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03.08.2012 | Texas: Zweifelhaftes Todesurteil auf lebenslänglich reduziert

Delma Banks Jr. ist zum Tode verurteilt worden, weil er 1980 den 16-jährigen Richard Whitehead erschossen haben soll. Am Mittwoch einigten sich Anklage und Verteidigung auf Umwandlung des Strafmaßes in lebenslange Haft; Banks kann frühestens 2024 Entlassung auf Bewährung beantragen.

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte 2004 Banks Todesurteil aufgehoben, da er der Auffassung war, die Staatsanwaltschaft von Bowie County habe unrechtmäßig Beweise unterdrückt und ihr Fehlverhalten jahrzehntelang vertuscht. Im Oktober sollte es deswegen zu einem Wiederaufnahmeverfahren kommen.

Staatsanwalt Jerry Rochelle erklärte gegenüber der Presse, die Familie von Whitehead habe den Wunsch, dass der Fall abgeschlossen werde. Nach 32 Jahren, in denen sie den Tod ihres Sohnes und die verschiedenen Prozesse sowie Anträge auf Revision durchleben mussten, und nun ein Wiederaufnahmeverfahren bevorstand, wollten die Angehörigen einen Schlussstrich ziehen.

Der damals 21-jährige Banks, ein Schwarzer, soll den Weißen Richard Whitehead getötet haben, um in Besitz von dessen Auto zu kommen. Zeugen zufolge, die den nicht vorbestraften Banks und Whitehead am betreffenden Abend zusammen gesehen hatten, gab es zwischen den beiden keinerlei Missstimmung. Es gab keine Augenzeugen für die Tat und auch keine Beweisgegenstände, die Banks mit Whiteheads Tod in Verbindung gebracht hätten. Die Geschworenenauswahl setzte sich nur aus Weißen zusammen.

Die Anklage hatten sich vor allem auf die Aussagen von zwei Drogenkonsumenten gestützt, Robert Farr und Charles Cook. Cook hatte Verurteilungen wegen Raubüberfall und Fälschung aufzuweisen.

Im Jahr 1999 erzwang ein Bundesrichter von Bowie County die Freigabe der Fallakten. Dabei entdeckten Banks Verteidiger eine Mitschrift, die deutlich machte, dass Cook für die Aussage regelrecht trainiert worden war. Des weiteren fand man heraus, dass dem zweifelhaften Informanten Farr ein Honorar von 200 Dollar für seine Rolle bei den Ermittlungen gezahlt worden war.

In einer eidesstattlichen Erklärung sagte Farr, er habe befürchtet, von der Polizei wegen Drogendelikten verhaftet zu werden. Er habe das Geld angenommen und sich einverstanden erklärt, Banks zu belasten.

Die Staatsanwälte hatten den unwahren Aussagen von Cook und Farr vor Gericht Vorschub geleistet und die Geschworenen nie davon in Kenntnis gesetzt, dass ihre Informationen falsch waren, so die Entscheidung des Obersten Gerichts der USA.

Vor dem Obersten Gerichtshof stritten die Staatsanwälte nicht ab, dass Cook angeleitet worden war und Farr für seinen Beitrag Geld erhalten hatte, sie warfen jedoch den Verteidigungsanwälten von Banks vor, dies nicht früher herausgefunden zu haben.

Staatsanwalt James Elliott, der die Verurteilung von Banks 1980 betrieben hatte und geschworen hatte, das Urteil aufrecht erhalten zu wollen, sagte in einer Verhandlung letztes Jahr aus, er habe im ersten Prozess weder gewusst, dass Farr ein bezahlter Informant war, noch dass Cook für seine Aussage gecoacht wurde.

In früheren Anträgen hatte Banks aufgrund der Verfehlung der Staatsanwaltschaft den Schuldspruch der Jury angefochten, doch nun unterzeichnete er am Mittwoch eine Vereinbarung, in der er sich verpflichtete, keine weiteren Anträge dagegen einzureichen sowie darauf zu verzichten, um Begnadigung zu bitten.

Er wird somit erstmals im Alter von 65 nach 44 Jahren in Haft einen Antrag auf Bewährung stellen können.

Quelle: The Texas Tribune

 

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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