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28.07.2014 | Chemikalien-Mischung und menschliche Fehler führen zu umstrittenen Hinrichtungen

Arizona brauchte 2 Stunden, um den zum Tode verurteilten Joseph Wood hinzurichten. Eine ungewöhnlich lange Zeit für eine Hinrichtung. Woods Tod hat die Debatte über die Todesstrafe und die Giftspritze wieder eröffnet. Die tödliche Injektion wird in allen 32 Staaten, die die Todesstrafe haben, verwendet.

Einige Zeugen sagten aus, Wood schnappte nach Luft und schien Schmerzen zu haben. Andere wiederum sagten, er schnarchte nur. Der Staat Arizona sagte, dass Wood nicht leiden musste. So oder so gibt es neuerliche Bedenken, dass Hinrichtungen weder schnell noch schmerzlos sind.

Hinrichtungen werden üblicherweise unter Verwendung von 3 nacheinander verabreichten Drogen durchgeführt. Das erste Medikament ist ein Anästhetikum. Das zweite Medikament wird zur Lähmung der Muskeln verabreicht und das dritte Medikament soll das Herz stoppen.

Seit Jahren wurde das Medikament Natrium-Thiopental als Anästhetikum verabreicht, das für Narkosen verwendet wird, bis der einzige US-Hersteller die Herstellung des Medikamentes einstellte. Die Vereinigten Staaten wandten sich an europäische Hersteller, aber diese weigerten sich, das Medikament für Hinrichtungen zu verkaufen.

Da das Medikament Natrium-Thiopental für Hinrichtungen nicht mehr eingesetzt werden konnte, wechselten einige Staaten zu einem Medikament namens Midazolam als Ersatz-Anästhetikum.

Erfahrene Fachleute glauben jedoch, dass es deshalb bei wenigstens drei Hinrichtungen während der Ausführung zu Problemen kam. Zeugen beschrieben den Zustand der Häftlinge als keuchend, würgend oder schnaubend, und bei einer Hinrichtung wurde der Häftling als sprechend beschrieben.

Joseph Wood wurde am Mittwoch das Betäubungsmittel Midazolam sowie Hydromorphon, ein Schmerzmittel, das bei Überdosis die Atmung anhält und den Herzschlag stoppt, injiziert. Eine neue Kombination und neuer Versuch der Staaten, mit kontroversen Ergebnissen.

Was könnte man als eine verpfuschte Hinrichtung bezeichnen? Michael Radelet, ein Professor für Soziologie und Recht, ist der Meinung, dass eine Hinrichtung dann als verpfuscht gilt, wenn der Häftling ein "langes Leiden" von 20 Minuten oder mehr hat.

Verpfuscht oder nicht, viele Hinrichtungen verlaufen nicht wie geplant. Die meisten der hier aufgeführten Hinrichtungen wurden von der Menschenrechtsorganisation "Human Right Watch" zusammengestellt.

Dennis McGuire, hingerichtet am 16. Januar 2014 in Ohio. Columbus Reporter Alan Johnson sagte, die Hinrichtung dauerte 24 Minuten. McGuire keuchte nach Luft für 10 bis 13 Minuten. Ihm war mit Midazolam und Hydromorphon eine 2-Wirkstoffkombination, die vorher noch nicht in den Vereinigten Staaten verwendet worden war, injiziert worden. McGuire wurde 1994 der Vergewaltigung und Ermordung einer 22-jährigen schwangeren Frau angeklagt und zum Tode verurteilt.

Clayton Lockett, hingerichtet am 29. April 2014 in Oklahoma. Lockett wurde Midazolam injiziert, aber anstatt ohnmächtig zu werden zuckte er, erschütterte und sprach. Die Hinrichtung wurde gestoppt, aber Lockett starb nach 43 Minuten. Laut einer unabhängigen Autopsie hatte ein Team, das für die Hinrichtung ausgewählt wurde, es nicht geschafft, einen einwandfrei funktionierenden Venenzugang in Locketts Bein zu legen. Lockett wurde 1999 zum Tode verurteilt. Er vergewaltigte, erschoss und begrub eine junge Frau obwohl sie noch atmete.

Jose High, hingerichtet am 7. November 2001 in Georgia. Das Hinrichtungsteam hatte Schwierigkeiten, eine brauchbare Vene zu finden, und brauchte 39 Minuten, bevor sie schließlich eine Nadel in die Hand einführten. Eine zweite Nadel wurde zwischen Hals und Schulter durch einen Arzt gelegt. 69 Minuten, nachdem die Hinrichtung begann, wurde High für tot erklärt. High wurde 1976 für einen Raub sowie die Entführung und Ermordung eines 11-jährigen Jungen für schuldig befunden.

Claude Jones, hingerichtet am 7. Dezember 2000 in Texas. Das Hinrichtungsteam brauchte 30 Minuten, um eine geeignete Vene zu finden. Der Grund dafür war Jones' früherer Drogenkonsum. Jones wurde 1990 für den Mord an einem Schnapsladen Besitzer verurteilt.

Joseph Cannon, hingerichtet am 23. April 1998 in Texas. Die Nadel ist herausgesprungen und Cannon sagte: "Sie ist herausgegangen." Die Nadel wurde erneut eingesetzt und 15 Minuten später sprach der weinende Cannon seine zweiten letzten Worte. Er wurde wegen Mordes verurteilt.

John Wayne Gacy, hingerichtet am 10. Mai 1994 in Illinois. Die tödlichen Chemikalien verklumpten und verstopften so den Venenzugang zu Gacys Arm. Ein neuer Schlauch wurde installiert und die Hinrichtung fortgesetzt. Gacy, einer der berüchtigtsten Mörder Amerikas wurde 1980 wegen Vergewaltigung und der Tötung von 33 jungen Männern, die er in sein Haus gelockt hatte, verurteilt.

Charles Walker, hingerichtet am 12. September 1990 in Illinois. Die Hinrichtungsdauer wurde verlängert, weil ein Knick im Kunststoffschlauch den Fluss der Chemikalien in Walkers Körper stoppte, und eine intravenöse Nadel zeigte auf Walkers Finger anstatt zu seinem Herzen. Das sagte ein Ingenieur des Missouri Staatsgefängnisses, der bei der Hinrichtung assistieren sollte. Walker wurde wegen 2-fachen Mordes verurteilt.

Raymond Landry, hingerichtet am 13. Dezember 1988 in Texas. Der Katheter löste sich und flog durch die Luft, nachdem die tödliche Injektion bereits schon 1 Minute durch Landrys Körper floss. Das Hinrichtungsteam verbrachte 14 Minuten damit, den Katheter wieder einzuführen. Landry wurde nach 40 Minuten für tot erklärt. Er war wegen Mordes verurteilt worden.

Quelle: CNN, July 26, 2014

Link: deathpenaltynews.blogspot.de/2014/07/chemical-mix-and-human-error-lead-to.html

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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