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21.08.2013 | China: Tibeter erhält Todesurteil

Aus Protest nahm sich eine Frau aus Tibet am Vortag der offiziellen Wahl des neuen chinesischen Staatschefs Xi Jinping durch Selbstverbrennung das Leben, dies berichteten Exiltibeter. Damit habe die Frau gegen die chinesische Herrschaft in Tibet protestieren und die Rückkehr des Dalai Lama einfordern wollen. Nun wurde ihr Ehemann wegen Mordes zum Tode verurteilt.

Der 32-jährige Dolma Kyab soll am 11. März diesen Jahres nach Streitigkeiten wegen Alkoholproblemen seine Frau Kunchok Wangmo, 31, erdrosselt haben; dafür erhielt er vom Mittleren Volksgericht in der tibetischen Region Ngaba die Todesstrafe.

Nach Wangmos Selbstverbrennung verhafteten die chinesischen Behörden ihren Mann, als er sich weigerte, deren Anordnungen Folge zu leisten und für die Tat seiner Frau familiäre Gründe als Auslöser anzugeben. Dolma Kyab ist der einzige Geldverdiener in der Familie, zu der noch seine achtjährige Tochter und seine betagte Mutter gehören.

Kurioserweise zitierten offizielle Medien den Verteidiger von Kyab, demzufolge die Eltern seiner Frau nicht glauben wollten, dass ihr Schwiegersohn ihre Tochter getötet haben soll. Das Paar sei "im allgemeinen gut miteinander ausgekommen". Er war der erste Tibeter, gegen den im Zusammenhang mit einem Fall von Selbstverbrennung ein Todesurteil erging.

Nach Angaben des Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (Tibetanisches Zentrum für Menschenrechte und Demokratie) hat China bereits massiv auf Angehörige von Personen eingewirkt, die durch Selbstverbrennung umkamen, und hat beispielsweise Schweigegeld angeboten.

So wurde im November letzten Jahres Dhonue, der Ehemann von Dolkar Tso inoffiziell von chinesischen Sicherheitsbeamten eingesperrt. Dolkar Tso erlag am 7. August in der Nähe des Tsoe Gaden Choeling Klosters in der autonomen Präfektur Kanlho der tibetischen Provinz Gansu den Verletzungen ihrer Selbstverbrennung. Das von den Behörden angebotene Schweigegeld schlug ihr Ehemann aus. Er hätte dafür ein Dokument unterzeichnen sollen, das besagte, seine Frau habe sich wegen eines Familienstreits angezündet, nicht aus Protest gegen die chinesische Vorherrschaft.

Auch der Familie des aus der gleichen Region stammenden Sangay Gyatso, der sich selbst in Brand gesteckt hatte, wurde Schmiergeld in Höhe von einer Million Yuan - umgerechnet etwa 120000 Euro - offeriert, um von dessen Protest gegen die Unterdrückung Tibets abzulenken.

Da Geständnisse in China durchaus auch unter Folter zustande kommen und angesichts der Tatsache, dass Todesstrafenfälle nicht transparent gehandhabt werden, zweifeln kritische Stimmen die Rechtmäßigkeit bei der Anwendung der Todesstrafe an - internationalen Standards genüge sie nicht.

Quelle: phayul.com

 

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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