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29.11.2012 | Texas: Todestrakthäftling könnte unschuldig sein

Larry Swearingen wurde vom Bundesstaat Texas wegen Mordes an Melissa Trotter zum Tode verurteilt, doch er hat stets bestritten, der Täter gewesen zu sein. Konsequent ging er daher keinen Deal mit der Anklage ein; er sitzt nun seit zwölf Jahren im Todestrakt.

Die Beweislage gegen den Angeklagten schien erdrückend. Zeugen wollen ihn mit Melissa Trotter am 8. Dezember 1998, dem Tag ihres Verschwindens, gesehen haben. Die beiden gingen miteinander und Swearingen war schon früher mit dem Gesetz in Konflikt geraten. So hatte ihn eine Exfreundin beschuldigt, sie gekidnappt zu haben, er gab den Diebstahl eines Lkw zu, außerdem fand man Fasern der Kleidungsstücke von Trotter auf dem Sitz in seinem Fahrzeug.

Nachdem man Swearingen im Zusammenhang mit dem Mord an Trotter festgenommen hatte, schrieb er den Ermittlern einen gefälschten Brief, in dem er vorgab, der wahre Täter zu sein. Doch statt einer erhofften Entlastung führte dieser irrwitzige Akt dazu, dass die Staatsanwaltschaft nun noch mehr gegen ihn in der Hand hatte.

Am verheerendsten wirkte sich jedoch der Umstand aus, dass man an der Leiche des Opfers einen Teil ihrer Unterhose fand, den Rest hingegen unter dem Abfall einer Wohnwagensiedlung, wo Swearingen lebte.

Heute kann man die meisten, wenn nicht alle, belastenden Beweise erklären. Der Fall ist kompliziert, doch die Erklärungen scheinen zwingende Gründe für ein Wiederaufnahmeverfahren darzustellen.

Swearingen bestreitet nicht, eine Beziehung mit Melissa Trotter gehabt zu haben, die Fasern ihrer Jacke in seinem Fahrzeug lassen sich damit erklären. Nach seiner Darstellung sollen er wie auch Trotter allerdings auch mit anderen ausgegangen sein.

Nachdem er dem Haftrichter vorgeführt worden war, forderte er seinen Pflichtverteidiger auf, einen eigenen Ermittler mit Nachforschungen zu beauftragen. Als das unterblieb, verfiel er auf den Gedanken, sich in einem Brief als der wahre Täter auszugeben, um so seine Anwälte anzuspornen, doch noch aktiv zu werden.

Neun forensische Sachverständige gehen davon aus, dass der 41-jährige Swearingen einer Tat schuldig gesprochen wurde, die er nicht begangen haben kann, doch die texanischen Gerichte wollen ihm keinen neuen Prozess zugestehen.

Quelle: Texas Observer

 

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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