zurück zur Übersicht

18.11.2013 | Texas: Verurteilter Staatsanwalt vorzeitig aus Haft entlassen

Der für seine Mitverantwortung an einem gravierenden Fehlurteil verurteilte Staatsanwalt Ken Williamson musste von der lächerlich geringen Strafe von zehn Tagen Gefängnis lediglich vier Tage tatsächlich absitzen.

Ein Tag, den er schon vor Antritt der Haftstrafe im Gefängnis verbracht hatte, wurde ihm angerechnet, die restlichen fünf Tage wurde ihm am Freitag wegen „guter Führung“ erlassen.

Man hatte Anderson schuldig befunden, entlastendes Beweismaterial in der Strafsache gegen Michael Morton zurückgehalten und sich auf diese Weise der Missachtung des Gerichts schuldig gemacht zu haben. Er habe aus Karrieregründen den Fall gegen Morton unbedingt gewinnen wollen; im Jahr 2002 wurde er schließlich Richter („state district judge“).

Michael Morton war fälschlich zu lebenslänglich verurteilt worden, er soll 1986 seine Frau erschlagen haben.

Obwohl er stets seine Unschuld beteuerte, wurde er erst 2011 durch DNA-Beweise entlastet und auf freien Fuß gesetzt, nach beinahe 25 Jahren hinter Gittern.

Anderson trat im September von seinem Amt zurück, als sein Verhalten bloßgestellt worden war.

In der Anhörung am Freitag meldete er sich nicht zu Wort, und wollte auch zuvor höchstens einen „Fehler des Systems“ zugeben.

Er besteht weiterhin darauf, sich nicht des Fehlverhaltens schuldig gemacht zu haben, übernahm nach wie vor keine persönliche Verantwortung und zeigte keinerlei Reue.

Außer der zehntägigen Haft und dem Ausschluss aus der Anwaltskammer steht Anderson auch noch das Ableisten von 500 gemeinnützigen Stunden bevor, wie es die Anwaltschaft von Texas in einer Absprache über die Klage mit der Gegenseite vereinbart hatte.

Morton war am Freitag ebenfalls im Gerichtssaal. Ihm sei es nicht um Rache, sondern stets um Gerechtigkeit und Haftung für das begangene Unrecht gegangen. Das Mindeste sei jedoch gewesen, Anderson zu verwehren, Recht zu sprechen, was nun erfüllt sei.

Morton setzte sich nach seiner Freilassung für Veränderungen der Gesetze von Texas ein, die die Haftung von Staatsanwälten nach festgestellter Rechtsbeugung zum Inhalt haben. Dieses Jahr wurde das Gesetz „Michael Morton Act“ von der Legislative verabschiedet.

Seine Haltung brachte ihm und dem ebenfalls von der Schuld entlasteten Christopher Scott 2012 von der Dallas Morning News die Auszeichnung „Texaner des Jahres“ ein.

Quellen: Houston Chronicle, PR Newswire, Dallas Morning News

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

zurück zur Übersicht