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14.06.2013 | Texas: Geständiger Mörder hingerichtet

Am Mittwoch Abend wurde in Huntsville der 44-jährige Elroy Chester hingerichtet. Er hatte gestanden, vor fünfzehn Jahren über einen Zeitraum von einem halben Jahr fünf Menschen getötet zu haben; für den Tod eines Feuerwehrmanns erhielt er die Todesstrafe.

In seinen letzten Worten bat er die Angehörigen von Willie Ryman darum, gegen ihn keinen Hass zu hegen. Er habe ein Geständnis abgelegt, da er der Auffassung war, "Sie sollten erfahren, wer Ihren Angehörigen getötet hat", und er bedaure die Tat.

Kurz darauf sagte Chester zum Gefängnisdirektor, man könne mit der Hinrichtung beginnen. Er summte eine Art Kirchenlied vor sich hin, holte dann mehrmals tief Luft, gähnte und als das Medikament zu wirken begann, hörte man Schnarchgeräusche. Elroy Chester wurde 27 Minuten nach Verabreichen der Injektion um 19:04 Uhr für tot erklärt.

Chester, der auf Bewährung entlassen war, beging während eines Einbruchs im Februar 1998 einen sexuellen Übergriff gegen zwei Nichten Rymans im Teenageralter. Der 38-jährige Ryman kam zufällig dazu und wurde von Chester getötet. Er wurde schnell gefasst und bekannte sich schuldig, Ryman getötet zu haben.

Die Vergewaltigungen konnten durch DNA-Spuren Chester eindeutig nachgewiesen werden. Des weiteren ergaben ballistische Untersuchungen, dass mit seiner Schusswaffe außer Ryman auch vier andere Personen erschossen wurden. Die Waffe war in Port Arthur bei einem von 25 Einbrüchen gestohlen worden, die offenbar auf Chesters Konto gingen.

Auch die anderen vier Morde gab Chester zu. So habe er John Henry Sepeda, 78, und Etta Mae Stallings, 87, bei einem Einbruch getötet. Der 40-jährigen Cheryl DeLeon hatte er aufgelauert und sie mit seiner Waffe erschlagen, als sie von der Arbeit nach Hause kam. Des weiteren habe er seinen Schwager Albert Bolden Jr., 35, mit einem Schuss in den Kopf getötet.

Im Prozess berieten sich die Geschworenen gerade einmal zwölf Minuten, bis sie das Todesurteil fällten.

Vor der Exekution gab es noch eine bemerkenswerte Verwicklung, als der Oberste Gerichtshof der USA über einen letzten Antrag von Chesters Anwälten entscheiden sollte. Diese hatten darin das Verhalten einer Richterin des 5th Circuit Court of Appeals thematisiert, der zu Chesters Fall zu einem früheren Zeitpunkt eine Entscheidung mit zwei zu einer Stimme gefällt hatte.

Richterin Edith Jones gehörte vor zwei Jahren zu den Mehrheitsbildnern, die zu dem Schluss kamen, Chester sei nicht geistig beeinträchtigt und dürfe von daher hingerichtet werden. Seine Verteidiger brachten vor, Jones habe danach Vorurteile gegen Chester zum Ausdruck gebracht, als sie während eines Vortrags an der juristischen Fakultät der Universität von Pennsylvania seinen Fall besprach.

Ihre Anmerkungen waren zwar nicht mitgeschnitten worden, doch gaben mehrere der Teilnehmer eidesstattliche Erklärungen ab, welche den Bericht eines Juristen untermauerten, der Jones' "Empörung und Ungläubigkeit" beschrieb, dass Chester und andere Personen in ihren Berufungsanträgen überhaupt Behauptungen aufstellten, sie seien geistig beeinträchtigt.

Der Anwältin Susan Orlansky zufolge "infizierten" die Kommentare Jones' Urteilsfähigkeit und ließen Zweifel an ihrer Unparteilichkeit aufkommen.

Chesters Verteidiger hatten einen Hinrichtungsaufschub beantragt, damit ein neues Richtergremium genug Zeit erhielte, den Fall zu untersuchen und ihre Vorhaltungen gegenüber Jones zu prüfen. Die Schuld ihres Mandanten stellten sie nicht in Abrede.

Ein anderer Ausschuss des 5th Circuit Court bewertete daraufhin am Mittwoch die Argumente und kam zum Ergebnis, er könne "keine Ungerechtigkeit und auch keine Unrichtigkeit" feststellen. In der Folge wandten sich Chesters Verteidiger an den Obersten Gerichtshof.

Für Texas war es die 499. Hinrichtung seit Wiederaufnahme der Todesstrafe, und die 260. von Gouverneur Rick Perry gegengezeichnete Exekution, seit er 2001 das Amt antrat. Am 26. Juni soll die zum Tode verurteilte Kimberly McCarthy als 500. Häftling vom Bundesstaat Texas hingerichtet werden.

Quellen: Associated Press, Rick Halperin

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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