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25.02.2012 | Texas: Gifte für Hinrichtungen treiben Kosten der Todesstrafe in die Höhe

 

Rechnete man in der Vergangenheit noch mit 83 Dollar für eine Exekution, so belaufen sich die Kosten inzwischen auf etwa 1.300 Dollar.

Der Strafvollzug in Texas muss sich nicht nur damit auseinandersetzen, dass eines der drei Präparate für Hinrichtungen in diesem Bundesstaat künftig nicht mehr zur Verfügung stehen könnte, sondern auch mit den sprunghaft in die Höhe geschnellten Kosten, die bei der Vollstreckung eines Todesurteils mittlerweile anfallen.

Noch vor einem Jahr kostete eine Vollstreckung das Texas Department of Criminal Justice $83,35. Seit der Bundesstaat sich gezwungen sah, auf ein anderes wirksames Sedativ umzustellen, belaufen sich die Kosten auf nunmehr $1.286,99. Somit kosteten die bisher zwölf mit dem neuen Präparat durchgeführten Exekutionen die Steuerzahler statt $1.000 stattliche $15.400.

Jason Clark, ein Sprecher der Strafvollzugsbehörde, gab an, alle drei Mittel für Hinrichtungen seien im Preis gestiegen, doch dieser enorme Steigerung sei auf das Pentobarbital zurückzuführen.

Im März 2011 musste Texas für die Vollstreckung der Todesstrafe von Natrium-Thiopental auf Pentobarbital umstellen, nachdem die Hersteller von Thiopental ihr Produkt insgesamt vom Markt nahmen, damit es nicht mehr für Tötungszwecke eingesetzt werden konnte. International hatte es lange Zeit Proteste gegen die Verwendung dieses Medikaments für Hinrichtungen in den USA gegeben.

Inzwischen sagten auch die Hersteller von Pentobarbital, sie wollen ihr Präparat nicht für die Zwecke von Exekutionen verwendet sehen.

Dem Vernehmen nach verfügen die Gefängnisbehörden noch über genug von diesem Mittel, um die derzeit fünf angesetzten Hinrichtungen in diesem Jahr zu vollstrecken. Weitere Angaben über Lieferquellen oder Vorräte des Bundesstaates waren nicht zu erhalten.

Diese Probleme kennen auch andere Bundesstaaten, z.B. Oklahoma, Ohio, Mississippi und South Carolina. So seien in Oklahoma durch das teurere Pentobarbital die Kosten von $200 auf ca. $1.800 gestiegen. Dort reiche der Vorrat für vier Hinrichtungen; zwei Termine gibt es bereits.

Das Austauschen der Sedativa hat schon in mehreren Bundesstaaten zu Prozessen und langwierigen Anhörungen geführt. In Texas ging der Wechsel recht bequem vonstatten, entsprechende Klagen wurden von den Gerichten einfach abgewendet. Würde das Sedativ jedoch ein weiteres Mal ersetzt, weil Pentobarbital knapp wird – beispielsweise durch das spätestens durch den Tod Michael Jacksons bekannte Propofol –, wären die Behörden wohl erneut mit dem Aufschub von Hinrichtungsterminen konfrontiert.

Quelle: Dallas Morning News

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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