig ist und nur über einen geringen IQ verfügt. Wie soll sie denn Blasphemie begehen können? Sie ist unschuldig und müsste sofort freigelassen werden.“

Quellen: Radio Free Europe, Al Jazeera

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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