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10.06.2012 | Texas: DNA-Tests an 35 Jahre alten Beweisen

Indizien führten dazu, dass Kerry Max Cook für den Mord an Linda Jo Edwards in Tyler im Juni 1977 zum Tode verurteilt wurde. Nach Jahren im Todestrakt ließ er sich 1998 auf einen Deal mit dem Staatsanwalt ein und wurde auf freien Fuß gesetzt, allerdings unter Verzicht auf die Anerkenntnis seiner Unschuld. Nun will er auch diesen letzten Makel loswerden.

Die Beweisgegenstände sollen nun von Orchid Cellmark, einem unabhängigen Labor in Dallas, erneut getestet werden, dies entschied Richter John Ovard im April aufgrund des Antrags, den Cooks Anwälte Marc McPeak und Gary Udashen im Februar 2012 eingereicht hatten. Ovard verfügte am 23. Mai, die gefroren aufbewahrten Beweise nach Dallas zu schicken. Der Staatsanwalt von Smith County konnte nicht sagen, wie lange es dauert, bis die Ergebnisse vorliegen, es gebe keine Frist dafür.

Richter Jack Skeen Jr., der damalige Staatsanwalt von Smith County, strengte seit der Verhaftung des damals 19-Jährigen wiederholt Prozesse gegen Kerry Cook an, da der Fall nie juristisch wasserdicht abgeschlossen werden konnte.

So war beispielsweise versäumt worden, Cook über seine Rechte zu belehren, was 1989 zur Aufhebung des Urteils führte. Das nächste Mal kamen die Geschworenen zu keinem Ergebnis, 1992 hatte sich der Fall festgefahren. Zwei Jahre später erging erneut ein Schuldspruch, bei dem sich die Anklage auf die Zeugenaussage eines zwischenzeitlich verstorbenen Nachbarn der Ermordeten berief. Der Zeuge hatte angegeben, Cook in der Mordnacht begegnet zu sein.

Als Cook 1998 zum vierten Mal unter Anklage gestellt werden sollte, bot Skeen Cook einen Kuhhandel an, man werde sein Strafmaß auf die im Gefängnis verbrachte Zeit reduzieren, sofern sich Cook schuldig bekannte.

Dieser Ausgang sei für ihren Mandanten jedoch bis heute ein unerträglicher Zustand, Cooks Anwälte möchten ihn vollständig rehabilitiert sehen. Mithilfe der neuen Untersuchungen wollen sie den Beweis führen, dass ein verheirateter Mann, mit dem Edwards zur damaligen Zeit eine Affäre hatte, der wahre Täter sei.

Orchid Cellmark erhält nun Proben von Blut an Edwards’ Jeans, von Kopfhaaren, Strümpfen, Unterwäsche des Opfers sowie Blutproben von Cook und dem Mann, mit dem Edwards ein Verhältnis hatte.

Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, werde darüber entschieden, ob es zu einer weiteren Anhörung komme, sagte der zuständige Staatsanwalt Mike West. Er fügte hinzu, das Büro des Staatsanwalts verfüge sogar über weitere Beweisgegenstände, deren Untersuchung angeraten sei, darunter ein Messer, ein Haar, das neben dem Kopf des Opfers gefunden wurde, blutige Bettwäsche, Zigarettenstummel und das abgesaugte Material von dem Stück Teppich, auf dem die Tote gelegen habe.

Vorsitzende Richterin wäre bei einem Wiederaufrollen des Falls Christi Kennedy, die Cooks Rechtsvertreter jedoch für befangen halten, da einige ihrer unmittelbaren Amtskollegen und deren Familien direkt an Cooks Strafverfolgung beteiligt gewesen seien.

 

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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