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28.09.2012 | Puerto Rico: Angeklagter erhält doch kein Todesurteil unter US-Bundesrecht

Obwohl Puerto Ricos Verfassung die Todesstrafe verbietet, hätte gegen einen schuldig gesprochenen Mann unter US-Bundesrecht genau dieses Urteil verhängt werden können. Nun entschied eine Geschworenenauswahl nach zwei Tagen Beratung auf lebenslang ohne Möglichkeit der Bewährung.

Am Donnerstag wurde Edison Burgos Montes zu lebenslanger Haft verurteilt wegen Mordes an Madelyn Semidey Morales im Juli 2005. Semidey war Burgos’ Exfreundin. Sie hatte mit der amerikanischen DEA zusammengearbeitet, der Strafverfolgungsbehörde, die Drogenherstellung und -handel unterbinden soll und die gegen den verurteilten Drogenhändler Burgos ermittelte.

Bei der Urteilsverkündung blieb der Verurteilte bewegungslos, sein Verteidiger Steven Potolsky hatte Tränen in den Augen. Burgos’ Bruder Efrain zufolge beharre der Verurteilte nach wie vor darauf, unschuldig zu sein.

Die Eltern des Opfers zeigten sich beide zufrieden mit dem Strafmaß. Die Mutter Georgina Morales hatte zuvor schon bekundet, sie sei keine Befürworterin der Todesstrafe. Sie bat jedoch öffentlich darum, dass Burgos endlich sagen möge, wo sich die nie gefundene Leiche ihrer Tochter befindet.

Die acht Männer und vier Frauen der puerto-ricanischen Geschworenenauswahl sorgten mit ihrem Urteil für Entspannung im Inselstaat, wo die Todesstrafe seit 1929 nicht mehr angewendet wird. Diese grundsätzliche Haltung wurde 1952 bekräftigt, als die erste Verfassung verabschiedet wurde und man die Todesstrafe eine Menschenrechtsverletzung nannte. Viele Bürger hatten im Vorfeld dieses Prozesses gegen Burgos die Regierung der USA kritisiert, sie setze sich über die Verfassung von Puerto Rico hinweg und mische sich in lokale Angelegenheiten ein.

Dies war das dritte Mal, dass Geschworene in Puerto Rico sich bei einem nach US-Recht verhandelten Kapitalverbrechen gegen die Todesstrafe entschieden.

Zwei weitere auf dieser Ebene zu verhandelnde Verfahren sollen im Januar beginnen. Einer der Fälle dreht sich um einen Mann, der 2009 bei einer Schießerei in einer Bar acht Menschen getötet haben soll, der andere Beklagte ist ein Mann, dem die Tötung eines verdeckt arbeitenden Polizeibeamten im Verlauf eines Drogendeals angelastet wird.

Der Gouverneur von Puerto Rico hatte darum gebeten, dass bestimmte Fälle von Bundesbehörden verhandelt werden. Bei einer Einwohnerzahl von nur etwa vier Millionen wurden im letzten Jahr insgesamt 1.117 Morde verzeichnet.

Der Vorsitzende der Menschenrechtskommission der Anwaltskammer Puerto Ricos, Osvaldo Burgos - nicht verwandt mit dem Verurteilten -, hält es für unwahrscheinlich, dass Geschworene aus Puerto Rico je die Todesstrafe fordern werden.

Quelle: Associated Press

 

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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