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27.01.2014 | USA: "Wir alle sollten uns empören"

Nach der langsamen und offensichtlich qualvollen Hinrichtung von Dennis McGuire in Ohio fordert Steven Hawkins, Geschäftsführer von Amnesty International in den USA: "Die ganze Welt sollte gut aufpassen, wie Menschen in den USA hingerichtet werden.“

Hawkins wie auch Richard Dieter vom Death Penalty Information Center gehen davon aus, das Ende der Todesstrafe in den USA werde nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Von den 50 US-Bundesstaaten haben 18 diese Strafform bereits abgeschafft – sechs davon in den vergangenen sechs Jahren –, neun weitere könnten diesen Schritt im laufenden Jahr tun.

Zahlreiche Probleme im Zusammenhang mit der Beschaffung von Hinrichtungspräparaten bereiten den Behörden dabei die größten Schwierigkeiten, Todesurteile überhaupt zu vollstrecken. Schon wurden Forderungen nach Wiedereinführung von Erschießungskommandos laut.

Jüngst experimentierte Ohio deswegen sogar mit einem für Hinrichtungszwecke völlig unerprobten Medikament.

Die Anwälte von Dennis McGuire, der Zeugen zufolge qualvoll röchelte und minutenlang um Luft rang, klagen nun gegen den Bundesstaat. Die letzten Worte des in Oklahoma hingerichteten Michael Lee Wilson lauteten: "Ich spüre, wie mein ganzer Körper brennt."

Derartige Vorfälle schwächen in letzter Zeit landesweit die Akzeptanz dieser Art der Bestrafung. In Kalifornien, wo fast ein Viertel aller 3146 Todeskandidaten der USA auf ihre Hinrichtung warten, gilt seit 2007 ein Moratorium.

Die meisten Exekutionen (98) fanden in den USA 1999 statt, 2011 und 2012 waren es je 43, letztes Jahr sank die Zahl auf 39 – durchgeführt in nur noch neun Bundesstaaten.

Laut einer Gallup-Umfrage sprachen sich noch etwa 60 Prozent der Amerikaner für die Beibehaltung der Todesstrafe aus, doch insgesamt ging die Zustimmung zurück. Die Gerichte sind ebenfalls zurückhaltender, was neue Todesurteile anlangt.

Dabei mag auch die Zahl der zu Unrecht Verurteilten eine Rolle spielen – seit 1973 wurden nachträglich 143 rechtskräftige Todesurteile aufgehoben. Im Schnitt mussten die Todestraktinsassen ab dem Zeitpunkt des Todesurteils bis zur offiziellen Entlastung etwas über zehn Jahre warten.

Quellen: Spiegel, Death Penalty Information Center

Initiative gegen die Todesstrafe e.V. | www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

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