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26.09.2013 | Ohio: Harry Mitts hingerichtet

Nach zwanzig Jahren im Todestrakt ist gestern Vormittag in Ohio Harry Mitts Jr. mit dem letzten Bestand an Pentobarbital hingerichtet worden; um 10:39 Uhr wurde sein Tod festgestellt.

Rassistische Beschimpfungen ausstoßend schoss Mitts am 14. August 1994 um sich und traf John Bryant, den schwarzen Freund einer Nachbarin, sowie den Polizeibeamten Dennis Glivar tödlich. Er wurde für schweren Mord und Mordversuch schuldig gesprochen.

Mitts, 61 Jahre, leugnete nie seine Schuld am Tod der beiden Männer und war von Anfang an reumütig.

Vor dem Begnadigungsausschuss gab er an, vor der Tat stark angetrunken gewesen zu sein, da ihm seine Scheidung zu schaffen gemacht hatte. Er habe randaliert und in der Nachbarschaft um sich geschossen, wohl in der Absicht, die Polizei dazu zu bringen, ihn zu erschießen.

Er sei kein Rassist und könne sich auch nicht erinnern, solche Beleidigungen gegen Bryant, sein erstes Opfer, geäußert zu haben.

Auch könne er keine Erklärung dafür abgeben, weshalb er nicht schon auf zwei Nachbarn weißer Hautfarbe geschossen habe, denen er begegnete, noch bevor er auf Bryant traf.

Der Begnadigungsausschuss und Gouverneur John Kasich lehnten Mitts' Gnadengesuche ab.

Anwalt Jeff Kelleher zeigte sich enttäuscht von der Absicht Ohios, trotz verpfuschter Hinrichtungen, einer Reihe von Selbstmorden und dem schwindenden Rückhalt der Todesstrafe in der Bevölkerung an der Exekution seines Mandanten festzuhalten.

Vor der Urteilsvollstreckung wurde Mitts streng überwacht. Anfang August und Anfang September hatte es in Ohio zwei Aufsehen erregende Selbstmorde gegeben, die von Billy Slagle und Ariel Castro.

Slagle hatte sich kurz vor seiner bevorstehenden Exekution das Leben genommen, obwohl Wärter angeblich in vorgeschriebenen Abständen nach ihm sahen.

Inzwischen wurde bekannt, dass die Protokollbücher gefälscht wurden, in denen die Runden der Wärter festgehalten werden. Vier Wachleute wurden vom Dienst freigestellt, die Vorfälle werden untersucht.

Zudem stellte sich heraus, dass alle sechs in der Nacht diensttuenden Wärter nur Aushilfspersonal waren und für diesen Gefängnisbereich nicht entsprechend geschult waren. Einer von ihnen befand sich sogar noch in der Probezeit.

Billy Slagle wäre die Urteilsvollstreckung möglicherweise noch erspart geblieben, da der jetzige Staatsanwalt von Cuyahoga County, Tim McGinty, um Milde gebeten hatte. Er argumentierte, Slagle hätte nach heutiger Sichtweise niemals die Todesstrafe erhalten dürfen.

Harry Mitts Jr. bat die sechs anwesenden Angehörigen der Opfer in seinen letzten Worten um Vergebung. Mitts hatte im Todestrakt zur Religion gefunden und seine Taten seit Jahren zutiefst bereut.

Pentobarbital wird vom Hersteller nicht mehr für Hinrichtungszwecke vertrieben, und Ohios Vorrat läuft ab.

Die Strafvollzugsbehörde beabsichtigt, bis spätestens 4. Oktober ein neues Hinrichtungsprotokoll bekanntzugeben.

Gegenwärtig sind im Bundesstaat Ohio bis ins Jahr 2015 schon zwölf Exekutionstermine anberaumt.

Quellen: Associated Press, WKYC news, Rick Halperin, Initiative gegen die Todesstrafe

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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