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01.04.2012 | Texas: Reprieve reagiert auf Anwürfe

Einen Tag, nachdem ein verbaler Angriff der texanischen Strafjustizbehörde TDCJ auf Reprieve bekannt gemacht wurde, demzufolge diese Hersteller von Arzneimitteln einschüchtere, welche für Hinrichtungen verwendet werden, bezog Clive Stafford Smith von Reprieve Stellung im Guardian.

 

Stafford Smith verwies auf sein Treffen mit Ulf Wiinberg, dem Geschäftsführer von Lundbeck, letzte Woche in Kopenhagen. Wiinberg habe vor einigen Monaten zu seinem Entsetzen erfahren müssen, dass die TDCJ das von Lundbeck hergestellte Präparat Pentobarbital erworben hat und beabsichtigte, damit Menschen zu töten.

Wiinberg habe Stafford Smith gegenüber auf die Bedeutung des Seesterns, ihres Firmenzeichens, aufmerksam gemacht. Einer chinesischen Legende zufolge hob ein alter Mann einen Seestern auf und warf ihn zurück ins Meer. Ein Zyniker fragte ihn, weshalb er das getan hätte, es gibt doch so viele von ihnen und viele sterben eben. Er erwiderte: „Für diesen einen Seestern macht es den Unterschied aus zwischen Leben und Tod.“

Lundbeck greift diese Symbolik auf und sieht sich verpflichtet, für die Förderung von Gesundheit und Erhaltung von Leben einzutreten. Für Stafford Smith holt die TDCJ hingegen einen gesunden Seestern aus dem Meer und wirft ihn aufs Trockene, wo er sterben muss, darin liege der Unterschied. Nicht Reprieve schüchtere Lundbeck ein, sondern die TDCJ wolle Lundbecks Arzneimittel auf eine Weise verwenden, die dem Sinn und Zweck des Präparats zuwiderläuft und sie besitze noch nicht einmal das Mindestmaß an Anstand, Wiinbeck anzurufen und ihn darüber zu informieren oder um sein Einverständnis zu bitten.

Stafford Smith geht noch weiter und zieht den Umkehrschluss. Demnach benehme sich die TDCJ nicht nur einfach unhöflich, sie befleißige sich vielmehr ihrerseits auf dem Gebiet der Illegalität und Schikane. Die TDCJ deute an, Reprieve habe sich im Zusammenhang mit Dream Pharma nicht korrekt verhalten. Dream Pharma ist ein britisches Unternehmen, das heimlich über sein Büro in den Räumlichkeiten einer Fahrschule in Acton Natrium-Thiopental für Hinrichtungen in den USA exportiert hat. - Nun erging zufälligerweise letzten Dienstag eine Verfügung gegen die FDA, in der Richter Richard Leon der US-Regierung - also nicht Reprieve - vorwirft, sich dabei illegal verhalten zu haben.

Der im allgemeinen als konservativer Jurist geltende Richter Leon formulierte in seinem Urteil, die FDA beanspruche unter dem Deckmantel der Strafverfolgung einen großen Ermessensspielraum, um mit einer ansonsten erbarmungslosen Indifferenz in Bezug auf mögliche Folgen für die Gesundheit von Häftlingen, deren Todesurteil vollstreckt werden soll, ihre Autorität zu rechtfertigen. Dies sei in höchstem Maße unbefriedigend.

Damit nicht genug, Nebraska wollte kürzlich entsprechende Arzneimittel aus Indien importieren. Eine Staatsbedienstete im Strafvollzug hielt dies für eine illegale Vorgehensweise - völlig zu Recht, wie Leon später unterstrich. Ihr wurde gekündigt, nachdem sie für Recht und Gesetz eingetreten war; inzwischen hat sie Klage wegen ungerechtfertigter Entlassung eingereicht.

Clive Stafford Smith von Reprieve spielte den Ball zurück. Es habe in der Tat „Einschüchterungen“ gegeben und man könne durchaus von „autoritären Ideologen sprechen, die Privatleute bedrohen und schikanieren, wenn sie sich nicht den Ansichten über die Moralität der Todesstrafe durch tödliche Injektion anschließen“ - die Wortführer der TDCJ bräuchten nur in den Spiegel zu sehen.

Quelle: Guardian

 

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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