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17.01.2013 | Virginia: Häftling auf elektrischem Stuhl hingerichtet

Im US-Bundesstaat Virginia wurde gestern Abend ein Häftling exekutiert, der auch nach seiner Verhaftung im Gefängnis noch zwei Männer ermordet hatte, um seine eigene Hinrichtung zu betreiben.

Der frühere als Tätowierer arbeitende Robert Gleason, 42 Jahre, bekannte sich 2007 schuldig, einen Mann erschossen zu haben; dies brachte ihm eine lebenslängliche Haftstrafe ein. Als Gefängnisbeamte sich weigerten, einen psychisch gestörten neuen Mithäftling namens Harvey Watson Jr. aus seiner Zelle zu nehmen, tötete er den 63-Jährigen im Mai 2009.

Er hatte Watson glauben machen, wenn er gefesselt wäre, könnte man das in einen Fluchtplan einbauen. Dann schlug er den Mann, verhöhnte ihn, indem er ihm einen uringetränkten Schwamm in den Mund steckte und erdrosselte ihn dann.

Die Leiche wurde erst fünfzehn Stunden später in seiner Zelle entdeckt. In einem Interview mit der Associated Press erklärte Gleason hinterher, er werde weitertöten, bis man ihn zum Tode verurteile. Diese Drohung wiederholt er auch mehrfach vor Gericht.

Noch während er im Juli 2010 in einem Hochsicherheitsgefängnis für die gefährlichsten Insassen Virginias auf seine Verurteilung wartete, erdrosselte Gleason den 26-jährigen Aaron Cooper durch den Drahtzaun, der ihre beiden käfigartigen Flächen trennte, in denen Häftlinge separiert ihre Freistunde verbringen können. Er hatte Cooper gebeten, eine "heilsbringende Halskette" auszuprobieren. Eine Videoaufzeichnung zeigte, dass Cooper über eine Stunde lang zu Tode gewürgt wurde.

Gleason verzichtete auf jegliche Berufungsansprüche und Gnadengesuche.

Seinen früheren Anwälten hatte er verboten, die Urteilsvollstreckung zu hintertreiben. Diese hatten argumentiert, Gleason sei nach einem Jahr Einzelhaft im Todestrakt gar nicht in der Lage, frei über den Verzicht auf Appelle zu entscheiden. Bereits vor dem Urteilsspruch hatten zwei Beurteilungen zu Gleasons Geisteszustands darauf hingewiesen, dass er depressiv und impulsiv sei, dennoch könne er in seiner Sache Entscheidungen treffen. Durch die Isolierung in der Todeszelle habe sich die Verfassung des Häftlings jedoch verschlimmert.

Wie es hieß, wollte Gleason die Todesstrafe erhalten, da er einer ihm nahestehenden Person versprochen habe, nicht mehr zu töten. Auf diese Weise könne er seinen Kindern, darunter auch zwei noch kleine Söhne, zeigen, was mit ihnen passieren kann, sollten sie den gleichen Weg wie er einschlagen.

"Ich war ihnen kein Vater, und jetzt hoffe ich, dass ich noch etwas letztes Gutes für sie tun kann", sagte Gleason.

Als erster Gefangener seit 2010 wählte er den elektrischen Stuhl als Hinrichtungsmethode, weil er der Überzeugung war, es sei die schnellere und schmerzfreiere Art der Tötung. Damit wurden seit 1995, als Virginia Verurteilten die Wahl zwischen zwei Methoden ließ, von insgesamt 84 Exekutierten nunmehr sieben nach eigener Entscheidung mit Strom statt mit Gift hingerichtet. Verurteilte haben in zehn US-Bundesstaaten die Wahl zwischen elektrischem Stuhl und Giftinjektion.

Gleason traf direkt vor der Urteilsvollstreckung keine Verwandten mehr. Familienangehörige des Täters werden in diesem Bundesstaat nicht als Zeugen bei der Exekution zugelassen.

Robert Gleason wurde um 21:08 Uhr Ortszeit im Greensville Correctional Center offiziell für tot erklärt.

Quellen: BBC, Associated Press

 

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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