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28.08.2012 | Ungarn: Hass auf Roma mündet in Forderung nach Todesstrafe

Die Vergewaltigung und Ermordung einer 25-jährigen Polizeipsychologin im Juli führte erneut zu einer Welle von Hass auf die Volksgruppe der Roma. Mit der Verhaftung des mutmaßlichen Täters kam es in Ungarn nun zur Forderung nach der Wiedereinführung der Todesstrafe.

Internetforen rufen zur "Endlösung der Zigeunerfrage" auf, Rechtsextreme und paramilitärische Einheiten schüren den Rassenhass, warnen auf dem Budapester Heldenplatz vor der "Gefahr der massenhaften Vermehrung von Zigeunern" - außer dem verhafteten Tatverdächtigen wird jetzt eine ganze Volksgruppe angeprangert und kollektiv schuldig gesprochen.

Die ausdrückliche Bitte der Eltern der 25-Jährigen, den "Namen unserer Tochter nicht zum Vorwand für Hetze, Hass oder die Wiedereinführung der Todesstrafe zu missbrauchen", fand keine Resonanz in der aufgepeitschten Stimmung.

Zwar würde es gegen von Ungarn unterzeichnete internationale Verträge und auch die eigene Verfassung verstoßen, die Todesstrafe wieder einzuführen, dennoch plant die regierende konservative Partei Fidesz ("Bund Junger Demokraten"), das Thema nach der Sommerpause in der Fraktion zu diskutieren.

Der einflussreiche Publizist Zsolt Bayer, Mitbegründer von Fidesz, formulierte schriftlich: "Wir müssen es aussprechen: Der viehische Mörder war ein Zigeuner. In diesem Ungarn erleben Millionen Menschen, dass die Zigeuner sie ausrauben, schlagen, demütigen und ermorden. Wenn die Zigeunergemeinschaft diese Mentalität ihrer Rasse nicht ausrottet, dann ist klar: Mit ihnen kann man nicht zusammenleben."

Ins gleiche Horn stößt die rechtsextreme Partei Jobbik ("Die Besseren"), deren Chef Gábor Vona in einem Blog postulierte: "Die Morde geschehen. Die Täter stammen zu 90 Prozent aus ein- und demselben soziokulturellen Milieu. Sprechen wir es aus: Sie sind Zigeuner. Die Opfer hingegen sind zu 100 Prozent Ungarn. Deshalb brauchen wir die Todesstrafe."

Der Rechtsextremismus in Ungarn versucht mit Hasstiraden, die Verunglimpung einer ganzen Volksgruppe salonfähig zu machen. Da Roma in Ungarn immer öfter als "Schwarze" oder "farbige Mitbürger" bezeichnet werden, fällt es Soziologen nicht schwer, einen Vergleich zu den Rassenproblemen der USA zu ziehen. Das Thema ist längst in der Mittelklasse angekommen.

Quelle: Spiegel

 

Links:

www.spiegel.de/politik/ausland/ungarn-nach-mord-an-polizistin-kata-bandy-waechst-hass-auf-roma-a-852231.html

www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-02/ungarn-roma/komplettansicht

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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