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11.09.2013 | Ohio: Leitartikel für Abschaffung der Todesstrafe

Der Cleveland Plain Dealer zieht in einem Leitartikel diese Woche den Schluss, die Todesstrafe sei obsolet.

 

Ohios schwindender Bestand an Hinrichtungsmedikamenten ist nur ein weiteres Indiz, warum es an der Zeit ist, die Todesstrafe abzuschaffen.

Es gibt einen Grund dafür, wenn sich die meisten Ärzte weigern, die heutzutage verwendeten tödlichen Mittel zum Tode Verurteilten zu verabreichen. Es ist derselbe Grund, aus dem Ohio über fast keinen Vorrat an Pentobarbital mehr verfügt - dem gegenwärtig gefragtesten Mittel für die Todesstrafe: Die meisten Mediziner und viele Hersteller von Arzneimitteln möchten damit nicht in Verbindung gebracht werden, wenn einem Menschen das Leben genommen wird.

Die erschöpften Vorräte an Hinrichtungsgift sind lediglich ein weiterer Grund, weshalb Ohio und die anderen Bundesstaaten, in denen noch Häftlinge hingerichtet werden, moralische, ethische, juristische und rein praktische Gründe überdenken sollten.

Pentobarbital ist im Grunde das gleiche Mittel, mit dem auch Tiere eingeschläfert werden. Wie schon andere zuvor bei Hinrichtungen angewendete Präparate ist auch dieses nie daraufhin systematisch untersucht worden, wie human ein Mann oder eine Frau damit exekutiert wird.

Aus einer Eingabe eines Bundesgerichts Anfang des Monats geht hervor, dass Ohio nach der Hinrichtung von Harry Mitts Jr. am 25. September über kein Pentobarbital mehr verfügen wird. Mitts wurde verurteilt, einen Nachbarn bei einem mutmaßlich rassistisch motivierten tätlichen Angriff ermordet und anschließend auch einen Polizisten aus Garfield Heights getötet zu haben.

Das bedeutet, Ohio muss sich für die Exekution von Ronald Phillips aus Akron etwas anderes einfallen lassen; er soll wegen Vergewaltigung und Mord an einem dreijährigen Mädchen im November sterben.

Associated Press zufolge wird es das dritte Mal sein, dass Ohio gezwungen ist, sein Hinrichtungsprotokoll umzustellen.

Nach der missglückten Exekution von Romell Broom, die abgebrochen wurde, als zahlreiche Versuche fehlgeschlagen waren, eine Vene zu finden, über die die damals für Hinrichtungen vorgeschriebenen drei Medikamente hätten verabreicht werden können, stellte Ohio 2009 auf die Methode mit nur einem Präparat um. Zudem wurden Zweifel laut, ob die lähmende Komponente der Mittel den Gefangenen daran hindert, sich bei etwaigen Schmerzen während der Hinrichtung bemerkbar zu machen.

Danach wechselte Ohio zu nur noch einem Präparat, Natrium-Thiopental, doch bereits 2011 sah sich der Bundesstaat gezwungen, erneut umzustellen, diesmal auf Pentobarbital.

Laut der New York Times besteht das Problem darin, dass viele pharmazeutische Hersteller Gefängnissen keine Medikamente für Exekutionen mehr liefern wollen. Die Vorräte an Pentobarbital schwinden, da der dänische Hersteller die Belieferung von Strafvollzugsbehörden in den USA beschränkt hat, so die Times.

Unterlagen, die Associated Press vorliegen, zeigen, dass Georgia sich an eine 'compounding pharmacy' wendete, nachdem sein Pentobarbitalvorrat im März abgelaufen war. Allerdings stellte sich die Frage hinsichtlich der Qualitätskontrolle bei einigen 'compounding pharmacies', als letztes Jahr mehr als 50 Menschen an verunreinigten Medikamenten starben, die das New England Compounding Center vertrieben hatte.

In Missouri nimmt der Plan Gestalt an, Propofol zum Einsatz zu bringen - das Medikament, das zum Tod von Michael Jackson beitrug.

Es ist schwer, für Mörder oder Vergewaltiger Sympathie aufzubringen. Doch wenn der Staat die ehrfurchtgebietende Last auf sich nimmt, einem Menschen das Leben zu nehmen, sollte er dafür auch wirklich über die besten Leute und die besten Mittel verfügen - und das ist ganz offensichtlich nicht der Fall.

Es ist an der Zeit, die Todesstrafe abzuschaffen, ebenso damit verbundene Ungerechtigkeiten und Unrecht, einschließlich der Auswirkung auf diejenigen, die sie vollstrecken müssen, und auch alle anderen praktischen, moralischen und ethischen Probleme, die sie mit sich bringt.

Quelle: Leitartikel Cleveland Plain Dealer

 

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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