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24.06.2013 | Saudi-Arabien: Todesstrafe und Blutgeld

Vor kurzem eröffnete im Königreich Saudi-Arabien ein Gouvernement in einer ortsansässigen Bank ein Konto, auf dem Spenden gesammelt werden sollen, um damit das Leben eines wegen Mordes zum Tode verurteilten Mannes zu retten.

Die Angehörigen des Mordopfers würden das Leben des Verurteilten schonen, sofern sie bis 22. August das geforderte Blutgeld in Höhe von umgerechnet rund 2,8 Millionen Euro erhalten.

Immer wieder fordern Opferangehörige enorm hohe Entschädigungszahlungen, damit sie auf den Vollzug eines Todesurteils verzichten. In so einem Fall kann die Familie des Täters in der Regel nur noch auf die Spendenbereitschaft innerhalb der eigenen Gemeinschaft und bei anderen Stämmen hoffen.

Genau betrachtet lässt sich das jedoch nicht mehr als Gnadenakt, sondern als regelrechten Handel mit dem Blut eines Menschen bezeichnen, was keinesfalls dem Geist der Vergebung oder der Moral entspricht.

Mit dem Blut eines Verwandten Handel zu treiben, löst weder in der Seele des Begnadigten Nächstenliebe aus, noch ruft es in den Herzen derjenigen, die die Begnadigung gewähren, besondere Mildtätigkeit hervor. Vielmehr bestärkt es die Feindseligkeit und sorgt dafür, dass der Hass auch an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wird.

Es steht außer Frage, einem Mörder Gnade zu gewähren, ist eine der guten Taten, zu denen der Islam aufruft. Doch wenn man statt dessen für hohe Geldbeträge die Hand aufhält und die Werte der Gesellschaft aufs Spiel setzt, kann die Unterstützung von Leuten, die für übertrieben hohe Summen mit dem Straferlass winken, sogar neue Probleme schaffen, statt bestehende zu lösen.

Quelle: Saudi Gazette

 

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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